Über Impfstoffe gegen Gürtelrose/Herpes zoster, eine z.B. auch nach Covid-Impfungen beobachtete Erkrankung.
 

Varizella-zoster-Viren (VZV) gehören zur Familie der Herpesviren - als solche verbleiben sie nach einer Erstinfektion (Windpocken, früher meist im Kindesalter) lebenslang in Nervenknotenpunkten ("Ganglien") des menschlichen Nervensystems.

Bei einer Schwächung des Immunsystems (schwere akute oder bösartige Erkrankung, Alter, stress, ...) kann es zu einer Reaktivierung des Virus kommen.

Es kommt dann einseitig im Bereich eines oder mehrerer benachbarter "Dermatome" (das ist der Hautbereich, der von dem betroffenen Ganglion nervlich versorgt wird) zum Auftreten eines bläschenförmigen Hautausschlags, oft mit Missempfindungen oder Schmerzen.

Der Bläscheninhalt ist ansteckend und kann als Kontaktinfektion bei immun-naiven Menschen Windpocken auslösen.

Komplikationen
  • bei Betroffensein der Hirnnerven Schädigung von Auge oder Ohr

  • anhalten Schmerzzustände über Wochen und Monate ("postherpetische Neuralgie")

  • bakterielle Superinfektion

  • selten zentralnervöse Komplikationen wie Meningoenzephalitis, Hirninfarkte, ...

Ein abgeschwächter Lebendimpfstoff, der "von der STIKO aufgrund der eingeschränkten Wirksamkeit und seiner begrenzten Wirkdauer nicht als Standardimpfung empfohlen" wird (RKI 2020).

Eine ausführliche, allerdings ältere Darstellung findet sich im industrieunabhängigen arznei-telegramm (a-t 2013).

Impfstoff-Technologie

Verimpft wird als Antigen ein rekombinant hergestelltes virales Oberflächen-Glykoprotein E. Als Wirkverstärker wird das liposomale Adjuvans ASO1B eingesetzt, dessen "Adjuvanseffekt... nicht komplett verstanden" ist (Wagner 2019) und dessen "potenzielles Risiko weiterer immunvermittelter Erkrankungen […] in zwei Sicherheitsstudien erfasst [wird], deren Abschluss 2027 erwartet wird." (a-t 2022)

Eine Impfserie besteht aus zwei Impfungen im Abstand von mindestens zwei bis maximal sechs Monaten.

Wirksamkeit

Studien an Teilnehmern im Alter über 50 Jahre fanden eine relative Risikoreduktion für einen Herpes zoster von etwa 90% (Cunningham 2016, Lal 2015), das Risiko einer postherpetischen Neuralgie bei über 80-Jährigen wurde in etwa gleichem Maße reduziert. Die bisher dokumentierte Wirkdauer wird aktuell mit etwa 7 Jahren angenommen, es kommt allerdings zu einer Abnahme der Wirksamkeit im Laufe dieser Zeit (Boutry 2021).

Analysen zum Verhindern von Komplikationen liegen jenseits der Zulassungsstudien nicht vor, "Für zwei Geimpfte wird im Rahmen der Erfassung schwerwiegender Ereignisse eine postherpetische Neuralgie bzw. ein disseminierter Herpes zoster berichtet." (a-t 2022).

Die Datenlage zur Anwendung des Impfstoffs bei Patienten, die bereits einen HZ erlitten wird vom arznei-telegramm als "unbefriedigend" eingestuft, das a-t rät hier zur Zurückhaltung in der Indikationsstellung (a-t 2022).

Im Gegensatz zum Lebendimpfstoff Zostavax® kann Shingrix® auch bei immunkompromittierten Menschen wirksam angewendet werden. Bei der Indikation zur Impfung muss die hier geringere Wirksamkeit gegen das höhere HZ-Risiko auf der Immunschwäche abgewogen werden.

Für die Indikationsausweitung auf Menschen unter 50 Jahre mit erhöhtem HZ-Risiko durch nicht primär immunkompromittierende Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus, Asthma, COPD, kardiovaskulären oder Nierenerkrankungen fehlen bis jetzt belastbare Daten zur Wirksamkeit (a-t 2022).

UAW

"Die Impfung mit der rekombinanten Vakzine verursacht sehr häufig unerwünschte Wirkungen. […] Bei über 35% können leichte bis mittelschwere Allgemeinsymptome mehrere Tage andauern." (pharma-kritik 2022) Das arznei-telegramm spricht lapidar von einem "schlecht verträglichen Impfstoff" (a-t 2022)

Herpes zoster (HZ) bzw. zosterartige (blasen- und bläschenförmige) Hauterscheinungen wurden zuerst 2020 der Arzneikommission der deutschen Ärzteschaft vermehrt gemeldet (AkdÄ 2020): "Die Assoziation der Shingrix® Impfung mit dem zeitnahen Auftreten eines HZ ist überraschend, da es sich um eine rekombinante Untereinheiten-Vakzine handelt, die im Gegensatz zu einem Lebendimpfstoff nicht unmittelbar einen HZ hervorrufen kann. Eine gut belegte Erklärung hinsichtlich des pathophysiologischen Mechanismus für das Auftreten von HZ nach Impfung mit Shingrix® gibt es nicht." Daraufhin wurde vom Paul-Ehrlich-Institut eine postmarketing-Studie initiiert, die dieser unklaren Nebenwirkung nachgeht (PEI 2020). Die Studie ist mittlerweile beeendet, Ergebnisse sind noch nicht veröffentlicht.

Guillain-Barré-Syndrom: eine große Beobachtungsstudie geht von etwa 3 zusätzlichen Fällen dieser lebensbedrohlichen Lähmungserkrankung pro 1 Million Impfdosen aus (dies entspräche einem Risiko von 1/167.000 für jeden vollständig Geimpften) (Goud 2021).

AkdÄ. 2020. Fallberichte von Herpes zoster bzw. Zoster-artigen Hautläsionen nach Shingrix® -Impfung („Aus der UAW-Datenbank“). Abruf 20.08.22

arznei-telegramm. NEUE DATEN ZUM VARIZELLA-ZOSTER-TOTIMPFSTOFF SHINGRIX. a-t 2022; 53: 54-4. Abruf 20.08.2022

arznei-telegramm. a-t 2013; 44: 97-8. Abruf 20.08.22

Boutry C. 2021. The Adjuvanted Recombinant Zoster Vaccine Confers Long-term Protection Against Herpes Zoster: Interim
Results of an Extension Study of the Pivotal Phase III Clinical Trials (ZOE-50 and ZOE-70). Clin Infect Dis.
2021 Jul 20:ciab629. doi: 10.1093/cid/ciab629.

Cunningham AL. 2016 Efficacy of the Herpes Zoster Subunit Vaccine in Adults 70 Years of Age or Older. N Engl J Med. 2016 Sep
15;375(11):1019-32. doi: 10.1056/NEJMoa1603800.

Goud R. 2021. Risk of Guillain-Barré Syndrome Following Recombinant Zoster Vaccine in Medicare Beneficiaries. Abruf 20.08.22

Lal H. 2015. Efficacy of an adjuvanted herpes zoster subunit vaccine in older adults. N Engl J Med. 2015 May
28;372(22):2087-96. doi: 10.1056/NEJMoa1501184.

PEI. 2020. Studie zu Shingrix. Abruf 20.08.22

RKI. 2020. Gürtelrose (Herpes zoster): Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Erkrankung und Impfung. Abruf 20.08.22

Wagner R. 2019. Zusammensetzung und Wirkmechanismen von Adjuvanzien in zugelassenen viralen Impfstoffen. Abruf 20.08.22