Wieder einmal werden Daten von Mitgliedern des US-amerikanischen Gesundheitsdienstleisters Kaisers Permanente (KPNC) für eine zahlenmäßig auf den ersten Blick beeindruckende Studie zur Wirksamkeit der Keuchhustenimpfung in der Schwangerschaft genutzt, diesmal ist der Name des Impfstoffherstellers nicht mühsam in den Interessenkonflikten zu suchen, er steht gleich an zweiter Stelle der Autorenliste... .
Aber dies ist nicht der einzige methodische Schwachpunkt der Studie:
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die Beschränkung auf Frauen und Neugeborene, die während und nach der Schwangerschaft bei KPNC versichert waren/sind, bedeutet einen klassischen healthy user bias und damit ein tendentielles Überschätzen von Impfeffektivitäten bei derartigen Studien
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der primäre Endpunkt: "Nachweis einer Keuchhusten-Infektion per PCR auf ärztliche Anordnung" birgt gleich zwei Schwachpunkte: zum einen könnte diese Testung bei Kindern ungeimpfter Frauen aus Sicherheitsgründen häufiger verordnet worden sein. Zum anderen ermöglicht diese Studie damit keinerlei Aussagen über klinisch relevante Endpunkte wie die Schwere des Verlaufs oder die Notwendigkeit stationärer oder gar intensivmedizinischer Behandlung.
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Dass die Studie darüber hinaus methodisch unsauber nur mit relativen Risikoverringerungen (RRR) argumentiert, ohne - wie eigentlich wissenschaftlich gefordert - auch die absoluten Werte (ARR) oder gar die number needed to vaccinate (NNV) zu nennen ist da fast schon nebensächlich... .
Es wurden also die Daten von 264.000 Säuglingen untersucht, 171.000 geboren von in der Schwangerschaft geimpften Müttern. Bei letzteren wurde eine, bei den Neugeborenen ungeimpfter Mütter 17 Keuchhusteninfektionen nachgewiesen, was eine eindrucksvolle RRR von 96% ergab. Die auffallende Diskrepanz von insgesamt weniger als 20 Infektionen bei mehr als 250.000 untersuchten Neugeborenen zeigt einmal mehr, wie selten Säuglinge in den kritischen ersten zwei Lebensmonaten mit Keuchhusten angesteckt werden - diese sehr, sehr kleine Risiko wird durch die Impfung in der Schwangerschaft um weniger als 0,02% (ARR) verringert. Anders formuliert: um eine Keuchhusteninfektion (nicht: einen schweren Verlauf) zu verhindern, müssten selbst nach diesen problematischen Daten mehr als 5000 Schwangere geimpft werden (NNV 5400) ... .
Hsiao A. 2026. https://doi.org/10.1016/j.ajog.2025.11.025
