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Kinder sind grundsätzlich durch COVID-19-Infektionen sehr wenig gefährdet - einige ganz wenige von ihnen entwickeln in diesem Zusammenhang jedoch ein schweres Entzündungssyndrom, das viele Organe betreffen kann: das so genannte MIS-C (multisystem inflammatory syndrome in children). Dies könnte für COVID-19-Impfungen bei Kindern zum Problem werden.

Stand der Dinge

Bei den meisten derjenigen Kinder, die ein MIS-C entwickeln, verläuft die COVID-19-Infektion kindertypisch unbemerkt, bevor es dann 2 - 4 Wochen nach der Infektion im Rahmen einer offensichtlichen Fehlregulation des Immunsystems zu einer massiven, den ganzen Körper betreffenden Entzündungsreaktion kommt, deren letztendliche Ursache bis heute unklar ist.

Auffallend ist, das bei diesen Kindern ungewöhnlich große Mengen von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 nachgewiesen werden konnten, wie diese auch bei Erwachsenen mit besonders schweren Infektionsverläufen gefunden wurden (Mathew 2020). Bei den Kindern mit einem schweren MIS-C sind dies einer aktuellen Studie zufolge vor allem so genannte RBD-Antikörper, die speziell an diejenige Stelle des Virus binden, mit dem dieses an die Wirtszelle andockt (receptor-binding-domain-antibodies) (Rostad 2020).

Das mögliche Problem dabei: es sind genau diese Antikörper, die in besonders hohem Maße nach den aktuellen Impfstoff-Kandidaten beobachtet werden: "Many candidate vaccines aim to elicit responses against the entire S, including RBD. Some aim to specifically elicit antibodies against RBD" (Zeichner 2020, Tanh 2020) - in der renommierten Fachzeitschrift Pediatrics (dem Organ der Amerikanischen Vereinigung der Kinderärzte) warnen Experten daher vor möglichen Problemen mit diesen Impfstoffen speziell bei Kindern: "If strong anti-RBD responses are associated with an increased risk of inflammatory disorders, it may then be advantageous to develop vaccines that, while eliciting excellent anti–SARS-CoV-2 neutralizing activity, preferentially avoid eliciting strong anti-RDB immune responses." (Zeichner 2020).

Perspektive

Den jetzt geplanten Impfstoff-Studien speziell mit Kindern (Grady 2020) kommt daher eine überragende Bedeutung zu, um bei einer Erkrankung, die die überwältigende Mehrzahl der Kinder nicht, einige ganz wenige aber stark betrifft, eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung vornehmen zu können.

Historisches

Speziell die RBD-Antikörper haben auch schon die Entwicklung eines SARS-CoV (ohne 2!)-Impfstoffs verhindert: einige von ihnen, die sich gegen die Randbereiche des Rezeptorbereichs richteten, führten nach der Impfung bei einer späteren Infektion der Versuchstiere zu einem verstärkten Eindringen der Viren in die Zellen (Tseng 2012).

Literatur

Grady D. 2020. NYT 03.12.2020

Mathew D. 2020. Science. 369(6508): eabc8511.

Rostad CA. 2020. Pediatrics 146 (6) e2020018242; DOI: https://doi.org/10.1542/peds.2020-018242

Tanh LT. 2020. Nat Rev Drug Discov. 2020; 19(5):305–306

Tseng CT. PLoS One. 2012;7(8). 

Zeichner SL. 2020. Pediatrics 146 (6) e2020032888; DOI: https://doi.org/10.1542/peds.2020-032888