Seitdem vor 25 Jahren die ersten Pneumokokken-Impfstoffe auf den Markt gebracht wurden, war ein Serotyp in jedem Impfstoff enthalten: 19F. Es war früh klar, dass dies ein potentieller Problemkeim ist, da die für das Verhindern von Infektionen mit 19F notwendigen Antikörperspiegel höher sein müssen, als für viele andere Pneumokokken-Typen.
Und obwohl seit 25 Jahren gegen 19F geimpft wird, ist klar: 19F ist zurück - und er ist nicht allein...
In den USA sind die Infektionszahlen mit diesem Serotyp verglichen mit den Daten vor Beginn jeder Pneumokokken-Impfung derzeit genauso hoch oder gar höher, vergleichbare Trends gibt es u.a. in UK oder Australien.
Eine aktuelle Arbeit der Universität Yale spekuliert über die Hintergründe dieses völlig unerwarteten Problems und formuliert mehrere mögliche Hypothesen, von denen jeoch keine die Situation letztendlich erklärt (Thindwa 2026). Als wahrscheinlichste Erklärung bleibt - auch nach Ansicht der Autoren - das die Entwicklung und der Einsatz von Pneumokokken-Impfstoffen mit immer mehr enthaltenen Serotypen das fragile ökologische Gleichgewicht in der Nasen-Rachen-Besiedlung mit Pneumokokken empfindlich gestört hat und durch die Impfung Nischen entstanden sind, die jetzt von 19F wieder neu gefüllt werden können. Damit wäre dann die aktuelle Impstrategie mit immer höhervalenten Impfstoffen eine der Ursachen des Problems:
„If, instead, resurgence is driven by reduced competition from non-vaccine serotypes, this could cause problems for higher-valency vaccines that would further reduce competition in the nasopharynx."
Das bedeutete letztendlich, dass der gedankliche Ansatz, des Besiedlungs- und Infektionsschutzes durch konjugierte Polysaccharid-Impfstoffe (PCV) bei bestimmten Kapsel- und Immunogenitätseigenschaften strukturell limitiert sein könnte. Damit hätten (haben) die PCV neben dem mittlerweile nicht mehr in Frage stehenden Phänomen des replacements ein grundsätzliches weiteres Problem: die resurgence. Der gedankliche Ansatz: Serotyp drin (im Impfstoff) heißt Serotyp weg (aus dem Infektionsspektrum) ist mit diesen Befunden schlicht und ergreifend widerlegt. Ein Mehr an abgedeckten Serotypen führt nicht zu einer besseren Wirksamkeit.
Und das Problem betrifft nicht 19F allein: auch andere, in den Impfstoffen enthaltene Serotypen erleben ein comeback oder waren schlicht nie wirklich kontrolliert wie Serotyp 3 (gerade in Europa), Serotyp 4,, Serotyp 19A, 9V, 12F (Belgien (Cuypers 2025) und Kanada (Griffith 2024), auch Serotyp 14.
Es wird klar: die hoch-valenten PCV der letzten Jahre können das Problem, das sie selbst verursachen, nicht lösen.
Anders formuliert: einmal mehr zeigt sich, dass wir mit naiv-mechanistischen Vorstellungen und Werkzeugen an Zusammenhängen herumimpfen, deren Komplexität wir nicht im Entferntesten verstanden haben...
Cuypers L. 2025. https://doi.org/10.1016/j.vaccine.2025.127763
Griffith A. 2024. https://doi.org/10.1016/j.vaccine.2025.127763
Thindwa D. 2026. https://doi.org/10.1371/journal.ppat.1014065
