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In der aktuellen Situation, in der die Politik, (nicht selten selbsternannte) Fachleute und Medien in seltener Einmütigkeit das Narrativ einer Jahrhundert-Pandemie erzählen, werden hier - auch wenn etwas off-topic auf einer website zum Impfen - gewohnt substantiiert Fakten und Stellungnahmen präsentiert werden, die eine differenziertere Sicht der aktuellen Weltlage ermöglichen.

In diesem Artikel in Blog-Form finden Sie - im Wesentlichen chronologisch geordnet - meist kurze Artikel und Hinweise auf aktuelle Informationen und Quellen.

Zusätzlich finden Sie hier auf impf-info.de längere Coronoia-Artikel zu einzelnen, ausführlicher dargestellten Aspekten der Pandemie und des Umgangs mit ihr.

Um jedem Missverständnis vorzubeugen:

Es geht hier nicht darum, zu suggerieren, dass Perspektiven wie die von JPA Ioannidis, Tom Jefferson, Ulrich Keil, Johan Gieseke oder Wolfgang Wodarg richtig oder gar wahr wären - auch nicht, dass sie richtiger oder wahrer wären, als das, was andere Experten an anderer Stelle zum gleichen Thema veröffentlichen.

Niemand weiß zum jetzigen Zeitpunkt zu sagen, welche Sicht auf die Covid-19-Pandemie sich in deren Verlauf und vor allem rückblickend als die richtige erweisen wird!

Aber wahrzunehmen, dass es sehr wohl Experten der Materie gibt, die substantiiert Positionen vertreten und belegen können, die die aktuelle gesellschaftspolitische Situation als (vorsichtig formuliert) unangemessen erscheinen ließen: das ist das Ziel dieses Blogs. Und auf diesen wissenschaftlichen Dissens hinzuweisen und diesen zur Diskussion zu stellen - das muss bei aller eingeforderten gesellschaftlichen Solidarität möglich sein.

"In der modernen Kultur preist die wissenschaftliche Gemeinschaft

den Dissens als ein Mittel zur Vermehrung des Wissens.

Für den Ur-Faschismus ist Dissens Verrat."

(Umberto Eco 1998)


Über die sinkenden COVID-19-Sterberaten in Deutschland... - 21.09.2020

schreibt Christof Kuhbandner von der Universität Regensburg gewohnt klug auf telepolis (heise.de 21.09.2020)

"Zweite Welle ist ein Labor-Tsunami" - 21.09.2020

résumiert klug die Ärztekammer Ober-Österreich (tips.at 18.09.2020) - eine Einschätzung, die 1 : 1 auf Deutschland übertragbar ist.

Corona-Warn-App "ein Flop" - 19.09.2020

sagte Friedrich Merz (tagesschau.de 19.09.2020) und auch im Öffentlichen Gesundheitsdienst schwindet die Begeisterung (presse-augsburg.de 18.09.2020).

In der Sache Freistaat Bayern ./. Hippokrates - Bayerisches Verwaltungsgericht hebt mal eben die ärztliche Schweigepflicht auf... - 18.09.2020

In einem Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtes Würzburg (VGH Würzburg W 8 E 20.130)  wird zugunsten des Vermummunsgebotes mal eben en passant die ärztliche Schweigepflicht kassiert - es geht zwar vordergründig "nur" um die Ablehnung eines Antrags auf einstweilige Anordnung zum Thema Angstlumpen, in der Begründung führt das Gericht aber als einen der Hauptkritikpunkte an den umstrittenen ärztlichen Attesten auf, dass diese keine konkreten Angaben zu den medizinischen Gründen für die Befreiung (also: keine Diagnosen) enthielten. Eine aberwitzige Begründung, schließlich enthalten aus guten Gründen auch andere ärztliche Atteste (z.B. Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen) genau diese sensiblen Daten nicht - weil sie weder den Schulleiter, noch den Arbeitgeber irgend etwas angehen.

Die ärztliche Schweigepflicht ist eine der ältesten Rechtsregeln der Menschheitsgeschichte, sie ist als Fundament des Vertrauensverhältnisses zwischen Ärzten und Patienten die Grundlage jeder ärztlichen Behandlung und ihre Akzeptanz durch die Judikative ist konstituierendes Merkmal eines Rechtsstaates.

Die Argumentation der Würzburger Richter ist für Ärztinnen und Ärzte nichts weniger als die richterliche Anstiftung zum Rechtsbruch, ich habe mir daher erlaubt, in dieser Angelegenheit sowohl die Bayerische Landesärztekammer, als auch den Bayerischen Landesbeauftragten für den Datenschutz, Herrn Prof. Dr. Thomas Petri einzuschalten...

Streeck warnt vor "destruktivem Alarmismus" und "unseriösen" Spekulationen über Impfstoffe - 17.09.2020

in einen Interview mit dem Handelsblatt (handelsblatt.de 16.09.2020).

Übersicht COVID-19-Impfstofftechnologie - 17.09.2020

Eine graphisch gut gemachte Übersicht über die verschiedenen, bei der Entwicklung von COVID-19-Impfstoffen verwendeten Impfstofftechnologien findet sich bei Nature (nature.com 28.04.2020- hier als PDF) - man muss hier den Nerds einige Euphemismen nachsehen (kein Mensch weiß, ob mRNA-Impfstoffe "safe" sind oder sein werden...), aber die komplexe Materie ist verständlich dargestellt.

Auch hier finden sich allgemeine Infos zu Impfstoffen, speziell mRNA- oder Virus-Vektor-Impfstoffen.

Polit-Impfungen auch in China - 16.09.2020

... wie dieser Videobericht der SZ zeigt (SZ 16.09.2020).

Wie beruhigend zu sehen, dass in diesen drei großen Forschungsnationen (USA, Russland, China) allein philanthrope und rein wissenschaftliche Überlegungen die Strategie der Impfstoffentwicklung bestimmen...

 

Der Kampf um Sputnik V - 16.09.2020

Die Art und Weise der Zulassung (bzw. "Registrierung") des weltweit ersten COVID-19-Impfstoffs und seine flächendeckende Anwendung in Russland hat in der wissenschaftlichen community weltweit für scharfe Kritik gesorgt - grundlegende Sicherheitsprinzipien seien ignoriert und bei Seite gefegt worden.

Als Antwort gelang es einem Autorenteam des russischen Gesundheitministeriums, in der eigentlichen renommierten Zeitschrift Lancet einen Artikel zu diesem Impfstoff und den zu Grunde liegenden Forschungsergebnissen zu veröffentlichen (Logunov 2020 - Zusammenfassung hier im MDR).

Dieser Artikel hat nun wieder einen offenen Brief zahlreicher Wissenschaftler provoziert, die die russische Veröffentlichung in deutlichen Worten kritisieren, Graphiken von Messergebnissen für unplausibel erklären etc. (Bucci 2020 - Zusammenfassung hier in einem Artikel der ebenfalls renommierten Nature).

Eine hervorragende Übersicht über den Stand der internationalen Impfstoffentwicklung gegen SARS-CoV-2 findet sich unverändert beim Guardian.

Zeit wird's: ARD-Faktenchecker demontieren Adabei Lauterbach - 16.09.2020

(tagesschau.de 16.09.2020)

US-Impfologe warnt vor überzogenen Erwartungen an Impfstoffentwicklung - 15.09.2020

Einer der weltweit renommiertesten Impfologen, der Amerikaner Paul Offit (Herausgeber der "Bibel der Impfologie": Vaccines), warnt in einem sehr langen und sehr anspruchsvollen Interview sehr differenziert und fundiert vor überzogenen Erwartungen vor allem an eine schnelle und sichere Impfstoffentwicklung (medscape 15.09.2020)

Präsident der Bundesärztekammer: "Bayerische Teststrategie völlig falsch" - 15.09.2020

(BR 15.09.2020)

"Die Angst muss weg" - NZZ zur epidemischen Lage nationaler Tragweite - 15.09.2020

Die NZZ deckt in einem lesenswerten Artikel auf, wie - vorsichtig formuliert - fadenscheinig die Argumentation der Bundesregierung ist, mit der sie am Aussetzen demokratischer Grundspielregeln festhält (NZZ 15.09.2029).

Ärzte-KV-Chef in Hamburg: "Das wirklich wahre Leben kommt im beruflichen Alltag der Drostens, Lauterbachs und Brauns nicht vor." -  14.09.2020

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung in Hamburg, Walter Plassmann, wirft Markus Söder, Christian Drosten & Co vor, mit ihren immer neuen Hiobsbotschaften die Gesellschaft krank zu machen - ein lesenswerter Artikel auf focus.de (focus.de 14.09.2020).

"Panikmodus ausschalten" - KBV-Chef rät zur Lockerung der Maßnahmen - 11.09.2020

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, rät in einem Interview zum Lockern der bestehende Coronoia-Maßnahmen (businessinsider.de - 11.09.2020)

"Mund-Nasen-Schutz in der Öffentlichkeit: Keine Hinweise für eine Wirksamkeit" - 10.09.2020

... so lautet der Titel eines hervorragenden Reviews, der im renommierten Thieme-Verlag in der ebenfalls renommierten Zeitschrift Krankenhaushygiene up to date von der Fachärztin für Mikrobiologie, Virologie, Infektionsepidemiologie, Hygiene und Umweltmedizin, Prof. Ines Kapstein veröffentlicht und von der Ärztekammer als Ärztliche Fortbildung zertifiziert wurde und der im Volltext frei heruntergeladen werden kann (Krankenhaushygiene up to date 18.08.2020).

Söder der Juristenschreck - Grundrechtseinschränkungen dokumentieren? Warum das denn... - 10.09.2020

Ein angestrebtes juristisches Verfahren zur Überprüfung der coronoiabedingten Grundrechtseinschränkungen in Bayern fördert zu Tage, wie hier das Zustandekommen von Beschlüssen solcher Tragweite dokumentiert wird: nämlich gar nicht... (BR.de 10.09.2020).

Söder der Kinderschreck - Regieren mit Angst und Schrecken 2 - 10.09.2020

Auf die Frage einer 10-jährigen Schülerin an den Bayerischen Ministerpräsidenten Söder während eines Radiointerviews, ob denn irgendwann wieder ein (Schul-)Leben ohne Maske möglich sei, antwortete dieser, nicht, bevor Corona "besiegt" sei - bis dahin müsse man Maske tragen und sich an die Regeln halten, weil sonst der Tod von Eltern und Großeltern die Folge sein könne... (RT1-Radio, nachzuhören auf Youtube oder facebook - vom Sender in persönlicher Korrespondenz als authentisch verifiziert).

COVID-19 in Europa - eine Übersicht - 10.09.2020

... findet sich hier (nachdenkseiten.de 09.09.2020).

COVID-19-Impfstoffstudie wegen schwerer Nebenwirkung gestoppt - update 10.09.2020

update 10.09.2020: Schon im Juli war die Studie einmal gestoppt worden wegen neurologischer Symptome eines Teilnehmers. Die Symptomatik wurde dann aber nur einer nach der Impfung neu aufgetretenen Multiplen Sklerose zugeschrieben, hatte also mit dem Impfstoff sicher nichts zu tun - na dann... (Statnews 09.09.2020)


Die Firma Astra Zeneca teilte mit, die Phase III-Studie ihres mit der Universität Oxford gemeinsam entwickelten COVID-19-Impfstoffkandidaten gestoppt zu haben, da bei einem der Teilnehmer eine "suspected serious adverse reaction" aufgetreten sei (STAT 08.09.2020). Die New York Times wurde hier genauer und berichtete von einer so genannten Transversen Myelitis, einer entzündlichen Erkrankung des Rückenmarks, die häufig mit Querschnittslähmungen einher geht und oft durch virale Infekte ausgelöst wird (NYT 08.09.2020). Natürlich ist der ursächliche Zusammenhang zur Impfung derzeit nicht bewiesen und genauso natürlich deeskaliert Astra Zeneca und nennt das ganze einen völlig normalen, häufig auftretenden Vorgang...

Netzwerk Evidenzbasierte Medizin kritisiert fehlende Wissenschaftlichkeit bei COVID-19 - 07.09.2020

Das EbM-Netzwerk weist in seiner aktualisierten Stellungnahme zu COVID-19 fachkundig auf die zahllosen wissenschaftlich nicht geklärten Fragen und auf den of unwissenschaftlichen Umgang mit der Pandemie hin.

Es ist dies m.E. die derzeit beste Gesamtdarstellung von Wissen und Nicht-Wissen zu COVID-19 und den in Deutschland ergriffenen Maßnahmen.

Fazit in der Originalversion: "Der momentan zu verzeichnende Anstieg an Test-positiven ohne gleichzeitige Zunahme von Hospitalisierungen, Intensivbehandlungen und Todesfällen rechtfertigt derzeit keine einschneidenden Maßnahmen, die über die übliche Hygiene hinausgehen." (EBM 04.09.2020).

Am 08.09. änderte ein update diese Version zu: "Der momentan zu verzeichnende Anstieg an Test-positiven ohne gleichzeitige Zunahme von Hospitalisierungen, Intensivbehandlungen und Todesfällen rechtfertigt derzeit keine einschneidenden Maßnahmen, sofern diese nicht durch hochwertige Forschung vorab geprüft oder parallel begleitet sind." (EBM 08.09.2029)

Wider die Maskenpflicht an bayerischen Schulen - ein offener Brief - und ein Eilantrag vor Gericht 04.09.2020

Gemeinsam mit meinem Kollegen Martin Hirte habe ich am 04.09. einen offenen Brief an den bayerischen Ministerpräsidenten Söder und den bayerischen Kultusminister Piazolo gesandt, in dem wir uns ausdrücklich als Fachärzte für Kinderheilkunde und Jugendmedizin gegen jede Maskenpflicht an Schulen und gegen Schulschließungen als vermeintliches Mittel der Pandemiestrategie aussprechen.

Der Brief ist hier als PDF herunterzuladen - wer immer ihn inhaltlich teilt ist herzlich eingeladen, ihn nochmals per E-Mail (Adressen sind im Brief enthalten) mit eigenem Begleitschreiben den beiden Adressaten zukommen zu lassen.

Mit der gleichen Zielrichtung hat eine Anwaltssozietät am 04.09. einen Eilantrag und eine Normenkontrollklage vor dem Bayerischen Verwaltungsgericht gegen das Vermummungsgebot im Unterricht eingereicht (ckb-anwaelte.de 04.09.2020).

US-amerikanische Arzneimittelbehörde zu Trump-hörig? - 04.09.2020

Das industrieunabhängige arznei-telegramm übt scharfe Kritik an der Zulassungs- und Empfehlungspolitik der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA - diese beuge sich bei COVID-19 zunehmend konkretem politischen Druck des US-Präsidenten und verstieße dabei "eklatant" gegen jeden wissenschaftlichen Standard. Das a-t nennt Behauptungen des FDA-Präsidenten auf einer Pressekonferenz mit Trump zur Notfallzulassung von Rekonvaleszentenplasma "offensichtlichen Unsinn" und schlussfolgert: "Jahrzehntelang galt die FDA als Blaupause für eine Arzneimittelbehörde, die für akkurate und wissenschaftsbasierte Entscheidungen im Sinne von Patienten und Fachkreisen steht. Derzeit ist beinahe täglich zu beobachten, wie Qualität und Standards bei FDA-Entscheidungen abnehmen beziehungsweise missachtet werden." (blitz-a-t vom 04.09.2020)

Auch der Herausgeber eines internationalen medizinischen Nachrichtenportals kritisiert den Chef der amerikanischen Arzneimittelbehörde, der FDA, scharf wegen dessen vermeintlich unwissenschaftlichen und  politisch motivierten Empfehlungen und Veröffentlichungen - es ist halt Wahlkampf in God's own country... (Medscape 04.09.2020)

Cui bono? - 04.09.2020

Ein lesenswerter Artikel des Multipolar-Magazins vom möglichen politischen "Nutzen", der mit dem Aufrechterhalten der Coronoia verbunden sein könnte... (Multipolar 04.09.2020).

Die Jagd des Hundes nach dem eigenen Schwanz - PCR-Tests zu genau? 04.09.2020

Hier findet sich die Übertragung eines vielbeachteten Artikels der NYT (New York Times 29.08.2020) in's Deutsche und auf deutsche Verhältnisse (heise.de 03.09.2020).

Schrappe und Co, Klappe die Vierte - 31.08.2020

Das Team von Fachleuten um den Bremer Sozialforscher Bernd Glaeske hat die vierte Bestandsaufnahme der Pandemie geliefert (Schrappe 31.08.2020) - keine "alternativen Fakten", aber eine sehr fundierte und differenzierte alternative Interpretation der vorliegenden Fakten.

Auch in Bayern Masken im Unterricht - auch befristeter Schwachsinn bleibt vor allem: Schwachsinn - 31.08.2020

Die bayerische Staatsregierung dekretierte heute eine "vorübergehende" Maskenpflicht im Unterricht an allen Nicht-Grundschulen - zunächst befristet auf 2 Wochen (SZ vom 31.08.2020).

Über die wissenschaftliche Hirnlosigkeit dieses Aktes populistischer Macher-Politik ist hier schon genug geschrieben worden (s. u. "Maskenpflicht für Kinder"), dies umso mehr, als in Abhängigkeit von der aktuellen kumulativen 7-Tage-Inzidenz erneut vor allem Einschränkungen des Schulunterrichtes in Aussicht gestellt werden, somit auch die bayerische Staatsregierung die mittlerweile x-fach wissenschaftlich nachgewiesene völlige Bedeutungslosigkeit von KiTas und Schulen für die Epidemiologie von COVID-19 weiterhin aus politischer Opportunität ignoriert... .

Prantl: Infektionsschutzgesetz ist das neue Grundgesetz - 31.08.2020

Heribert Prantl weist klug und lesenswert auf diese de facto Änderung unserer Verfassungssituation hin (SZ vom 30.08.2020)

Prantl zu Schulschließungen - 09.08.2020

Heribert Prantl wie gewohnt klug und lesenswert zu den jetzt schon wieder um sich greifenden Schulschließungen (SZ 09.08.2020)

Gesundheitsämter: familiäre Isolationshaft für Kinder mit COVID-19 - update 09.08.2020

Update 09.08.2020: Trotz wortreicher Dementis und wenig überzeugender Versuche, diese Strategien der Kindesmisshandlung und Elternrechtsmissachtung als unrealistisches worst-case-Szenario darzustellen (Landkreis Karlsruhe 06.08.2020), scheint die Idee flächendeckend Schule zu machen: die Diakonie sucht mittlerweile gezielt Fachkräfte für die "Inobhutnahme" betroffener Kinder und Jugendlicher - sprich: dafür diese COVID-19-Kontaktverdächtigen aus ihren Familien zu reissen und zu kasernieren... die gesuchten Arrest-Aufseher könnten aber sicher sein, die so Eingesperrten mit "großzügigen Handy- und Medienregelungen [inklusive eines] Netflix-Account" ruhigstellen und ihrer dieser unglaublichen Tätigkeit in einem "christlichen, werteorientierten Arbeitsumfeld" nachgehen zu können... na dann.... (Diakonie 06.08.2020).


Einer Pressemitteilung des Deutschen Kinderschutzbundes zu Folge sind Fälle bekannt geworden, in denen Gesundheitsämter die häusliche Isolation von mit SARS-CoV-2 infizierten Kindern vom Rest der Familie angeordnet haben unter der Androhung, die Kinder andernfalls aus eben dieser Familie zu nehmen (DKSB 31.07.2020).

Sollte sich dies bestätigen, wäre es an wissenschaftsfernen Schwachsinn und vorsätzlicher behördlicher Kindswohlgefährdung kaum noch zu überbieten.

Statistik von der Insel - Der Guardian über deutsche COVID-19-Zahlen - 07.08.2020

Jetzt beteiligen sich schon international eigentlich seriöse Medien wie der britsche Guardian an der statistischen Verwirr- und Verdummungsstrategie mit den Zahlen des RKI. Am 07.08. schreibt der Guardian auf seinem Corona-Blog von einem Dreimonats-Hoch der deutschen Zahlen und sieht ein Gespenst umgehen in Europa - das Gespenst der zweiten Welle: "Germany records another three-month high in daily cases. The Robert Koch Institute said Germany had registered another 1,147 cases to midnight on Thursday, raising more alarms about a second wave of cases in Europe." (Guardian 07.08.2020)

Das altbekannte Muster - irgendwie formal aus den Testzahlen herauslesbar aber inhaltlich natürlich ein statistischer salto mortale:

es stimmt: mehr als 1100 positive Testergebnisse (nicht: Neuinfektionen) wurden zuletzt in der Kalenderwoche 19 gemeldet - damals wurden allerdings "nur" gut 403.000 Test pro Woche gemacht (mit einer Testpositiven-Quote von 2,7%). In der letzten erfassten KW 31 waren es dann aber über 570.000 Tests (von denen gerade 1% positiv war) - das sind über 40% mehr als in der KW 19. Wäre die Häufigkeit von COVID-19 in der Bevölkerung ("Prävalenz") in der KW 31 also (wieder) genauso hoch wie in der KW 19 (und der Guardian unterstellt das ja mit seiner Darstellung), hätte man also auch in etwa 40% mehr positive Testergebnisse erwartet...

RKI   Tests KW 31

(Quelle: RKI. EpiBull 32/33 2020)

Hier dann mit hoffentlich nur schlichtem Gemüt die absoluten Zahlen der positiven Tests aus beiden Kalenderwochen zu vergleichen, zeugt tatsächlich im günstigsten Falle von statistischem Analphabetentum - im weniger günstigen Falle von bösem Willen... .

Maskenpflicht für Kinder - Ist es auch Schwachsinn, so hat es doch Methode... - update 07.08.2020

Update 07.08.2020: In einem offenen Brief an die nordrhein-westfälische Kultusministerin verleihen zahlreiche Ärztinnen, Ärzte, Lehrerinnen und Lehrer aus NRW ihren Sorgen und ihrem Unmut über die auch dort dekretierte Maskenpflicht für Kinder Ausdruck (WDR 06.08.2020).


Update 05.08.2020: So unvorstellbar es angesichts der überwältigenden wissenschaftlichen Evidenz zum Thema COVID-19, Kinder und Schulen scheint - die "Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina" entblödet sich nicht, dennoch eine Maskenpflicht für Kinder im Klassenraum zu empfehlen (Leopoldina 05.08.2020). Vielleicht verwundert dieser Tiefpunkt wissenschaftlicher Qualität weniger, wenn man bedenkt, dass Chefcoronoiker Christian Drosten laut Tagesschau (tagesschau.de 05.08.2020) hier wesentlich mitgewirkt hat - Drosten war ja schon mit seiner international methodisch massiv angezweifelten und belächelten Viruslast-Studie und ihrer enthaltenen Forderung nach Beibehalten von KiTa- und Schulschließungen nicht als Fürsprecher des Kindeswohls aufgefallen und von kinderärztlichen Fachgesellschaften scharf kritisiert worden (s. hier).

Und selbst wenn dies den wissenschaftlichen Duktus dieses blogs kurz und absichtlich verlässt - wenig scheint das coronoide duo infernal Drosten/Wieler (auch er bei der Leopoldina-Stellungnahme beteiligt) so gut zu charakterisieren, wie diese Fotomontage

Zeugen Coronas

(Quelle: facebook.com)


Auch wenn es Shakespeare mutmaßlich nicht recht wäre, ihn für die neueste Eskapade des Hauses Söder in Anspruch zu nehmen - nichts anderes charakterisiert das Verhängen einer Maskenpflicht an bayerischen Schulen (ja, auch an Grundschulen) ab dem kommenden Schuljahr (km.bayern.de 31.07.2020) treffender als dieses Zitat Lord Polonius'... .

Schwachsinn, weil

  • die Evidenz, dass Kinder bei der Verbreitung von COVID-19 keine relevante Rolle spielen, täglich wächst und jenseits der Charité längst nicht mehr ernsthaft in Frage gestellt wird (siehe z.B. hier)

  • die Evidenz, dass Schulen im Infektionsgeschehen unproblematische Räume für Schüler und Lehrer (!) sind, ebenfalls überwältigend ist (siehe z.B. hier)

  • die Evidenz, dass so genannte Alltagsmasken überhaupt einen relevanten Einfluss auf das Infektionsgeschehen haben, hingegen mehr als fragwürdig ist (siehe z.B. hier)

  • die Erwartung, dass Grundschüler diese Stofffetzen so handhaben könnten, dass von ihnen nicht auch noch eine erhöhte Infektionsgefahr für andere Erreger (die sich in diesen Angstlumpen pudelwohl fühlen (Streeck 2020 - NOZ 10.06.2020)) ausgeht, unrealistisch ist.

Methode, weil

  • hier eine ganze Generation systematisch lernt, Mitmenschen und Mitschüler primär als existentielle Bedrohung wahrzunehmen

  • hier eine ganze Generation systematisch lernt, ein eigentlich normales und (s.o.) ungefährliches Miteinander als angstbesetzten Albtraum zu erleben.

Ganz gemäß des Zitats von Chefcoronoiker Drosten, Masken seien vor allem eine "Erinnerung für Alle an den Ernst der Lage!" (Man beachte das Ausrufezeichen) (twitter.de - ohne Datum).

Eine Maskenpflicht für Erwachsene beim Bäcker oder in der S-Bahn mag medizinisch mehr als fragwürdig, ja,  wissenschaftlich lächerlich sein, verängstigend, sozial und kulturell destruktiv und in der Problemlosigkeit ihrer Akzeptanz durch die Betroffenen gesellschaftspolitisch beängstigend.

Eine Maskenpflicht für Kinder bei COVID-19 ist - meiner fundierten kinderärztlichen Überzeugung nach - nicht mehr und nicht weniger als ein Verbrechen.

Streeck: Plädoyer wider die Hysterie - 05.08.2020

In einem Interview mit t-online plädiert Hendrik Streeck für einen wesentlich gelasseneren Umgang mit COVID-19 (t-online.de 05.08.2020).

Rolf Karpenstein: Danke, ich denke lieber selber - 05.08.2020

Ein nicht mehr taufrischer, aber sehr lesenswerter Kommentar des Rechtsanwaltes Rolf Karpenstein im Deutschlandfunk (deutschlandfunkkultur.de 20.07.2020).

Ramelow: Anonymität der Corona-Warn-App nicht gewährleistet - update 06.08.2020

Laut dem Thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow sei die Erfassung der Meldedaten über die Corona-Warn-App derzeit nicht in jedem Fall anonym. Da unverändert zu wenig amtliche, anonymisierte Meldebögen vorlägen und nur etwa die Hälfte der Labors digital an die App angebunden ist (heise.de 06.08.20), müssten viele Betroffene die Meldung unter Angabe von Namen und Telefonnumer per Hotline durchführen, was die zugesicherte Anonymität natürlich konterkariert (Rheinische Post 05.08.2020)

"Die Schulen zu schließen ist effektiv, wenn wir den Kindern schaden wollen" - 04.08.2020

... so fasste Wieland Kiess, der Direktor der Kinderklinik Leipzig den Teil der Studienergebnisse der Sächsischen Schulstudie zusammen, der sich mit den Auswirkungen der Schulschließungen auf Kinder beschäftigt hat. Die Kinder verlören an Lebensqualität - das träfe vor allem die sozial schwächeren Gruppen. Die Tagesstruktur fehle, die Nutzung von elektronischen Medien steigd und die Kinder hätten keinen Kontakt mehr zu Gleichaltrigen (Sächsische Zeitung 03.08.2020).

Der Teil der Studie, der sich mit der Rolle der Kinder für die COVID-19-Pandemie beschäftigte, bestätigte Altbekanntes: Kinder spielten im Infektionsgeschehen praktisch keine Rolle - Schulschließungen entbehrten - so Kiess auf der Pressekonferenz bei der Vorstellung der Studie - jeder wissenschaftlichen Evidenz.

 

Eine gute Gesamtübersicht über die Studienergebnisse (und die einer ähnlichen Studie der Univerität Leipzig) findet sich beim MDR (MDR 03.08.2020 ) und kürzestgefasst in diesem Video des MDR.

Gérard Krause, Leiter der Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig, sieht die Leipziger Studie in einer Reihe ähnlicher internationaler Untersuchungen: "... es verdichtet auch mit diesem Ergebnis mehr und mehr die Evidenz, dass Kinder im Vergleich zu Erwachsenen eher weniger als stärker an der Übertragung des Virus beitragen", sagte Krause im Gespräch mit ZDFheute (zdf.de 03.08.2020). "Wenn Kinder infiziert sind, dann haben sie sich die Infektion eher bei Erwachsenen geholt. Es ist eher nicht so, dass Kinder dazu beitragen, dass Erwachsene Infektionen bekommen. Das ist eine wichtige Erkenntnis."

Die Forderung nach dem unbedingten Verzicht auf (erneute) Schulschließungen wird auch von der UN geteilt: Generalsekretär Antonio Guterres warnt vor einer "Katastrophe für eine ganze Generation". Dass die Schülerinnen und Schüler sicher zurück in den Unterricht gehen könnten, müsse oberste Priorität haben, so Guterres. Mitte Juli seien in rund 160 Ländern die Schulen geschlossen gewesen. Davon sei mehr als eine Milliarde Schüler betroffen, mindestens 40 Millionen Kinder hätten die Vorschule versäumt. "Jetzt stehen wir vor einer Katastrophe für eine ganze Generation, durch die unermessliches menschliches Potenzial verschwendet, jahrzehntelanger Fortschritt untergraben und tief verwurzelte Ungleichheiten verschärft werden könnten", wird Guterres von der Tagesschau zitiert (tagesschau.de 04.08.2020)

 

Die ganze Stellungnahme der UN zum Start der neuen Bildungsinitiative finden Sie hier (UN 03.08.2020).

Doch man sieht nur, die im Licht sind... über die Dunkelziffer bei COVID-19 - update 04.08.2020

Update 04.08.2020: Auch in Italien scheinen etwa sechs mal mehr Menschen tatsächlich mit COVID-19 infiziert zu sein, als die bisherigen Zahlen annehmen ließen - eine Seroprävalenzstudie der italienischen Statistikbehörde ISTAT fand bei durchschnittlich 2,5% der untersuchten Italiener Antikörper, wobei es jedoch gravierende regionale Unterschiede gab (ISTAT 03.08.2020). Auch hier gilt: wesentlich mehr unerkannt Infizierte bedeutet wesentlich geringere Infektionssterblichkeit (infection fatality rate) als bisher behauptet.


Die Gefahr einer ominösen zweiten Welle wird gerne mit dem Hinweis darauf begründet, dass sich ja auch in von COVID-19 stark betroffenen Regionen bislang nur bei verhältnismäßig wenigen Menschen Antikörper nachweisen ließen, der Anteil der uneingeschränkt Empfänglichen also unverändert hoch sei.

Die US-amerikanischen CDC haben in einer aktuellen Untersuchung von 10 durch COVID-19 stark betroffenen Teilen der USA (darunter New York und San Francisco) Serumproben auf SARS-CoV-2-Antikörper untersucht und die gefundenen Ergebnisse mit den jeweiligen Meldezahlen der Regionen verglichen. Die Studie schätzt, dass bis zu 24 mal mehr Infektionen auftraten, als gemeldet wurden (im Durchschnitt deutlich mehr als 10 mal so viel) - eine Zahl, die für alle Berechnungen von Fall- oder Infektionssterblichkeiten natürlich eine immense Bedeutung hat, da sie den Nenner des Bruchs Komplikationen pro Fallzahl oder Tote pro Infizierte wesentlich vergrößert ... (Havers 2020).

WHO skeptisch zu COVID-19-Impfstoff - "there’s no silver bullet at the moment and there might never be" - 04.08.2020

.. so die Stellungnahme des WHO-Generalsekretärs zu Beginn der Pressekonferenz am 03.08.2020 (WHO 03.08.2020):

"A number of vaccines are now in phase three clinical trials and we all hope to have a number of effective vaccines that can help prevent people from infection. However, there’s no silver bullet at the moment and there might never be."

Das "neue Coronavirus" - gar nicht soooo neu... - update 03.08.2020

Update 03.08.2020: Neuere Daten zur T-Zell-Immunität stützen die Vermutung einer relevanten Hintergrundimmunität gegen SARS-CoV-2, hervorgerufen durch den Kontakt zu anderen Corona-Viren, die Teil des Spektrums normaler Erkältungserreger sind. Einer Studie der Universität Tübingen zu Folge könnten über 80% der bisher nicht an COVID-19 erkrankten Bevölkerung T-Zellen besitzen, die über diesen Mechanismus eine gewisse Reaktivität auch gegen SARS-CoV-2 erworben haben (Nelde 2020). Eine Übersicht über verschiedene Studien, die grundsätzlich alle die Tübinger Ergebnisse bestätigen, findet sich hier (Sette 2020). Die klinische Bedeutung dieser immunologischen Beobachtung ist jedoch unklar: "Would these memory T cells be helpful for protecting you against Covid-19 disease, that's the huge question," sagte der Co-Autor der Sette-Studie CNN "We don't know if [the T cells] are helpful or not, but we think it's reasonable to speculate that they may be helpful." (CNN 02.08.2020)


Zu Beginn der Pandemie war dies ja ein ganz zentraler Punkt: ein ganz neues Virus, bisher nirgendwo aufgetaucht, daher auch gar keine Immunität in der Bevölkerung und deshalb sind alle soo gefährdet... .

Es mehren sich die Anzeichen, dass dieser Narrativ wohl neu erzählt werden muss - nachdem auch hartnäckige Coronoiker allmählich eine "Hintergrundimmunität" als einig mögliche Erklärung für viele beobachtete Phänomene einräumen müssen, mehren sich die Anzeichen, dass SARS-CoV-2 schon viel früher als bisher gedacht in Europa präsent war: nachdem in Italien schon Abwasserproben vom 18.12.2019 positiv auf das Virus getestet wurden (news-medical.net 20.06.2020), haben jetzt spanische Forscher schon in Proben vom 12.03.2019 SARS-CoV-2 im Abwasser von Barcelona nachweisen können (Chavarria-Miró 2020).

Kanadische Forscher gehen nach eingehenden molekulargenetischen Analysen und Rekonstruktionen von Virus-Stammbäumen sogar davon aus, dass SARS-CoV-2, wenn auch mit noch leicht anderen Eigenschaften, schon seit 2013 zirkuliert und Menschen infiziert (Brintnell 2020).

Maskerade - die Wissenschaft verhüllt beschämt ihr Antlitz... - update 30.07.2020

Update 30.07.2020: Vielleicht erinnern sich aufmerksame Leser/innen noch an den Tönnies-Ausbruch Ende Juni in Gütersloh - dort hatten sich mutmaßlich mehr als 1500 meist ausländische Mitarbeiter eines Schlachthofes infiziert (woraufhin als erste Maßnahme wie immer erst einmal die Schulen geschlossen wurden...).

Dieser Ausbruch wurde mittlerweile wissenschaftlich aufgearbeitet, die meisten der Ergebnisse - vor allem die, die dazu angetan sind, den Narrativ der Coronoia zu erzählen - füllten ausgiebig die Medienberichte der letzten Tage: Ausbreitung über Entfernungen bis zu 8 Meter etc. ... . (z.B. Spiegel.de 23.07.2020).

Ein wesentlicher Aspekt jedoch bleibt in der Berichterstattung unerwähnt: bei Tönnies galt - so führt es auch die Studie zum Ausbruch auf - strenge Maskenpflicht: "Simple one-layer face masks were made compulsory", dies wurde auch während unangekündigter Kontrollbesuche der zuständigen Behörden überprüft (Günther 2020).

Da ist man doch froh, dass die Masken mit der ihnen eigenen Effektivität Schlimmeres verhindert haben - wer weiß, wie viele Kilometer die Aerosole sonst...


Update 09.07.2020: Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom renommierten Bernhard-Nocht-Institut kritisiert im Hamburger Abendblatt die "Daueraufgeregtheit" von Adabei Karl Lauterbach scharf und plädiert klar für einen Verzicht auf eine Maskenpflicht im Einzelhandel immer dort, wo ein Mindestabstand eingehalten werden könne (Hamburger Abendblatt 08.07.2020). Schmidt-Chanasit nennt Lauterbachs Äußerungen "vollkommen falsch", "hochgefährlich" und eine "dysfunktionale Dramatisierung", sie führten "... zu einer Dauer-Aufgeregtheit und können zu einer Corona-Müdigkeit führen.[…] Das ist hochproblematisch aus dem Blickwinkel der Pandemie-Bekämpfung. Ich weiß nicht, warum er das macht."


Im virolokratischen Diskurs der letzten Tage wurde der messianisch verklärte Impfstoff mittlerweile ergänzt um KiTa-Schließungen als Generalabsolution für kriminelle Fleischbarone und die Maskenpflicht als quasi Büßergewand für alle... eine eindrucksvolle Trinität... .

Die allenthalben mit Nachdruck erhobene und mit politischem Furor verteidigte Forderung, alle – egal ob gesund oder kränkelnd oder krank – müssten in der Öffentlichkeit so genannte Mund-Nasen-Bedeckungen tragen, um die berüchtigte Zweite Welle... setzt ja gedanklich einige Prämissen voraus, derer man sich bewusst sein muss, um ihre Stichhaltigkeit in einem zweiten Schritt zu überprüfen.

Diese Prämissen also lauten:

  1. auch beschwerdefreie Menschen stellten für andere ein epidemiologisch relevantes Infektionsrisiko dar – dies muss eine implizite Annahme sein, denn sonst könnte das Vermummungsgebot nur auf Menschen mit Symptomen von Atemwegsinfekten beschränkt werden (von denen man berechtigt annimmt, dass sie infektiös für andere sind).

  2. Mund-Nase-Bedeckungen reduzierten dieses Risiko in epidemiologisch relevantem Umfang.

Die WHO, die zu Beginn der Pandemie das generelle Tragen so genannter Behelfsmasken noch vehement kritisierte hat, anlässlich der halbherzigen (s.u.) Änderung ihrer Empfehlung Anfang Juni die vorliegende wissenschaftliche Evidenz zu diesem Thema systematisch gesichtet und dargestellt (WHO 05.06.2020).

Die Datenlage zur Übertragung durch symptomlos Infizierte fasst die WHO wie folgt zusammen [Hervorhebungen von mir]:
„Current evidence suggests that most transmission of COVID- 19 is occurring from symptomatic people to others in close contact […] people who do not have symptoms may be able transmit the virus to others […] asymptomatically-infected individuals are much less likely to transmit the virus than those who develop symptoms.

The available data, to date, on onward infection from cases without symptoms comes from a limited number of studies with small samples that are subject to possible recall bias and for which fomite transmission cannot be ruled out.“

Zusammengefasst könnte es in seltenen Fällen auch eine Übertragung durch asymptomatische SARS-CoV-2-Infizierte geben, die dies nahelegenden Studienlage ist (6 Monate nach Beginn der Pandemie) mit dünn aber noch schmeichelhaft beschrieben.

Und zur Frage des Tragens von Masken durch Gesunde in der Öffentlichkeit ist die Aussage der WHO sogar noch klarer:

„At present, there is no direct evidence (from studies on COVID- 19 and in healthy people in the community) on the effectiveness of universal masking of healthy people in the community to prevent infection with respiratory viruses, including COVID-19. […]

At the present time, the widespread use of masks by healthy people in the community setting is not yet supported by high quality or direct scientific evidence and there are potential benefits and harms to consider.“

Angesichts dieser klaren Feststellungen der WHO verwundert die dann doch ausgesprochene Empfehlung zum Maskentragen in der Öffentlichkeit – die WHO schränkt diese dann aber auch gleich wieder ein, z.B. auf Situationen „if there is community transmission and there is is limited or no capacity to implement other containment measures such as contact tracing, ability to carry out testing and isolate and care for suspected and confirmed cases“.

In Deutschland ist angesichts der aktuellen Zahlen positiver Testergebnisse das einzig Limitierte die „community transmission“ – alle anderen Maßnahmen, deren begrenzte Verfügbarkeit oder Fehlen für die WHO eine Begründung für ein Vermummungsgebot darstellten, sind demgegenüber uneingeschränkt vorhanden.

Und die WHO rückt die Risiken des Tragens von Masken in dem Dokument mehrfach in den Fokus: das erhöhte Risiko der „self-contamination“ – also der Selbstinfektion durch falschen Umgang mit den Masken, z.B. das Zurechtrücken mit kontaminierten Händen, das fehlende Austauschen und Reinigen im Falle von Durchfeuchtung etc. .

Hier werden – besonders von patientenfernen Labormedizinern oder medicopolitischen Adabeis – gerne Erfahrungen aus professionellen Situationen unzulässigerweise auf das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit übertragen: „Als Ärzte wissen wir, wie sehr Masken schützen - Chirurgen zum Beispiel aus dem OP“ so Karl Lauterbach (tagesschau.de 07.07.2020). Lauterbach verschweigt, dass diese eine jahrelange Übung im hygienisch einwandfreien Umgang mit Masken und anderer Schutzkleidung haben, die der Normalbevölkerung in der Regel fehlt (Herrn Lauterbauch auch, übrigens (achgut.de 16.06.2020)).

Der Virologe Hendrick Streeck jedoch teilt die Befürchtungen der WHO und beschreibt den vorsichtig formuliert eher unprofessionellen Umgang mit Gesichtsmasken in der Öffentlichkeit plastisch: „Die Leute knüllen die Masken in die Hosentasche, fassen sie ständig an und schnallen sie sich zwei Wochen lang immer wieder vor den Mund, wahrscheinlich ungewaschen [.…] Das ist ein wunderbarer Nährboden für Bakterien und Pilze“ (NOZ 10.06.2020)

Und die Faktenchecker des ZDF, die Streecks Befürchtung grundsätzlich bestätigen, zitieren in ihrer Untersuchung die Empfehlungen des Bundesamtes für Arzneimittel und Medizinprodukte und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung für den Umgang mit den Masken: "Die Maske sollte nach dem Abnehmen in einem Beutel oder ähnlichem luftdicht verschlossen aufbewahrt oder sofort gewaschen werden. Die Aufbewahrung sollte nur über möglichst kurze Zeit erfolgen, um vor allem Schimmelbildung zu vermeiden." "Masken sollten nach einmaliger Nutzung idealerweise bei 95 Grad, mindestens aber bei 60 Grad gewaschen und anschließend vollständig getrocknet werden.“ "Eine Alternative bietet auch das Auskochen für 10 Minuten in einem Topf mit Wasser." (ZDF 10.06.2020).

Es wird eng an den Wasserkochern in Münchner und Hamburger Büros, wo verzweifelte Pendler ihre Morgenmaske (S-Bahn-Fahrt in die Arbeit - erstmalige Nutzung) vor der zweiten Nutzung (Heimfahrt abends) noch kurz fachgerecht aufarbeiten wollen... .

Diese - für einen Labormediziner wie Streeck erfrischend praxisnahen Bemerkungen - relativieren pointiert all die Husten/Niesen/Aerosol-Messungen in irgendwelchen Nebelkammern irgendwelcher physikalischer Universtitätsinstitute - es geht nicht um die Frage, ob ein Dummy unter definierten Bedingungen Aerosole mit Mund-Nasen-Bedeckung 2 cm weniger weit hustet, als ohne. Es geht einzig und allein um die Frage, ob unter den Bedingungen des wirklichen Lebens jenseits universitärer Elfenbeintürme diese Maßnahme epidemiologisch nachgewiesener Massen effektiv ist - und dieser Beweis steht aus!

Zusammengefasst ist die erste Prämisse der Maskenpflicht (Übertragung durch Asymptomatische) nicht gesichert („may be able...“), die zweite Prämisse (Schutz durch Masken von COVID-19-Verbreitung) ohne gesicherte wissenschaftliche Evidenz („not yet supported by high quality or direct scientific evidence“), die Risiken der Verwendung unter Bedingungen des wirklichen Lebens jedoch hochrealistisch... .

Eine eindrucksvoll solide Grundlage für eine Empfehlung, die auf bislang unvorstellbare Art und Weise unser zwischenmenschliches Miteinander pervertiert...

Niederlande: "wissenschaftliche Beweise reichen für Maskenpflicht nicht aus" - 29.07.2020

In den Niederlanden wird es keine Verpflichtung zum Tragen von Gesichtsmasken geben - die wissenschaftlichen Beweise reichten für eine Maskenpflicht nicht aus (Tagesschau.de vom 29.07.2020). "From a medical point of view, there is no evidence of a medical effect of wearing face masks, so we decided not to impose a national obligation," so die niederländische Gesundheitsministerin Tamara van Ark (politico.eu 30.07.2020)

Die niederländischen Gesundheitsbehörden differenzieren hier klar (und hochnotwendig) zwischen medizinischen Masken und selbstgemachten Alltagsmasken: "Home-made face masks do not provide sufficient protection against the coronavirus. Professional face masks do provide protection. They fit tightly over the nose and mouth and are changed regularly. Home-made face masks vary widely in fit, materials and overall quality. This is because various materials are used, such as cotton and linen. As a result, the fit and filter effect are not sufficient." (RIVM 09.06.2020)

Je mehr Tests, desto weniger Grundrechte.... Statistik für Fortgeschrittene, Teil 4 - update 29.07.2020

Update 29.07.2020: Und wieder liefert das RKI ein Paradebeispiel für einen (wertfrei formuliert) nicht unproblematischen Umgang mit den von ihm selbst generierten Zahlen - Lothar Wieler ist "besorgt über steigende Infektionszahlen" (DLF 28.07.2020), die wir unverändert in Deutschland nicht kennen. Auch Wieler kennt nur die Zahlen positiver Testergebnisse - die steigen tatsächlich an, das tut die Zahl der durchgeführten Tests aber eben auch, und zwar massiv (s.u.)... .

Der Anteil positiver Testergebnisse an deren Gesamtzahl ist in der KW 30 immerhin leicht gestiegen, liegt damit aber auch nur so hoch, wie vor etwa 4 Wochen und gemessen an internationalen Maßstäben im ultragrünen Bereich...

Und unverändert ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein positives Testergebnis tatsächlich eine Infektion bedeutet, gering: nur etwa einer von fünf positiven Tests zeigt tatsächlich COVID-19 korrekt an...

RKI Tests pro KW

(Quelle: RKI Situationsbericht 29.07.2020)

RKI Rechner KW30

Update 23.07.2020:

RKI Rechner

Mit der Spezifität aus dem Ringversuch von INSTAND (s.u.) von 99,3% lassen sich aktuell unverändert keine sinnvollen Zahlen mehr errechnen - eine Veröffentlichung aus dem Juni, an der u.a. auch Christian Drosten mitwirkte und die die Spezifität der RT-PCR unter Bedingungen des "wahren" (Labor-) Lebens untersuchte (Matheeussen 2020), ergab eine Falsch-Positiv-Rate von 0,58%. Nimmt man diese als Grundlage, ergeben sich die oben aufgeführten Zahlen.

Aber natürlich gilt auch für das RKI, was das bayerische LGL hier freimütig einräumte: ob mit einem oder mit zwei targets getestet wird, ob positive Ergebnisse gegengeprüft werden... all dies weiß man in Berlin beim RKI genauso wenig wie in Erlangen beim LGL.


Update 28.06.2020: Mittlerweile sind die gesamten positiven Testergebnisse der RT-PCR regional so niedrig, dass sie mit der Spezifität des INSTAND-Ringversuchs (99,3%) nicht mehr in Übereinstimmung zu bringen sind - woran kann das liegen?

Die RT-PCR kann grundsätzlich bei SARS-CoV-2 zwei unterschiedliche Gen-Sequenzen ("targets") nachweisen und erreicht im Falle des Nachweises beider Sequenzen in einer Probe Spezifitäten von nahe 100%.

Die WHO hat in einer Veröffentlichung vom 19.03.2020 jedoch für von der Pandemie betroffene Regionen verfügt, hier sei schon der Nachweis nur eines der targets ausreichend, um die Probe als "positiv" zu befunden: "In areas where COVID-19 virus is widely spread a simpler algorithm might be adopted in which, for example, screening by rRT-PCR of a single discriminatory target is considered sufficient." (WHO 19.03.2020) Hieraus ergibt sich - durch die fehlende Doppelbestimmung - naturgemäß eine deutlich niedrigere Spezifität und damit eine deutlich höhere Quote falsch-positiver Befunde.

Dieses großzügige Angebot der WHO wurde natürlich von zahlreichen Labors angenommen (weniger Bestimmungen heißt: weniger Kosten), das MVZ Augsburg brachte es über seinen diesbezüglichen Blog-Eintrag vom 03.04. sogar zu einem Artikel in einer österreichischen Zeitung (Wochenblick 17.05.2020) (der Eintrag ist auf dem Blog des Labors mittlerweile gelöscht, fand sich aber am 18.05. definitiv noch dort).

Es ist nicht bekannt, wie viele Labors positive Befunde auf den Nachweis eines targets herausgeben, wie viele von vorneherein beide targets bestimmen und wie viele zumindest positive Tests mit einem target dann mit dem anderen überprüfen (Nachtestung wie in dem Artikel der NZZ weiter unten beschrieben) - durch diese Doppelbestimmung bzw. Nachtestung wird die Spezifität mittlerweile offensichtlich relevant über die 99,3% hinaus erhöht.

Auf welchen Wert? Hier schweigen sich RKI, PEI & Co aus... .


Update 15.06.2020: Hier können Sie einen kleinen Excel-Rechner herunterladen, um aus den Zahlen des RKI zu Tests und positiven Testergebnissen die Anzahl der jeweils falsch-positiven Testergebnisse selber auszurechnen und zu sehen, wie sich andere Werte für Sensitivität und Spezifität auf diese Zahlen auswirken. Sie sehen dann (über den PPW) auch, wie gering die Aussagekraft eines positiven Testergebnisses derzeit ist.

Und hier - ab Minute 13:10 - sehen Sie, dass das (sehr offensichtlich schwierige) Thema mittlerweile sogar im BMG angekommen ist:

 


Update 12.06.2020: Wendet man die unten aufgeführten Überlegungen zu den PCR-Tests auf die aktuell vom RKI mitgeteilten Testzahlen an, ergibt sich das folgende Bild:

RKI Rechner

Dieser Berechnung (die methodisch bedingt nur Größenordnungen angibt) liegt folgende Annahmen zu Grunde:

  • Eine Spezifität der Tests von im Durchschnitt 99,3% (Zeichhardt 2020)

  • Eine Sensitivität des Tests von im Durchschnitt 70% (Kucirka 2020- diese Arbeit findet während der symptomatischen Phase von COVID-19 (und in dieser wird in Deutschland getestet) Sensitivitäten der PCR-Tests von 60 - 80%)

Interessante Aspekte der Berechnung sind (KW 24):

  • Bei 330.000 durchgeführten Tests von Verdachtsfällen auf COVID-19 (also einer vorselektierten Bevölkerungsgruppe) war nur etwa 1 von 300 Getesteten tatsächlich krank. Dies entspräche einer Prävalenz in dieser Gruppe (!) von etwa 0,31%.

  • Es ist definitiv davon auszugehen, dass diese Quote in der Normalbevölkerung deutlich niedriger ist.

  • Die überwiegende Mehrzahl der positiven Testergebnisse sind falsch-positiv, werden also bei eigentlich Gesunden gefunden.

  • Unter diesen Annahmen ergibt sich ein Positiver Vorhersagewert von nur noch 24% - das heißt, die Wahrscheinlichkeit, dass ein in der KW 23 positiv erhobenes Testergebnis tatsächlich noch auf eine COVID-19-Erkrankung hinweist, liegt unter 25%, die Wahrscheinlichkeit, dass es ein falsch-positives Ergebnis ist, liegt bei über 75%.

  • Auch dieser Wert ist - da in seine Berechnung die absolute Zahl falsch-positiver Tests einfließt - stark abhängig von der Anzahl der Tests: je höher die Testzahl (bei gleichem Anteil positiver Ergebnisse), desto geringer die Aussagekraft des positiven Ergebnisses/der PPV.


Sucht man mit einem Test in einer Bevölkerung nach einer Erkrankung oder einem Erreger, gibt es zwei Ziele:

  1. Der Test sollte zuverlässig alle finden, die wirklich krank/infiziert sind, also niemanden zu übersehen – dies nennt man die Sensitivität eines Tests

  2. Der Test sollte zuverlässig nur die finden, die wirklich krank sind, also bei niemandem positiv ausfallen, der nicht krank/infiziert ist – dies nennt man die Spezifität eines Tests.

Die Sensitivität und die Spezifität eines Tests sind seine Kenndaten und werden in der Regel im Rahmen der behördlichen Zulassung dokumentiert und (zumindest für ein Fachpublikum) veröffentlicht.

Alle Testverfahren leiden an zwei Dilemmata:

  • Kein Test ist perfekt – die Werte für die Sensitivität und/oder Spezifität sind niemals 100%, das heißt:

    • jeder Test übersieht einen Teil der wirklich Kranken/Infizierten, zeigt also negative Testergebnisse bei Menschen, bei denen diese eigentlich hätten positiv ausfallen müssen („falsch-negative Ergebnisse“ – die Sensitiviät ist immer < 100%)

    • jeder Test zeigt positive Testergebnisse bei Menschen, bei denen diese eigentlich hätten negativ ausfallen müssen, weil diese Menschen nicht krank/infiziert sind („falsch-positive Ergebnisse“ – die Spezifität ist immer < 100%).

  • Sensitivität und Spezifität stehen in einem Spannungsverhältnis zu einander – je sensitiver ein Test ist, desto geringer ist in der Regel seine Spezifität und umgekehrt.

Eine entscheidende Frage bei Tests ist natürlich, wie zuverlässig weist denn ein positives Testergebnis tatsächlich auf eine vorliegende Erkrankung hin - dies beschreibt der so genannte Positive Vorhersagewert/positive predictive value/PPV. Ein PPV von 100% hieße, alle positiv Getesteten sind tatsächlich erkrankt - je weiter der Wert unter 100% liegt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein positiver Test falsch-positiv ist.

[Alle drei Werte: Sensitivität, Spezifität oder der PPV werden entweder in % oder als Teil von 1 angegeben - eine PPV von 24% lässt sich also z.B. auch als PPV von 0,24 ausdrücken.]

Dies gilt auch für so hochspezialisierten Tests wie die so genannten RT-PCR-Abstrichtests, die (nicht nur) in Deutschland seit Monaten zu Millionen durchgeführt werden und deren Ergebnisse uns – hübsch bunt verpackt in Linien, Säulen oder Torten – seit Monaten fälschlicherweise als Zahl von "Neuinfektionen" verkauft werden und als Grundlage beispielloser Grundrechtsbeschränkungen herhalten müssen.

Die SARS-CoV-2-PCR-Tests haben – und hier wird es spannend – nach Angaben von Papieren, die das RKI verteilt (Zeichhardt 2020) eine Spezifität von bestenfalls 99,3% (Durchschnittswert - was an sich nicht schlecht ist!) - das heißt aber nicht mehr und nicht weniger, als dass mindestens 0,7% der Testergebnisse falsch positiv sind.

Was bedeutet das?

Das bedeutet, dass wenn 100.000 Tests an sicher Gesunden, Nicht-Infizierten durchgeführt werden, 700 von diesen Tests (falsch) positiv sind – also mit anderen Worten das Vorhandensein einer Krankheit „beweisen“, die es in dieser Häufigkeit gar nicht (mehr) gibt.

Nun sind in der letzten dokumentierten 20. Kalenderwoche von den Tests in Deutschland ohnehin nur noch 1,7% positiv – also 1700 von 100.000.

Ziehe ich - stark vereinfachend - von diesen die 700 ab, die falsch positiv sind, bleiben: 1000 – oder 1%.

Wichtig ist auch hier im Hinterkopf zu behalten, dass diese 1,7% positive Testergebnisse keineswegs bedeutet, dass 1,7% der getesteten Personen positiv getestet wurden - "Es ist zu beachten, dass die Zahl der Tests nicht mit der Zahl der getesteten Personen gleichzusetzen ist, da in den Angaben Mehrfachtestungen von Patienten enthalten sein können." (RKI 20.05.2020); dies meint zum einen, dass die empfohlenen Abstriche von Nase und Rachen teilweise (anders als empfohlen) mit getrennten Tests durchgeführt werden (macht dann zwei Tests für einen Getesteten) und teilweise auch Kontrolltests im Verlauf einer Erkrankung - die systematische Kontrolle positiver Testergebnisse ist vom RKI nicht vorgesehen (s.u.).

Was bedeutet das sonst noch?

Das bedeutet, dass, solange wir in diesem Umfang PCR-Tests durchführen, immer genug falsch-positive Ergebnisse dabei herauskommen werden, um die Pandemie unsterblich zu machen – es gibt ja immer noch genügend „Neuinfektionen“… zweite Welle und so…

Und was bedeutet das auch?

Das bedeutet, dass die Anzahl der vermeintlich „gefundenen Neuinfektionen“ in der Spätphase der Pandemie (also jetzt, wo es fast keine „echten Neuinfektionen“ mehr gibt) praktisch nur noch von der Zahl der durchgeführten Tests abhängt.

Das wiederum bedeutet, dass man über die Menge der durchgeführten Tests die Zahl der positiven Ergebnisse steuern kann: im Landkreis XY sollen Demonstrationen wieder verboten werden und das Limit sind 50 Neuinfektionen/100.000 Einwohner? Kein Problem: mit 7200 Tests/100.000 Einwohner ist das gewünschte Ergebnis garantiert… .

Vor diesem Hintergrund bekommt die von Politikerseite gebetsmühlenartig wiederholte Forderung nach "immer mehr Tests" ein ganz neues Konnotat...

Und wie kann man das Problem lösen?

Die einfachste Lösung für das Problem falsch positiver Testergebnisse wäre es, konsequent jeden einzelnen Getesteten mit einem positiven Befund umgehend ein zweites Mal zu testen - dies wird z.B. in Schweizer Labors routinemäßig durchgeführt (NZZ vom 14.05.2020).

NZZ Zweittest

 

(Quelle: NZZ vom 14.05.2020)

Auf eine entsprechende Empfehlung des RKI wartet man vergeblich....

Eine vertiefende Lektüre dieses komplexen Themas ermöglicht dieser Artikel (multipolar-magazin.de vom 24.05.2020).

Streeck über Adabei Lauterbach: "verquer und polarisierend"... ach - 28.07.2020

Heute auf Twitter...

Streeck vs Lauterbach

Will we ever achieve immunity from COVID-19? - 28.07.2020

Unter diesem Titel fasst Ian Sample, der science editor des Guardian, den aktuellen Stand dieser Diskussion in einem hörenswerten Podcast zusammen (The Guardian 28.07.2020).

Immer dasselbe ? - Kinder sind bei COVID-19 einfach kein Problem... (außer an der Charité) - 27.07.2020

Eine aktuelle umfassende Literatur-Übersichtsarbeit (Merckx 2020) bestätigt wieder einmal, was wir über Kinder eigentlich schon so lange wissen:

"Veröffentlichte Studien zur Übertragung von SARS-CoV-2 in Haushalten lassen erkennen, dass Kinder nur selten der Indexfall sind. Weiterhin legen Untersuchungen von Fällen und Clustern nahe, dass Kinder mit SARS-CoV-2 selten Sekundärfälle verursachen."

"In Settings, in denen die Schulen geöffnet blieben, oder bei Verwendung von Daten, die vor den Schulschließungen erhoben wurden, finden sich kaum Hinweise auf Ausbrüche oder eine größere Übertragung in die Bevölkerung."

Und - besonders nett - eine deutliche Breitseite gegen den simplifizierenden Populismus von Chefcoronoiker Christian Drosten mit seiner umstrittenen Viruslast-Studie und den dort erhobenen Forderungen nach Beibehalten der KiTa-Schließungen:

"Politische Entscheidungen wie beispielsweise die Wiederöffnung von Schulen betreffen mehr als die bloße Frage nach der Viruslast. Sie fußen vielmehr auf komplexen Überlegungen, um in einem von Angst und Unsicherheit geprägten weiten Kontext Risiken und Nutzen auszubalancieren."

Hotspot bei Hof - "Hygienekonzept der Schule hat gewirkt" - trotzdem geschlossen... - 22.07.2020

Es wird zunehmend zum politischen Primitiv-Reflex - egal wo und warum es zu einer "Häufung" von COVID-19-Fällen kommt: als erstes werden mal die Schulen geschlossen... . In Rehau bei Hof (Bayern) wurden - sage und schreibe - 15 Personen positiv getestet. Darunter ein Vater und zwei seiner Kinder, deren Schulklassen in Quarantäne geschickt wurden - weitere positive Testergebnisse an der Schule gäbe es nicht, "Das Hygienekonzept der Schule hat gewirkt", so der Landrat laut BR (BR 22.07.2020) - und schließt die Schulen der Kleinstadt... .

"Infektionsgeschehen trotz vieler Tests stabil" - 21.07.2020

Sollte es dem Bayerischen Ministerrat gelungen sein, die eigentliche Ursache für die COVID-19-Pandemie zu finden? Sind es doch die vielen Tests? Anders kann man die Äußerung des Bayerischen Staatsministers Florian Herrmann, die aktuell in verschiedenen Medien zitiert wird, kaum interpretieren: "Trotz der erhöhten Zahl an Tests sei das Infektionsgeschehen im Freistaat erfreulicherweise stabil", so zitiert ihn z.B. die Tagesschau... (tagesschau.de 21.07.2020) . Ein Gedanke von geradezu Trumpscher Tiefe... .

In Bayern - so die Meldung weiter - würden jetzt täglich zwischen 20.000 und 23.500 Tests durchgeführt und die Testpositivenquote liegt bei 0,4 - 0,6%. Aufmerksame Leserinnen und Leser dieses Blogs wissen nun, dass die bisher veröffentlichte Spezifität der RT-PCR laut dem bisher abgeschlossenen Ringversuch bei 99,3% liegt - es ist also schon methodisch bedingt mit einer Testpositivenquote von 0,7% zu rechnen (s. hier). Noch aufmerksamere Leserinnen und Leser wissen, dass diese Falsch-Positiven-Rate durch Kontrolltests der positiven RT-PCRs wesentlich gesenkt werden kann. Dies muss - anders wären die niedrigen Testpositivenquoten in Bayern nicht zu erklären - in nennenswertem Umfang geschehen.

Auf eine Nachfrage beim Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), das in Bayern für COVID-19 und die Tests zuständig ist, in welchem Umfang denn jetzt Kontrolltests stattfänden und von welcher realen Spezifität das LGL als maßgebliche Behörde denn nun ausginge, entsponn sich folgender E-Mail-Wechsel:

Frage: Sind Ihnen die Spezifitätswerte der in Bayern verwendeten Tests bekannt? Wie lauten diese?
Antwort: Sie sind uns leider nicht bekannt.

Frage: Ist Ihnen bekannt, welcher Anteil der Labors noch unverändert nach der WHO-Empfehlung vom 19.03. nur ein target als Kriterium für ein positives Testergebnis verwendet?
Antwort: Auch hierzu liegen uns keine Informationen vor

Frage: Ist Ihnen bekannt, welcher Anteil der Labors mittlerweile beide targets routinemäßig bestimmt?
Antwort: Das ist uns leider nicht bekannt

Frage: Ist Ihnen bekannt, welcher Anteil der Labors mittlerweile zumindest positive Ergebnisse, die mit nur einem target bestimmt wurden, mit einer Zweitbestimmung überprüft?
Antwort: Nein, das ist uns nicht bekannt.

Das heißt: die Behörde, die die mit viel Aufwand erhobenen Testergebnisse erfasst und als Grundlage für politische Entscheidungen, die unverändert wesentliche Grundrechte aushebeln, aufbereitet, hat unter'm Strich überhaupt keine Ahnung, wie diese entscheidende Testpositivenquote zu interpretieren ist. Nimmt man den nicht unwahrscheinlichen "best case" an, haben wir in Bayern schon lange gar keine "echten" COVID-19-Fälle mehr, sondern jagen täglich mit bayerischer Inbrunst und viel medialem Hallali Laborenten nach...  na dann: Waidmannsheil.

Einmal COVID-19, immer COVID-19 - bis zum Tod? - 19.07.2020

Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock hat eine umgehende Überprüfung der britischen Todesfallzahlen im Rahmen der COVID-19-Pandemie angeordnet - eine Studie der Universität Oxford unter dem bezeichnenden Titel "Why no-one can ever recover from COVID-19 in England – a statistical anomaly" hatte nachgewiesen, dass in der Statistik auch Menschen als COVID-19-Tote aufgeführt wurden, die sich nachweislich bereits erholt hatten und im weiteren Verslauf an anderen Ursachen starben (Loke 2020). Dies würde die COVID-19 zugeschriebenen Todesfälle natürlich deutlich überhöhen - umso mehr, je länger die Pandemie währt.

Wer glaubt, es brauche ein Genie wie Boris Johnson für einen solchen Schildbürgerstreich sei gewarnt: die Stadt Krefeld meldet am 06.07.2020 genau dies auch für die deutsche Statistik - ehemalige COVID-19-Patienten werden vom RKI auch dann als COVID-19-Todesfälle geführt, wenn sie längst gesundet waren und an ganz etwas anderem starben... (Krefeld.de 06.07.2020).

Damit haftet dieser wesentlich Makel auch den deutschen Todesfallstatistiken an... wieder ein Beispiel für den sehr besondere Qualität der Daten, mit denen das RKI derzeit die Öffentlichkeit überflutet... .

Und wieder einmal: Schulschließungen praktisch wirkungslos... - 19.07.2020

Ein Vergleich der beiden Länder Finland und Schweden, die bezüglich der Frage der Schulschließungen sehr unterschiedliche Wege gingen (Finland schloss die Schulen, Schweden nicht), ergab wieder einmal das schon bekannte, gerade in Deutschland aber immer noch gern diskutierte Ergebnis, dass Schulen und Schulkinder für die Pandemie eine mehr als untergeordnete Rolle spielen, Schulschließungen also jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehren: "In conclusion, closure or not of schools has had little if any impact on the number of laboratory confirmed cases in school aged children in Finland and Sweden. The negative effects of closing schools must be weighed against the positive effects, if any, it might have on the mitigation of the covid-19 pandemic." so das schwedische Gesundheitsministerium auf seiner Internetseite.

Hier ist die vollständige Studie herunterzuladen, die als wesentliches zweites Ergebnis erbrachte, dass das Infektionsrisiko von Lehrern keinesfalls erhöht ist.

 

? COVE is in the air... ? - is it really? 17.07.2020

Es sagt viel über den wissenschaftlichen Umgang mit COVID-19 aus, dass wir mehr als ein halbes Jahr nach Beginn der Pandemie eine der entscheidenden Fragen noch nicht sicher klären können: wie wird SARS-CoV-2 denn nur wirklich übertragen?

Durch Türklinken? Eher wohl nicht  (Streeck 2020).

Durch Tröpfcheninfektion, wie z.B. die Influenza?

Durch die viel beschworenen Aerosole, wie z.B. Masern? Immerhin haben sich 240 Forscher warnend an die WHO gewandt, weil sie diese Möglichkeit der Übertragung bis jetzt für unterschätzt halten (RND 07.07.2020).

Ein Übersichtsartikel der renommierten Harvard-Universität räumt ein, dass eine Übertragung durch Aerosole durchaus möglich scheint (zahlreiche Labor-Experimente belegen diese Möglichkeit - ein erheblicher Teil der WHO-Mahner waren auch Nicht-Mediziner wie Physiker etc.), sich dies unter Bedingungen des wirklichen Lebens wohl aber auf sehr seltene Ausnahmesituationen beschränkt (Klompas 2020): die gesamte Epidemiologie von COVID-19 widerspräche einer regelmäßigen Übertragung über diesen Weg. "It is impossible to conclude that aerosol-based transmission never occurs […| However, the balance of currently available evidence suggests that long-range aerosol-based trans- mission is not the dominant mode of SARS-CoV-2 transmission."

Impfstoff-Tracker - 16.07.2020

Die New York Times hat einen hervorragenden Tracker über die Impfstoffentwicklung veröffentlicht, der regelmäßig aktualisiert wird (NYT).

Antikörper sind nicht alles... - 14.07.2020

In einem science weekly-Podcast des Guardian (The Guardian 14.07.2020) erläutert die schottische Immunologin und Infektiologin Eleanor Riley die bisher weitgehend unbeachtete Rolle des zellulären Teils des Immunsystems (T-Zellen, s. hier) im Zusammenhang mit COVID-19.

COVID-19 - liegt alles nur am Dreck? - update 14.07.2020

Update 14.07.2020: Eine umfangreiche Studie aus den Niederlanden bestätigt diesen vermuteten Zusammenhang jetzt noch einmal eindrücklich (The Guardian 13.07.2020) - auch hier fanden die Forscher einen klaren Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Luftverschmutzung und der Schwere von COVID-19-Verläufen. Erstmals wurden hier auch zahlreiche andere Faktoren mit überprüft und ausgeschlossen, so z.B. die Bevölkerungsdichte, weil der Effekt auch in niederländischen Regionien nachweisbar war, die bei niedriger Bevölkerungsdichte z.B. durch Massentierhaltung dennoch eine hohe Luftverschmutzung aufwiesen. Damit ist dieses Phänomen keines, das - wie andernorts vermutet - auf große Städte mit ihren besonderen Lebensbedingungen beschränkt ist.


Schon früh im Verlauf der Coronoia fiel Forschern eine Parallele der damals weltweit am stärksten betroffenen Regionen – Hubei in China und das „Industrie-Dreieck“ in Norditalien - auf: das Ausmaß der dortigen Luftverschmutzung, v.a. die Belastung an Feinstaub.

Dieser Zusammenhang lässt sich in Wuhan selbst im Verlauf der (damals noch) Epidemie nachweisen: die jeweilige Fallsterblichkeit an COVID-19 korrelierte hochsignifikant mit der jeweiligen Luftverschmutzung 21 Tage zuvor (dies ist bei Todesfällen an COVID-19 der durchschnittliche Abstand zwischen Infektion und Versterben) (Yao 2020).

Italienische Forscher wiesen nach, dass in der mit Feinstaub ohnehin stark belasteten Region der Po-Ebene speziell im Dezember 2019 und Januar 2020 aufgrund spezieller meteorologischer Konstellationen nie dagewesene Belastungswerte auftraten, Werte, wie sie eben auch typischerweise in Wuhan gemessen wurden: „In the last month of December and January, the concentrations of PM 2.5 over this region reached
unprecedented values that are similar to those characterizing the Hubei Region, China“ (Frontera 2020).

Nun nähren aktuellere Studien auch aus Amerika den Verdacht eines Zusammenhangs zwischen der langfristigen Exposition Luftschadstoffen gegenüber und dem Risiko eines schweren Verlaufs im Falle einer COVID-19-Erkrankung. Autoren der Harvard T.H. Chan School of Public Health fanden hier für die Counties der USA eine unmittelbare Korrelation: so ging mit einer Zunahme der Feinstaubbelastung um nur 1 µg/m3 eine Erhöhung der Sterblichkeit bei COVID-19 von 15% einher – und dieser Zusammenhang blieb bestehen, selbst wenn Faktoren wie Anzahl der durchgeführten Tests, der Intensivpflegeplätze u.ä. berücksichtigt wurden (Wu 2020).

Eine Studie der Universität Halle hat jetzt die beiden europäischen COVID-Hotspots, Nord-Italien und die Region um Madrid, unter diesem Aspekt betrachtet - untersucht wurde die NO2 -Konzentration in Bezug auf die Anzahl der Todesfälle mit positivem SARS-CoV-2-Nachweis. Schon eine graphische Übersicht zeigt hier, dass genau die Regionen, in denen die NO2-Belastung besonders hoch ist, auch unter einer besonders hohen Zahl von Todesfälle litten:

NO2 Europa

(Quelle Ogen 2020)

Der Zusammenhang zeigte sich auch zahlenmäßig eindrucksvoll: "83% of all fatalities (3701 cases) occurred in regions where the maximum NO2 concentration was above 100 μmol/m2,15.5% (691 cases) occurred in regions where the maximum NO2 concentration was between 50 and 100μmol/m2, and only 1.5% of all fatalities (51 cases) occurred in regions where the maximum NO2 concentration was below 50μmol/m2." (Ogen 2020)

Und auch der Verlauf der Pandemie in den USA könnte hier einen möglichen Erklärungsansatz finden: die American Lung Association beklagt in ihrem aktuellen "State of the Air"-Report 2020 einen Anstieg der Belastung mit Feinstaub in praktisch allen amerikanischen Regionen. Fast die Hälfte der Amerikaner lebe mit einer ungesunden Belastung der Atemluft durch Ozon oder Feinstaub - Tendenz steigend: "Nearly five in ten people — 150 million Americans or approximately 45.8 percent of the population — live in counties with unhealthy ozone or particle pollution […] That represents an increase from the past three reports" (State of the Air 2020).

Es ist dies übrigens eigentlich keine Überraschung: schon für die SARS-Epidemie 2002/2003 konnte dieser Zusammenhang nachgewiesen werden - die Sterblichkeitsraten stiegen in China schon damals in Abhängigkeit von der Luftverschmutzung (Cui 2003).

Und selbst für die große Influenza-Pandemie 1918/19 ergab sich in einer Analyse von 2015 genau dieser Zusammenhang: je belasteter die Luft mit Schadstoffen (damals im wesentlichen amerikanische Kohlekraftwerke), desto höher die Sterblichkeit (Clay 2015).

Auch wenn all diese Studien natürlich nur Beobachtungsstudien sind, die niemals ursächliche Zusammenhänge beweisen, sondern nur Korrelationen aufzeigen können, werfen sie ein völlig neues Licht auf unser (Un-) Verständnis der Zusammenhänge um COVID-Infektionen und liefern mögliche Erklärungsansätze für bisher scheinbar Unerklärliches... .

Und ein Teil dieser Zusammenhänge ist zumindest auch tierexperimentell bewiesen: so erhöhen speziell Dieselabgase das Risiko von Versuchstieren, schwere Infekte der unteren Atemwege zu erleiden (Harrod 2003).

Damit wäre dann der Mechanismus, über den ein lockdown die Pandemie günstig beeinflussen könnte, (zumindest auch) ein anderer, als das social distancing – es wäre mehr der Stillstand von industrieller Produktion und Individualverkehr, der hier mildernd wirkte... .

Geisterfahrer auf der Überholspur - 14.07.2020

Derzeit zeigen täglich neue Studien dass völlig unklar ist, ob eine Infektion mit SARS-CoV-2 überhaupt eine dauerhafte Immunität hinterlässt - die bisherige Evidenz spricht klar dagegen (s.u.). Selbst Impfstoffentwickler wie Robin Shattock haben begriffen, dass dies unmittelbare Konsequenzen für die Impfstoffentwicklung hat - eine dauerhafte Immunität nach einer Impfung ist nach jetzigem Kenntnisstand mehr als unwahrscheinlich.

Dennoch hat die amerikanische Zulassungsbehörde FDA den Weg geebnet, Impfstoffkandidaten an üblichen Sicherheitsverfahren vorbei "fast track" zuzulassen - ausdrücklich auch einen möglichen mRNA-Impfstoff der deutschen Firma Biontec (Dt. Ärzteblatt 13.07.2020).

Angesichts der Tatsache, dass die Fallzahlen von COVID-19 in Mitteleuropa derzeit sehr niedrig sind, ist eine aussagekräftige Studie über den tatsächlichen Schutzeffekt einer Impfung hier de facto unmöglich bzw. würde viele Jahre dauern - es steht daher zu befürchten, dass eine eventuelle Impstoffzulassung allein auf der Grundlage von eventuell irrelevanten Surrogatparametern wie dem Entstehen von Antikörpern erfolgt, von denen derzeit niemand weiß, was sie für den Schutz vor einer SARS-CoV-2-Infektion wirklich bedeuten.

Kinder als Bremsklötze der Pandemie - 13.07.2020

"Schulen sind nicht die Hauptverbreitungsorte des Virus" - dieses Ergebnis erbrachte eine Studie der Universität Dresden, die am 13.07. vom sächsischen Kultusminister vorgestellt wurde, und die 500 Schüler und Lehrer an sächsischen Schulen untersucht hatte. In über 2000 untersuchten Proben fanden sich in 12 Fällen Antikörper gegen SARS-CoV-2 - ein bevölkerungstypischer Befund, so der Studienleiter Reinhard Berner (tagesschau.de 13.07.2020). Die Studie bestätige, so Berner, "dass Kinder wahrscheinlich anders als bei der Influenza nicht die Treiber der Infektion sind, sondern eher Bremsklötze" (SZ.de 13.07.2020)

Folgerichtig öffnet Sachsen seine Schulen nach den Sommerferien im Normalbetrieb.

Nicht immun gegen Zweifel an der Immunität - update 13.07.2020

Update 13.07.2020: Eine Untersuchung des Londoner King's College bestätigt diese Befunde aktuell - auch hier fand sich eine rasche Abnahme neutralisierender Antikörper in Abhängigkeit von der Schwere der Erkrankung

Seow2020

(Quelle: Seow 2020)

Die hat - so betonen die Autoren - natürlich auch substantielle Auswirkungen auf die Impfstoffentwicklung: "This study has important implications when considering […] the durability of vaccine protection." "Infection tends to give you the best-case scenario for an antibody response, so if your infection is giving you antibody levels that wane in two to three months, the vaccine will potentially do the same thing,” so Katie Doores, eine der Hauptautorinnen der Studie im Guardian (The Guardian 13.07.2020). Und Stuart Neil, einer der Co-Autoren assistierte: “One thing we know about these coronaviruses is that people can get reinfected fairly often. What that must mean is that the protective immunity people generate doesn’t last very long. It looks like Sars-Cov-2, the virus that causes Covid-19, might be falling into that pattern as well.”

Diese Befunde - so ein Virologe der Cambridge University - seien "another nail in the coffin of the dangerous concept of herd immunity" - vielleicht wäre es klug, diesen Sarg so zu dimensionieren, dass das Konzept eines COVID-19-Impfstoffs noch Platz hätte ... .

Wobei: wer sagt denn, dass es darum ginge, sich einmal impfen zu lassen? Robin Shattock, einer der Entwickler an einem der britischen Impfstoffprojekte wird vom Guardian zitiert:

“This certainly suggests that we cannot be confident natural infection will be protective for a significant proportion of individuals, nor certain of the duration of any protection. […] We would however expect that re-infection would be less severe for any individual as they will still retain immune memory allowing them to more rapidly respond. Nevertheless they could still be a source of onward transmission. […]  Ultimately this may require the use of annual boosting immunisations, particularly for the most vulnerable. This could be delivered alongside annual influenza immunisations.” 

Jährlich zusammen mit der Influenza-Impfung... und der gegen COVID-20 dann... und -21... irgendwie müssen sich diese Investitionen in die Impfstoff-Forschung ja auch amortisieren...


Update 12.07.2020: Die Nachuntersuchung der ersten deutschen COVID-19-Patienten aus dem Januar diesen Jahres im Klinikum Schwabing in München ergibt ernüchternde Ergebnisse: "Bei vier der neun Patienten sehen wir sinkende neutralisierende Antikörper in einem sehr speziellen Test, der nur in einem Hochsicherheitslabor erfolgen kann", so Clemens Wendtner, Chefarzt der dortigen infektiologischen Abteilung "Inwieweit dies Auswirkungen für die Langzeitimmunität und die Impfstrategien hat, ist derzeit noch spekulativ, muss aber im weiteren Verlauf kritisch beobachtet werden." Diese Ergebnisse deuteten jedoch darauf hin, dass nach durchgemachter Krankheit eine Neuansteckung möglich sei (Spiegel online 12.07.2020).


Einen hervorragenden Übersichtsartikel zu dieser Frage veröffentlichte am 08.07. Spektrum.de (Spektrum.de 08.07.2020)

Wider das Vermummungsgebot - kein Vorteil allgemeiner Maskierung... update 07.07.2020

Update 07.07.2020: Die von Bae veröffentlichte Studie zur Unwirksamkeit von Masken speziell bei SARS-CoV-2 (s. upate vom 08.04., zitiert auch im Deutschen Ärzteblatt) wurde mittlerweile auf Druck des Journals zurückgezogen, weil die verwendete Methodik sich im Nachhinein als fragwürdig erwies. Mehr als fragwürdig sind jedoch die Rahmenbedingungen dieser retraction: die Autoren hatten der Zeitschrift ausdrücklich neue, belastbare Daten im Sinne der Originalveröffentlichung angeboten, die Zeitschrift hatte dies jedoch kategorisch abgelehnt (Bae Juni 2020).

Dem Kommentar auf der Seite des Journals ist nichts hinzuzufügen [Hervorhebung von mir]: "Concerned that the editors wouldn't allow you to update your study - In your retraction statement, you said, 'We proposed correcting the reported data with new experimental data from additional patients, but the editors requested retraction.' This is concerning. The scientific and medical community should welcome corrected reporting and new data. That's how we learn and grow and come closer to the truth. There is no down side to allowing you to public an updated/corrected study. This makes no sense and raises concerns about the motivations of the editors."


 

Angesichts der aktuellen Diskussion um den Trend zu Teilverschleierung kommt eine Metaanalyse eines Teams um den britischen Cochrane-Forscher Tom Jefferson gerade recht - veröffentlicht am 30.03.2020 heißt es dort:

"There was no reduction of influenza-like illness (ILI) cases (Risk Ratio 0.93, 95%CI 0.83 to 1.05) or laboratory-confirmed influenza (Risk Ratio 0.84, 95%CI 0.61-1.17) for masks compared to no masks in the general population, nor in healthcare workers (Risk Ratio 0.37, 95%CI 0.05 to 2.50). There was no difference between surgical masks and N95 respirators: for ILI Risk Ratio 0.83 (95%CI 0.63 to 1.08), for laboratory-confirmed influenza Risk Ratio 1.02 (95%CI 0.73 to 1.43)." 

[Es gab keine Verminderung grippaler Infekte […] oder laborbestätigter Influenza-Fälle im Vergleich Masken/keine Masken - weder in der Allgemeinbevölkerung, noch bei Beschäftigten im Gesundheitswesen. Es gab keinen Unterschied zwischen chirurgischen OP-Masken und N95 respirators [grob vergleichbar den deutschen FFP2- oder FFP3-Masken] - weder für grippale Infekte, noch für laborbestätigte Influenza]. (Jefferson 2020).

Bezog sich Jeffersons Metaanalyse auf das Tragen von Masken durch medizinisches Personal, hat diese - noch nicht einmal offiziell erschienene - Metaanalyse der amerikanischen CDC die Effektivität des Tragens von Masken in der Öffentlichkeit als Schutz vor Influenza untersucht und widerlegt: "We did not find evidence that surgical-type face masks are effective in reducing laboratory-confirmed influenza transmission, either when worn by infected persons (source control) or by persons in the general community to reduce their susceptibility."

[Wir fanden keinen Beweis, dass chirurgische Gesichtsmasken zum Verringern der Übertragung einer laborbestätigten Influenza wirksam seien, weder wenn sie von Infizierten, noch wenn sie von der allgemeinen Bevölkerung getragen wurden, um deren Empfänglichkeit zu vermindern.]  (Xiao 2020).

Update 08.04.2020: Eine weitere Studie hat den Schutzeffekt verschiedener Maskentypen speziell bei SARS-CoV-2 untersucht: SARS-CoV-2-infizierte Patienten husteten die Viren sowohl durch chirurgische, als auch durch Baumwollmasken schlicht hindurch... (Bae 2020, auch im Dt. Ärzteblatt).

Update 23.04.2020: Mittlerweile hat die de facto bundesweite Pflicht zur Maskerade eine karnevaleske Diskussion auf allen Ebenen ausgelöst... (tagesschau.de 23.04.2020)

Ist ja logisch: Wenn Fleischfabriken betrügen müssen Schulen und KiTas geschlossen werden... - update 06.07.2020

Update 06.07.20: Offensichtlich konnten auch die Nordrhein-Westfälischen Gerichte dieser Weltsicht nicht folgen: sie erklärten den undifferenzierten lockdown nach der Tönnies-Schweinerei für unverhältnismäßig und damit rechtswidrig und hoben ihn auf(tagesschau.de 06.07.20). Das hat in diesem Fall zwar fast keine Konsequenzen mehr (der lockdown wäre eh am Mittwoch ausgelaufen), ist aber ein Signal der Hoffnung für all die Nachbarn noch nicht so genau untersuchter Schlachthöfe...


Es bedarf wohl einer besonderen Weltsicht für diese Logik: eine Fleischfabrik, deren Beschäftigte vor allem osteuropäische Leiharbeiter ohne Familienangehörige geschweige denn Kinder sind, verstößt anhaltend gegen basale epidemiologische Grundanforderungen und Vorschriften (von den Anforderungen an menschenwürdige Arbeitsbedingungen ganz zu schweigen) und wird zum Ausgangspunkt eines COVID-19-Ausbruchs - und den zuständigen Politikern fällt nichts Klügeres ein, als Schulen und KiTas zu schließen. Dafür darf dann die Fleischfabrik erst nochmal einige Tage weiterarbeiten, um die Vorräte an Billigfleisch noch wegzuschaffen... .

Wieder einmal gefallen sich die Politiker in tumbem, reflexartigen Aktivismus und lassen ihre Profilneurosen an den Schwächsten der Gesellschaft aus - ohne jede wissenschaftliche Grundlage, wie Experten auch in diesem Fall betonen (Science Media Center 18.06.2020).

Aber: es besteht Hoffnung - der Gütersloher Landrat sieht das politische Komplettversagen der letzten Tage mittlerweile ganz offenbar ein und ist voller guter Vorsätze. Die Tagesschau zitiert ihn am 23.06. - also kaum das 5 Tage nach dem COVID-19-GAU bei Tönnies vergangen sind - mit den reuigen Worten zu weiteren Maßnahmen: "Das werden wir jetzt maßvoll und sinnvoll machen." Aha!

Übersicht Impfstoffentwicklung - 03.07.2020

Der britische Guardian hat hier eine hervorragende Übersicht über den Stand der verschiedenen internationalen Impfstoffprojekte veröffentlicht.

Uups - they did it again - Schrappe, Glaeske, Püschel - Klappe die Dritte... 30.06.2020

Die Autorengruppe hochkarätiger Experten, die schon mit zwei bisher veröffentlichten Thesenpapieren den Umgang der Bundesregierung mit COVID-19 scharf, fachkundig und konstruktiv kritisiert hatte, hat ein Thesenpapier 3.0 veröffentlicht (Schrappe 29.06.2020).

Die im Titel des Papiers angekündigte "erste Bilanz" fällt klar aus: "Eine zweite Welle droht derzeit nicht". Um eine Ausbreitung ausgehend von Herdausbrüchen zu verhindern, fordern die Autoren verbunden mit massiver Kritik an der Arbeit des RKI "ein Set von epidemiologischen Kennzahlen sinnvoll […], das an die Stelle der bisherigen dramatisierenden Zahlen zur Häufigkeit und Mortalität (4,7% statt real <0,5%) treten sollte: sporadisches und herdförmiges epidemisches Auftreten sowie Infizierte und Erkrankte müssen getrennt berichtet werden". (Das RKI handhabt dies bisher anders, weil die Reproduktionszahl für ganz Deutschland so eindrucksvoll steigt, wenn in einem Schlachthof 1500 positive Tests anfallen...).

Die Autoren lassen kein gutes Haar an der Zahlenakrobatik des RKI: "Ein rationaler und abwägender Umgang mit der geschilderten epidemiologischen Situation erfordert eine adäquate Zahlenbasis. Leider ist hier in den letzten Wochen keine Verbesserung aufgetreten, sondern es herrscht unverändert eine dramatisierende, in Teilen sachlich nicht adäquate Darstellung vor […] Weiterhin dominieren Zahlenwerte, die die Lage übermäßig dramatisieren (z.B. Mortalität) oder schlicht inadäquat sind (z.B. mangelnde Differenzierung von Erkrankten und Infizierten, Abhängigkeit vom Stichprobenumfang)."

Konkret entwickeln die Autoren einen so genannten "Balanced Infection Control Score", der als "vierdimensionale Matrix […] die Dimensionen Epidemiologie, Ökonomie, Wissen/Ausbildung sowie Grundrechte" abbildet und als Grundlage der weiteren Pandemie-Strategie dienen soll. "Die soziale Situation von Kindern und Frauen unter den Bedingungen der Krise und des Lockdowns macht deutlich, wie entscheidend es ist, nicht nur medizinische bzw. epidemiologische Kriterien zu beobachten (z.B. Zahl von Neuinfektionen), sondern auch andere Aspekte wie die soziale Situation zur Steuerung mit heranzuziehen."

Auch zur Corona-Warn-App (CWA) äußert sich das Papier und weist auf die ungelösten technischen Probleme der möglichen De-Anonymisierung auf der Ebene der Smartphone-Betriebssysteme und den möglichen Missbrauch der App im privatrechtlichen Bereich hin. Besonders letzteres ist für die Autoren ein zwingendes Argument für eine gesetzliche Absicherung der CWA (wie z.B. von der Linken oder den Grünen gefordert).

And now for something completely different.... neue Pandemie am Horizont? 30.06.2020

Damit wir nicht aus der Übung kommen: chinesische Forscher warnen vor einer neuen Pandemie mit einem Ur-Ur-Enkel des "Schweinegrippe-Virus (H1N1)" von 2009, genannt "G4". In China sind bereits 10% der Schlachthofmitarbeiter infiziert, mehr als 4% der Normalbevölkerung hätten bereits Kontakt mit diesem Virus gehabt.

Eine Übertragung ist derzeit nur vom Tier auf den Menschen beschrieben, noch gibt es keine Hinweise auf eine Ansteckung von Menschen durch Menschen, aber, so die Forscher dieses Virus habe eine hohe Infektiosität und durchaus pandemisches Potential: "Such infectivity greatly enhances the opportunity for virus adaptation in humans and raises concerns for the possible generation of pandemic viruses. […] It is of concern that human infection of G4 virus will further human adaptation and increase the risk of a human pandemic" (Sun 2020).

"normal-track-Zulassungen" von Medikamenten- alles andere als verlässlich... 28.06.2020

Neben der Qualifikation als Hobby-Epidemiologe vermittelt diese Pandemie der Normalbevölkerung auch tiefe Einblicke in die Zulassungs-usancen der Arzneimittelbehörden (Stichwort: fast-track-Zulassung für COVID-19-Impfstoffe).

Wie abenteuerlich und fehleranfällig jedoch schon die normalen Zulassungsstrategien für Medikamente sind, zeigt uns auf der einen Seite das aktuelle Beispiel des Gürtelrose-Impfstoffs Shingrix®, einem "normal" zugelassenen Impfstoff, vor dessen Nebenwirkungen aktuell die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft warnt (AKdÄ 26.06.2020) und ein hervorragender Artikel von Harald Walach, der ein neues Buch von Peter Gøtzsche zum Anlass nimmt, diese Zulassungsverfahren kritisch zu beleuchten (Harald Walach 26.06.2020)

Corona-App - unverändert nicht unumstritten - update 26.06.2020

Update 26.06.2020: MEZIS, der Verein unbestechlicher Ärztinnen und Ärzte lehnt in einer Stellungnahme die Corona-Warn-App (CWA) wegen massiver Datenschutzbedenken ab (MEZIS 24.06.2020). In einer Begründung des Vorstandes heißt es:

"Fakt 1: Weder die Programmierer, noch das RKI wissen, welche Daten Google/Apple aus der CWA über das Betriebssystem ableiten.

In der Dokumentation zur offiziellen App steht:

https://www.coronawarn.app/assets/documents/cwa-datenschutz-folgenabschaetzung-anlage1.pdf (S. 58/59):

"Inwieweit Google und Apple die Daten [...] verarbeiten, entzieht sich der Kontrolle der am Projekt Beteiligten."

"Festzuhalten bleibt, dass Risiken für die Rechte und Freiheiten von Betroffenen bestehen, die sich aus der Entscheidung ergeben, das Framework von Apple und Google für die Corona-Warn-App zu nutzen.

[Dazu zählt:]

- Erhebung und Speicherung nicht-notwendiger Daten, inklusive Nutzer- und Metadaten durch Apple/ Google

-(Bewusste/ Unbewusste) Erteilung von Berechtigungen an Google/ Apple/ andere App-Anbieter auf Smartphone

-Zugang/ Zugriff zu Gesundheitsdaten (Infektionsstatus) trotz fehlender Berechtigungen zu CWA über API/ ENF (Datenabfluss an Google/ Apple) "

Fakt 2: Das RKI schätzt den Datenabfluß selbst als "erhebliches Risiko" ein:

https://www.coronawarn.app/assets/documents/cwa-datenschutz-folgenabschaetzung.pdf

"Der Umstand, dass die CWA App die Konnektivitäten und das ENF von Google und Apple verwendet, stellt ein erhebliches Risiko dar, welches durch das RKI jedoch praktisch nicht beseitigt und auf technischer Ebene auch nicht reduziert werden kann. "(12.6.1)

Fakt 3: Auch das RKI nimmt selbst an, dass Google/Apple die Verknüpfungen zwischen anderen Daten des Betriebssystems und der App vornehmen können und auch z.B. die Werbe-ID hierfür nutzen:

"Die genaue technische Umsetzung und Funktionsweise aller betriebssystem-und hardwareseitigen Funktionalitäten ist der Kontrolle des RKI entzogen. Es ist anzunehmen, dass Apple und Google durch eine Änderung des ENF auch zur Verknüpfung der dort verarbeiteten Tagesschlüssel und RPIs mit einer geräte-(z. B. Werbe-ID) oder nutzerspezifischen Kennung (z. B. Apple-ID oder Google-Konto) in der Lage sind.""


Update 19.06.2020: Auch eine gemeinsame Forschergruppe mehrerer deutscher Universitäten sieht unverändert massive Sicherheitsprobleme: ihren Untersuchungen nach ist mit einfachen Mitteln das Erstellen von Bewegungsprofilen oder sogar eine De-Anonymisierung der App-Daten möglich (Universität Marburg 12.06.2020 - die Originalarbeit (preprint) findet sich hier)


Auch wenn der Chaos Computer Club der Corona-App ein bislang gutes Zeugnis ausstellt (tagesschau.de 16.06.2020) - andere IT-Vereinigungen sehen sie unverändert kritisch. Der gemeinnützige Verein Digitalcourage e.V. (der alljährlich die BigBrother-Awards verleiht) sieht nach wie vor ungelöste und problematische Aspekte der App (digitalcourage.de 15.06.2020).

RKI-Tests KW 25 - Positiver Vorhersagewert knapp 50%... - update 26.06.2020

RKI Rechner

 

Für Erläuterungen s. bitte hier.

Die mathematische Herleitung des Rechners wurde noch einmal überarbeitet - Sie können sie zum Nachrechnen hier herunterladen (Zahlen aus der KW 24).

RTönnies - Der Gipfel der statistischen Lächerlichkeit - 23.06.2020

Man ist ja mittlerweile einiges gewöhnt an statistischen sottisen aus dem RKI - aber da war offensichtlich doch noch Luft nach unten... schön, wenn Behörden, denen tendentiell ja eher immer Langweiligkeit nachgesagt wird, noch so überraschen können:

In der Kalenderwoche 24 meldete das RKI gut 2600 positive Tests bundesweit - jetzt werden streng lokalisiert um eine Fleischfabrik mehr als 1500 neue positive Tests (also mehr als 50% der bisherigen bundesweiten Wochenrate) erhoben und das RKI schreckt nicht davor zurück, diese in die gesamte Reproduktionszahl für ganz Deutschland einzurechnen... . Und der Wert von 2,76 wird von den epidemiologisch im Laufe der Pandemie ja perfekt ausgebildeten Medien aufgegriffen und verbreitet... im In- und Ausland.

Guardian 20200623

(Quelle: theguardian.com - corona-newsticker vom 23.06.2020)

Nur, weil man mit höchst fragwürdigen Strategien irgendwo irgendwelche Zahlen erhebt, die man in irgendwelche Formeln einsetzen könnte, heißt das noch lange nicht, dass man dies tun muss geschweige denn sollte. Dies umso weniger, wenn das Ergebnis über die letzten Wochen zum epidemiologischen Goldenen Kalb hochgejazzt wurde und als Rechtfertigung für drakonische Grundrechtsbeschneidungen herhalten muss.

Gerade angesichts der im Moment bundesweit so geringen Zahlen an positiven Tests wirken sich Ausbrüche wie der in Gütersloh mathematisch völlig inadäquat auf eine für Gesamtdeutschland berechnete Reproduktionszahl aus - die mathematische Berechnung von R mag daher möglich und rein mathematisch richtig durchgeführt sein, medizinisch-epidemiologisch ist sie vorsichtig formuliert völliger Unsinn, weil sie das bundesdeutsche Infektionsgeschehen in keiner Art und Weise widerspiegelt.

Medizinrechtler: "lockdown war falsch" - 23.06.2020

Der Medizinrechtler Peter Gaidzik, Arzt und Jurist und Professor für Medizinrecht an der Universität in Witten/Herdecke findet in einer lesenswerten, differenzierten und sachkundigen Analyse deutliche Worte (WA 05.06.2020)

Streeck: Rolle der Virologen begrenzen - 22.06.2020

Die Rolle der Virologen zu begrenzen fordert nun ausgerechnet einer der bekanntesten Vertreter dieser Zunft: Hendrik Streeck (Stern 22.06.2020) "Es gibt viele Fragen, die ein Mediziner nicht beantworten kann." Er relativiert viele der von seinen Kollegen systematisch geschürten Ängste "Ich halte die Gefahr, dass ich mir über Kinder Covid-19 nach Hause hole, für gering" und plädiert dafür, gerade die Risikogruppe der Älteren nicht wie bisher permanent zu bevormunden: "Eine 82-jährige Frau hat in ihrem Leben schon viele Risikoabschätzungen getroffen, sie hat das Ende des Zweiten Weltkriegs erlebt. Sie kann selbst entscheiden, ob sie das Risiko eingehen will, ihre Enkel zu sehen. Das müssen wir nicht für sie tun."

Kinder haften für ihre Eltern - 21.06.2020

Ein erstaunlich kritischer und differenzierter Artikel aus der SZ-Wissens-Redaktion zum Thema der Schulschließungen als Reaktion auf die COVID-19-Infektionen unter osteuropäischen Leiharbeitern... (SZ 18.06.2020)

Medizinethiker Wolfram Henn: dumm? skrupellos? beides?? - update 19.06.2020

In der Diskussion um Impfpflicht und individuelle Impfentscheidungen ist der Medizinethiker Wolfram Henn, ein Mitglied des alten und des neuen deutschen Ethikrates, kein Unbekannter und berüchtigt für, sagen wir: etwas vereinfachende Darstellungen. So verglich Henn schon einmal die verantwortungsvolle, individuelle Entscheidung von Eltern über die Impfungen ihrer Kinder mit Straftaten wie dem illegalen Entsorgen von Altöl im eigenen Garten (Der Frauenarzt 10/2019).

In einem Interview mit der WELT bewies Henn jetzt eindrucksvoll, dass da intellektuell noch reichlich Luft nach unten ist: auf die Frage des WELT-Journalisten nach der COVID-19-Impfung antwortete Henn "Impfstoffe sind eine sehr sichere Angelegenheit. Die Bausteine sind immer die gleichen und werden seit vielen Jahren milliardenfach erfolgreich eingesetzt." Und als der Journalist nicht glauben wollte, dass ein Mitglied des Deutschen Ethikrates wohl der einzige Mensch in der westlichen Hemisphäre ist, der noch nichts davon gehört hat, dass die Impfstofftechnologien beim COVID-19-Impfstoff eben (zumindest bei einem großen Teil der Impfstoffkandidaten) völlig neuartige und bisher überhaupt noch nicht "erfolgreich eingesetzte" Technologien verwenden und hier nachfragte, antwortete der Medizinethiker: "Wenn Sie in einen Apfel beißen, nehmen Sie auch artfremde DNA auf. Unser Körper kommt permanent mit fremdem Erbgut in Kontakt." (WELT 17.06.2020).

Nun muss sich natürlich nicht jeder zu jedem Thema äußern. Wenn man sich aber berufen fühlt, als ausgewiesener Nicht-Fachmann zum Impfen in prominenter Funktion zu einem so komplexen Thema wie z.B. Impfstofftechnologien Interviews zu geben, stünde es einem Vertreter des Ethikrates gut zu Gesicht, sich ein Minimum an Fachkenntnis anzueignen, bevor solche Sottisen in die Öffentlichkeit posaunt werden.

Kein Wort vom alles entscheidenden Unterschied zwischen der Aufnahme von "fremdem Erbgut" über das Verdauungssystem mit all seinen Barrieren und immunologischen Schutzmechanismen und dem Injizieren solchen Materials in die Muskulatur (oder, bei mRNA-Impfstoffen auch praktiziert, in die Haut) an allen diesen Mechanismen vorbei.

Kein Wort von den bekannt problematischen Eigenschaften von mRNA im Körper außerhalb der Zellen (im so genannten Extrazellulärraum) - sie induziert autoimmunologische Entzündungsprozesse und Blutgerinnungsvorgänge (s. hier).

Kein Wort von der beim Menschen neuartigen und umstrittenen Injektion von nanotechnologischen Verpackungsmaterialien für die RNA  (s. hier).

Gerade weil Henn im "richtigen Leben" außerhalb des Ethikrates Humangenetiker ist, weiss er natürlich um die Besonderheiten von mRNA im Körper - innerhalb und außerhalb der Zellen. So kann hier also Unkenntnis keine Entschuldigung für den unsäglichen "Apfel-Vergleich" sein.

Unverantwortlich simplifizierende Aussagen aus formal so berufenem Munde machen Menschen lächerlich, die angesichts dieser tiefgreifenden Eingriffe auf der Ebene unserer Erbinformation berechtigte Sorgen  und Bedenken formulieren und darin von allen verantwortungsvollen wirklichen Fachleuten bestätigt werden.

Henn macht aber auch die mittlerweile jahrzehntelangen, bislang verantwortungsvollen Bemühungen der Wissenschaftler, Impfstoffforscher und -hersteller lächerlich, deren Ethos und berechtigte Zurückhaltung bis zum heutigen Tag eine Anwendung dieser noch nicht beherrschten Technologie am Menschen verhinderten.

Ein solches, Andersdenkende abwertende Interview von einem Medizinethiker wirft - unabhängig von seiner fehlenden Fachkenntnis zu Impfstoffen - auch in seinem ureigenen Fachgebiet der Medizinethik viele Fragen auf.

Der deutsche Ethikrat, der sich gerade in der jüngeren Vergangenheit durch kluge, differenzierte, abwägende Stellungnahmen zu hochkomplexen Fragestellungen wie pränataler Diagnostik, Organspende, Impfplicht oder Triage auch in der öffentliche Wahrnehmung als zu solchen Themen entscheidende ethische Instanz etabliert hat, tut sich keinen Gefallen, wenn simplifizierende Polarisierer wie Wolfram Henn immer wieder in seinem Namen auftreten.

[dieser Text wurde am 19.06. als Leserbrief bei der WELT eingereicht, CC an den Ethikrat]

Ärztliches Fachgespräch zu COVID-19-Impfstoff - 19.06.2020

Am 12.06.2020 führten im Rahmen einer ärztlichen Fortbildungsveranstaltung der Münchner Kinderarzt Georg Soldner und ich selber ein kurzes Fachgespräch zu COVID-19-Impfstoffen.

Corona-App verpflichtend? Expertise eines Datenschutzexperten - 17.06.2020

Die Möglichkeit, die Nutzung der Corona-App verpflichtend vorzuschreiben (z.B. seitens des Arbeitgebers), untersucht differenziert der Jurist und Datenschutzexperte Dr. Thomas Schwenke in seinem aktuellen Blog (datenschutz-generator.de 17.06.2020).

Kinder sind nicht gefährlich - geringes Übertragungsrisiko und Ansteckungsrisiko erneut bestätigt - update 16.06.2020

Update 16.06.2020: Weitere Zwischenergebnisse der baden-württembergischen Multicenter-Studie bestätigen lt. SWR das bisher schon Veröffentlichte: das Risiko, dass Kinder sich in Familien mit nachgewiesenen COVID-19-Patienten selber anstecken, ist viel geringer, als das anderer Erwachsener (SWR 16.06.2020)


Update 28.05.2020: Baden-Württemberg zieht als naheliegende Konsequenz aus dieser erdrückenden Datenlage: zeitnah Regelbetrieb an Grundschulen, im Wesentlichen ohne Abstandsregeln (tagesschau.de 28.05.2020).

Unterstützt wird dieser Entschluss auch heute durch aktuell veröffentlichte Studien: das Dänische Serum Staten Institut meldet, dass in Dänemark nach Wiederöffnung der Schulen Mitte April kein Anstieg von Infektionszahlen zu verzeichnen gewesen sei - gleiches meldet das finnische Institut für Gesundheit für Finnland (tagesschau.de 28.05.2020). In Irland fanden sich bei einer entsprechenden Studie unter Schulkindern "no cases of onward transmission to other children or adults within the school […] These included music lessons (woodwind instruments) and choir practice, both of which are high-risk activities for transmission." (Heavey 2020).

Die von eigentlich namhaften Virologen mantraartig wiederholte Behauptung, man habe immer noch keine sicheren Daten zur Übertragung durch Kinder, entpuppt sich angesichts der täglich veröffentlichten, in der Aussage gleichsinnigen Studien zunehmend als running-gag einer geschmacklosen virologischen comedy-show.


Was buchstäblich alle Welt außerhalb der Charité schon lange weiß, hat sich mit den jetzt veröffentlichten Zwischenergebnissen einer deutschen Multicenter-Studie an 2500 Kindern erneut bestätigt:

  • Kinder haben ein sehr viel geringeres Risiko, sich selber mit COVID-19 anzustecken

  • Kinder stellen ein sehr viel geringeres Risiko dar, andere anzustecken als bei anderen vergleichbaren Erkrankungen, wie z.B. der Influenza.

  • Kinder in einer "Notbetreuung" (also im KiTa-Betrieb) haben kein höheres Risiko, sich anzustecken, als zu Hause.

(SWR 26.05.2020)

Positive PCR heißt nicht in jedem Fall ansteckend - 16.06.2020

Ein gemeinsames Papier der singapurischen Gesundheitsbehörden und medizinischen Fakultäten weist eindringlich darauf hin, dass die Tatsache einer positiven PCR bzw. einer hohen "viral load" bei Patienten nicht automatisch eine Infektiosität bedeutet: so sei es ab dem 11. Tag einer COVID-19-Erkrankung auch bei positiver PCR nicht gelungen, ansteckende Viren zu isolieren oder anzuzüchten (Academy of Medicine Singapore 23.05.2020). Dies relativiert unter anderem ein weiteres Mal die abenteuerliche Charité-Arbeit des Teams um Chef-Coronoiker Drosten, der aus (auch noch statistisch mehr als fragwürdig berechneten) Daten zu Virusmenge im Rachen von Kindern unmittelbar deren hohe Gefährlichkeit für die Ansteckung anderer abgeleitet hat...

Schweizer Immunologe: "Warum alle falsch lagen..." - 16.06.2020

Der Schweizer Immunologe Beda Stadler ermöglicht in diesem Gastbeitrag einen sehr umfassenden, kompetenten und sehr lesenswerten Blick auf die Coronoia (Achgut.de 12.06.2020).

TÜV kritisiert Corona-App: "Nachholbedarf" - update 15.06.2020

Update 15.06.2020: Mittlerweile stellt der TÜV die Ergebnisse seiner Untersuchungen anders dar "stabil und sicher laufen, ohne die Anwender auszuspionieren." Die vorher als kritisch erwähnten Punkte werden in dem neuen Interview schlicht nicht mehr erwähnt - unverändert weist der IT-Fachverlag heise darauf hin, dass wesentliche Punkte der App und ihrer Infrastruktur bis jetzt gar nicht überprüft worden seien (heise.de 14.06.2020)


Der TÜV, der auf eigenes Drängen hin Teile der Corona-App der Bundesregierung auf Sicherheitsprobleme hin überprüft, bemängelt schon in diesem Teil der Software ernsthafte Probleme und empfiehlt ein Verschieben der Veröffentlichung; dabei seien wesentliche Teile der Gesamtstruktur noch ungeprüft... (heise.de 13.06.2020).

Über die Über-Sterblichkeit... - update 12.06.2020

Update 12.06.2020: Mit den jetzt bis zum 17.05. vorliegenden Sterbezahlen für Deutschland ist angesichts der jetzt längst sinkenden Fall- und Todeszahlen definitiv klar: 2020 liegen diese Zahlen trotz COVID-19 unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre für den Zeitraum 01.01. - 17.05..

Destatis Todesfaelle D


Update 30.05.2020: Auch weiterhin gilt: die Medien rücken panikwirksam die in Deutschland (etwas, 8%) erhöhten Sterbefälle im April in den Vordergrund (tagesschau.de 29.05.2020) und ignorieren geflissentlich den sehr viel beruhigenderen Gesamtzusammenhang:

Betrachtet man die Sterbefälle in Deutschland vom jeweils ersten Januar eines jeden Jahres bis zum 03.05. (soweit reichen die Zahlen von Destatis derzeit für 2020), zeigt sich, dass 2020 immer noch (knapp) unter dem Durchschnitt liegt:

Destatis Todesfaelle D

 

Betrachtet man den Zeitraum ab Oktober des Vorjahres (also den Zeitraum, den das RKI typischerweise für die Influenza-Berechnungen heranzieht) bis Ende April des Folgejahres zeigt sich zwar, dass die Influenza/COVID-19-Saison 2020 knapp über dem Durchschnitt der Influenza-Saisons Vorjahre liegt, dass es vor wenigen Jahren jedoch "Übersterblichkeiten" während der Influenzasaison in Deutschland gab, die wesentlich höher lagen (und die damals keineswegs zu einem hysterischen lockdown führten):

Destatis Todesfaelle Influenza COVID


Update 23.05.2020: Die Diskussion um die Übersterblichkeit in Deutschland zeigt wieder einmal, dass Zahlen meist ein Ziel haben: in diesem Fall das der Dramatisierung von COVID-19 in Deutschland. Destatis pickt sich mittlerweile bei der Betrachtung der Todeszahlen diejenigen Kalenderwochen heraus, in denen die Werte für 2020 überdurchschnittlich sind - die zur gleichen Saison gehörigen Werte der Vorwochen werden geflissentlich ignoriert (Destatis 22.05.2020).

Diese willkürliche Grenzziehung widerspricht der wissenschaftlichen Aufarbeitung der COVID-19-Pandemie - gehen doch z.B. sogar die italienischen Gesundheitsbehörden davon aus, dass ein Teil COVID-19-bedingten Übersterblichkeit der ungewöhnlich mild verlaufenen Influenzasaison zuzuschreiben ist, die der COVID-19-Pandemie unmittelbar vorausging. Mit anderen Worten und stark vereinfachend formuliert: hätte die Influenzasaison 2019/20 einen "typischen" Verlauf genommen, wären viele der jetzt als COVID-19-Tote Gezählten schon im Dezember oder Januar gestorben und wären damit eben Influenza-Tote (Salzano 2020).

Für Deutschland gilt unverändert, dass es vom 01.01. bis zum 26.04. im Jahr 2020 weniger Todesfälle gab als in einigen der Vorjahre und dass ihre Zahl vor allem deutlich unter dem Durchschnitt der letzten 5 Jahre für diesen Zeitraum liegen (s.u.).

Auch die Statistiker des ifo-Instituts sehen die von Destatis behaupteten erhöhten Werte mit Skepsis: „Selbst die im April zu beobachtenden leichten Abweichungen der Sterbefallzahlen nach oben liegen innerhalb der Bandbreite, die sich durch Zufallseinflüsse erklären lässt“, sagt Anna Kremer von der Niederlassung Dresden des ifo Instituts. „Auch in den besonders gefährdeten höheren Altersgruppen ist bislang keine höhere Sterblichkeit festzustellen; die Zahlen bewegen sich im Bereich statistischer Unschärfe“ (ifo 21.05.2020).


Update 15.05.2020: Auch wenn die Tagesschau von "deutlich höheren" Sterbefallzahlen in Deutschland bis Mitte April fabuliert (tagesschau.de 15.05.2020): es stellt sich etwas die Frage nach dem verwendeten Bezugsrahmen (und vor allem nach der Intention dieser Behauptung...), denn wie die offiziellen Zahlen von DeStatis eindeutig zeigen, liegen die Sterbefallzahlen in Deutschland 2020 deutlich unter den Werten von z.B. 2017 oder 2018 und immer noch unter dem Mittelwert der letzten 5 Jahre... (Graphik und Quellennachweis s.u.)


Ein im Zusammenhang mit COVID-19 immer wieder verwendeter Begriff ist der der Übersterblichkeit, englisch: excess mortality - was steckt dahinter?

In jedem Land sterben an jedem Tag Menschen - aus statistischer Sicht ist diese wissenschaftlich (! nicht menschlich!) triviale Feststellung hochkomplex denn es sterben Menschen verschiedenen Alters aus den verschiedensten Ursachen und - über das Jahr betrachtet - in überhaupt nicht gleichmäßiger Häufigkeit. So gibt es eine regelmäßige Häufung von Todesfällen in den Wintermonaten, die den verschiedensten Ursachen zugeschrieben werden: mehr Erkrankungen, weniger Bewegung an frischer Luft, Häufung von Infekten, vermehrte Depressionen und natürlich auch die Influenza und grippale Infekte. Die dadurch entstehende Übersterblichkeit ist nicht in jedem Jahr gleich ausgeprägt, es gibt Jahre mit ausgeprägterer excess mortality und solche mit geringerer.

 

 

Destatis Todesfaelle D

 

In Europa bemüht sich ein Projekt der EU EuroMoMo für European Mortality Monitoring Project um eine wissenschaftliche Dokumentation dieser Phänomene auf europäischer Ebene - mit zahlreichen Einschränkungen und Problemen, aber dennoch mit einer gewissen Aussagekraft (so melden aus Deutschland z.B. nur Berlin und Hessen Daten an EuroMoMo...).

Bis Mitte April diesen Jahres nun lagen die europäischen Werte für die Übersterblichkeit durchweg im Bereich der alljährlich zu erwartenden Werte für diese Jahreszeit, dies hat sich etwa seit der 15. Kalenderwoche geändert: jetzt übersteigen die Todesfälle die Werte der Vorjahre, natürlich - das schreiben auch die Autoren von EuroMoMo - durch COVID-19 bedingt.

 

EuroMoMo EMR

(Quelle: EuroMoMo.eu - Abruf 09.05.2020)

Diese summatorische Übersterblichkeit für Europa beruht allerdings nicht auf einem flächendeckenden Phänomen, sondern auf besonders hohen Sterblichkeitsraten in einigen Ländern (Italien, Spanien, England - s. hier).

Maskierter Schwachsinn in Jena... - 11.06.2020

Die ohnehin skurile Diskussion über Mund-Nasen-Bedeckungen in Deutschland ist um einen wissenschaftlichen Schildbürgerstreich reicher: unter Mitwirkung der Universität Mainz erschien eine natürlich in allen mainstream-Medien ausgiebig gewürdigte Studie (Mitze 2020) zur thüringischen Stadt Jena, die in weiser Voraussicht als erste deutsche Stadt eine Maskenpflicht in der Öffentlichkeit zum 6. April dekretiert hatte.

Jena Masken

(Quelle Mitze 2020)

Und - siehe: ein Wunder - schon 3 - 4 Tage nach Inkrafttreten der Verordnung sistierte jedweder garstige Anstieg der Fallzahlen in Jena und, so möchte man fortsetzen, alle lebten glücklich bis ... irgendjemand bemerkt, dass diese hochkomplexe mathematische Modellierung wohl ein statistischer salto mortale sein muss:

Das hochehrwürdige RKI selbst geht davon aus, "Ein Effekt der jeweiligen Maßnahmen kann jedoch erst mit einem Zeitverzug von 2 – 3 Wochen erkennbar sein, u. a. wegen der bis zu 14-tägigen Inkubationszeit von SARS-CoV-21 und zusätzlich, weil es zwischen Erkrankung und Erhalt der Meldungen am Robert Koch-Institut (RKI) einen Zeitverzug gibt." (RKI 2020).

Was auch immer also die Ursache des auffallenden Kurvenverlaufs in Jena sein mag (veränderte Testzahlen? veränderte Teststrategie? verändertes Meldeverhalten? ...) - eines ist sicher: das Maskentragen ab dem 06.04. kann es definitiv nicht sein.

"Hoffnung auf den 'Super-Impfstoff' völlig überzogen" - 11.06.2020

Im Interview mit tagesschau.de relativiert der Münchner Virologe Oliver Keppler die aus seiner Sicht völlig überzogenen Erwartungen an und Hoffnungen auf die Entwicklung eines Impfstoffs gegen COVID-19 deutlich (tagesschau.de 11.06.2020).

Das Imperium quatscht zurück... - update 11.06.2020

Update 11.06.2020: Es ist sicher mehr der Analyse von Kuhbandner, Walach et al (s.u.) als den zahllosen, lesenswerten, fachkundigen und vernichtenden Kommentaren auf der preprint-Seite von Nature selber zu verdanken, dass die Autoren der Studie in einer neuen technical note ihre bisherigen Behauptungen de facto wiederrufen: Unter Berücksichtigung des Erkrankungsdatums (wie von Kuhbandner angeregt) kommen sie zu den gleichen Ergebnissen wie die deutschen Kritiker: ein Absinken der Wachstumsrate schon ab dem 05. März, die zum Zeitpunkt der Schulschließung schon praktisch bei Null lag und zum Zeitpunkt des lockdowns schon negativ war (Graphik Kuhbandner - oberer Teil Flaxman Original, unterer Teil korrigierte Fassung):

Flaxman reloaded


Forscher des Imperial College London, die mit ihrer umstrittenen frühen Vorhersage von "500.000 toten Briten ohne lockdown" früh in der Pandemie Aufsehen erregten und den britischen Kurs in der COVID-19-Pandemie maßgeblich prägten (der unvoreingenommene Beobachter fühlt sich an bestimmte virologische Institute, die von der deutschen Hauptstadt aus Ähnliches mit der deutschen Strategie vermochten, erinnert...) klopfen sich und den Berliner Kollegen jetzt lautstark, selbstgefällig und (Achtung: spoiler!) dumm mit einer Veröffentlichung auf dem Preprintserver von Nature auf die Schulter (Flaxman 2020): der lockdown habe in den 11 von ihnen untersuchten europäischen Ländern (darunter Deutschland) insgesamt mehr als 3 Millionen Todesfälle verhindert und von allen ergriffenen Maßnahmen sei der lockdown die wirkungsvollste gewesen.

Die Analyse enthält aber - bezogen auf die Situation in Deutschland - eine ganze Reihe gravierender Fehler:

  1. Der Meldeverzug wird ignoriert: die Untersuchung verwendet die von den ECDC veröffentlichten Todesfälle mit deren Datum der Erfassung durch die jeweiligen Behörden - in Deutschland besteht hier aber ein deutlicher Meldeverzug von in etwa 8 Tagen (Kuhbandner 2020 - genauer ist dies nicht anzugeben, weil das RKI die Sterbedaten nicht veröffentlicht). Berücksichtigt man darüber hinaus, dass zwischen Infektion mit COVID-19 und dem eventuellen Versterben im Durchschnitt etwa 3 Wochen vergehen (allein zwischen dem Auftreten der ersten Symptome und dem Tod vergehen im Durchschnitt 18 Tage (Verity 2020)), bilden in Deutschland die Todeszahlen das Infektionsgeschehen mit einer Verzögerung von (mehr als) einem Monat ab - dies wird in der imperialen Studie nicht adäquat berücksichtigt.

  2. Die Annahme, die Reproduktionszahl R bliebe im Verlauf der Pandemie ohne staatlichen Eingriff konstant, ist Unsinn - das geben die Autoren im Text auch freimütig zu: "in reality even in the absence of government interventions we would expect Rt to decrease and therefore would overestimate deaths in the no-intervention model", ebenso, dass diese falsche Annahme zu einem Überschätzen des Effektes dieser Eingriffe führt. Dies hindert die Autoren jedoch nicht daran, diese wissenschaftlich aberwitzige Prämisse dennoch zur Grundlage ihrer Zahlenjonglage zum machen. Die beteiligten Wissenschaftler müssen sich - bei einem auch und gerade politisch so brisanten Thema wie den Effekten umstrittener staatlicher Maßnahmen - schon nach ihrem Ethos fragen lassen, wenn sie die entscheidende Relativierung der eigenen Modellierungen in einem Halbsatz  verstecken und in den Pressemitteilungen öffentlichwirksam dramatische Zahlen präsentieren, denen schlicht jede wissenschaftliche Grundlage fehlt (und auch dabei fühlt sich der unvoreingenommene Leser an entsprechende Veröffentlichungen aus Berlin....).

  3. Die im mathematischen Modell verwendeten Rahmendaten widersprechen empirischen Studien - so wird für Deutschland eine Infection Fatality Rate von 1,23% postuliert, obwohl die einzige hier tatsächlich belastbare Studie (Streeck 2020) einen Wert von nur 0,36% ermittelte.

  4. Tote mit positivem SARS-CoV-2-Abstrich sind nicht gleichbedeutend mit Toten durch eine COVID-19-Infektion - diese mittlerweile allgemein akzeptierte Unschärfe in der Erfassung gemeldeter Todesfälle im Zusammenhang mit einem positiven SARS-CoV-2-Test (s. RKI FAQs zu COVID-19) verbietet streng genommen eine mathematische Hochrechnung, da die Anzahl der ursächlich an COVID-19 Verstorbenen nicht bekannt, definitiv aber kleiner ist als die Zahl der gemeldeten "Todesfälle mit positiver PCR".

  5. Die unterschiedlichen Erfassungs- und Meldesysteme der Länder werden ignoriert - die Autoren fassen Todeszahlen von Ländern zusammen, die völlig unvergleichbare Systeme der Erfassung und Meldung von Todesfällen im Zusammenhang mit COVID-19 praktizieren. So wurden im Studienzeitraum z.B. in Belgien alle Todesfall in einem Seniorenheim mit einem COVID-19-Fall als COVID-19-Todesfälle registriert - auch ohne SARS-CoV-2-Test bei den einzelnen Verstorbenen (tagesschau.de vom 16.04.2020).

Auch bei dieser Studie entsteht - wie nicht selten im Moment - der Eindruck, hier würden Zahlen unter maximaler Verbiegung, ja Missachtung wissenschaftlicher Standards missbraucht, um die gewünschte politische Aussage zu erreichen.

Die Krux mit dem Impfstoff - 09.06.2020

Auf Spektrum.de erschien am 08.06. ein hervorragender und differenzierter Artikel über den Stand und die Schwierigkeiten der Impfstoffentwicklung gegen COVID-19 (Röcker 2020). Der einzige Stolperstein für die Impfstoffentwicklung, der unerwähnt bleibt und der die zu Recht als zentral und unerlässlich beschriebenen Phase III-Studien ausbremsen könnte, ist die Knappheit an Patienten... die sinkenden Neuererkrankungszahlen in den westlichen Ländern stellen - wie beschrieben - eine u.U. entscheidende Hürde der Impfstoffentwicklung dar.

Jan Fleischhauer über die Diva von der Charité - 08.06.2020

Der renommierte Journalist und Kolumnist Jan Fleischhauer widmet seine jüngste Kolumne im Focus Chefcoronoiker Christian Drosten (Focus 07.06.2020).

Die schwarze Materie der Epidemiologie - 08.06.2020

Ungeachtet aller selbstgefälligen "Haben-wir-doch-gut-gemacht"-Rhetorik, die in politischen Kreisen der westlichen Welt angesichts des aktuellen Rückgangs des COVID-19-Infektionsgeschehens dort geradezu epidemisch grassiert werden, Fachleute nicht müde darauf hinzuweisen, wie wenig von der COVID-19-Pandemie wirklich verstanden wurde und wie viele vermeintliche Widersprüche wir bis heute nicht erklären können.

Weder das Ausmaß der in den einzelnen Staaten ergriffenen drakonischen lockdown-Maßnahmen, noch die Bevölkerungsstruktur, noch das Ausmaß der Luftverschmutzung, noch die Bevölkerungsdichte können bis heute widerspruchsfrei die Epidemiologie von COVID-19 erklären.

Es muss - so unterstellen Experten wie der Neurowissenschaftler und Epidemiologe Karl Friston vom University College in London - "da draussen" noch etwas geben, das Einfluss nimmt und das wir noch nicht (ausreichend) kennen: “This is like dark matter in the universe: we can’t see it, but we know it must be there to account for what we can see” (The Guardian 07.06.2020).

Die wahrscheinlichste Erklärung ist für viele Fachleute eine Kreuzimmunität gegen COVID-19, ausgelöst durch den (regional offenbar sehr unterschiedlich verteilten) Kontakt zu den wohlbekannten "normalen" Coronaviren, die - darauf hatte z.B. Wolfgang Wodarg schon früh zu Beginn der Pandemie hingewiesen - Teil des saisonalen Infektgeschehen eines jeden Jahres sind: “The most reasonable hypothesis is that this reactivity is really cross-reactivity with the cousins of Sars-CoV-2 – the common cold coronaviruses which circulate very broadly and generally give rather mild disease.” so Alessandro Jette, Autor einer kalifornischen Studie, die SARS-CoV2-wirksame Immunphänomene in Blutproben von vor 2018 nachweisen konnte (Sette 2020). Interessanterweise deckt sich dieser Befund mit einer Studie der Charité aus dem April 2020 (Braun 2020), obwohl Chefcoronoiker Drosten genau diese "Hintergrundimmunität" lange abgestritten hatte (Drosten 27.02.2020)...

 

Mal wieder "Neuland" für die CDU/CSU - 05.06.2020

Noch gibt es die Corona-App gar nicht, da beweist ausgerechnet der digitalpolitische Sprecher der CDU/CSU Bundestagsfraktion, Tankred Schipanski, dass das Thema Datenschutz bei seiner Partei doch noch nicht angekommen ist - natürlich gäbe es keinen Zwang die App zu nutzen, aber wenn z.B. ein Arbeitgeber oder ein Reiseveranstalter auf ihrer Nutzung bestünden, wäre das ihr gutes Recht. "Ist ja logisch, dass die sich absichern wollen", so Schipanski gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND 05.06.2020).

Allen gegenteiligen Beteuerungen von Bundesermächtigungsminister Spahn zum Trotz scheinen Träume von chinesischen Verhältnissen in den Köpfen zumindest einer der Regierungsparteien immer noch Hochkonjunktur zu haben.

GroKo als Hobby-Epidemiologen - gefährlich lächerlich... - 05.06.2020

In den Kommentaren zum "Wumms" des Konjunkturpaketes, das die Bundesregierung zur Beseitigung der selbstgeschaffenen Probleme verabschiedet hat, droht ein kleiner, aber entscheidender Satz des verabschiedeten Papiers unterzugehen - auf Seite 14 unter Punkt 53 des Eckpunktepapiers heißt es: "Die Corona-Pandemie endet, wenn ein Impfstoff für die Bevölkerung zur Verfügung steht."

Man ist unsicher, ob die adäquate Reaktion auf eine solch einzigartige Neudefinition einer Pandemie eher ungläubiges Augenreiben, schallendes Gelächter, irres Kichern oder eine Panikattacke sei: hier wird das, was der WHO im Zusammenhang mit der so genannten Schweinegrippe-Pandemie 2009/2010 vorgeworfen wurde, nämlich sich beim Ausrufen des Pandemie-Falls an der Verfügbarkeit (und damit Vermarktbarkeit) eines Impfstoffs zu orientieren (Doshi 2011), plötzlich offizielle Regierungspolitik.

Die WHO definiert eine Pandemie als "'an epidemic occurring worldwide, or over a very wide area, crossing international boundaries and usually affecting a large number of people'. The classical definition includes nothing about population immunity, virology or disease severity." (Kelly 2011) und orientiert sich damit an einschlägigen epidemiologischen Standardwerken - natürlich ist in diesem Zusammenhang von einem Impfstoff überhaupt nicht die Rede... .

In einer Situation, in der sich der Verlauf der COVID-19-Pandemie in allen bisher betroffenen westlichen Ländern zunehmend als gleichartig und unabhängig von eventuell ergriffenen lockdown-Maßnahmen entpuppt und in denen der Rückgang der Patientenzahlen die Entwicklung eines Impfstoffs in Frage stellt (s. hier) stellt sich angesichts dieser abenteuerlichen Neudefinition einer Pandemie vor allem die Frage: qui bono?

Noch ist die COVID-19-Pandemie ökonomisch nicht nutzbar gewesen - anders als bei der Schweinegrippe steht immer noch kein Impfstoff zur Verfügung und die beispiellosen Summen, die die EU und andere stakeholder für die Impfstoffentwicklung gegen COVID-19 eingeworben haben, könnten sich als völlig unnötig erweisen.

Wer also immer als Einflüsterer den am 03.06. tagenden Politikern diese epidemiologisch beispiellos lächerliche Formulierung in die Feder diktiert hat, hat (hoffentlich) ungewollt vor allem eines geliefert: Kraftfutter für Verschwörungstheoretiker... .

'Alle Modelle sind ihrem Wesen nach falsch, aber einige sind nützlich' - und einige gefährlich... - update 04.06.2020

Update 04.06.2020: Eine Gruppe deutscher Wissenschaftler (Kuhbandner 2020  - noch preprint, also nicht abschließend wissenschaftlich bewertet) hat sich noch einmal eingehend mit den Behauptungen der Göttinger Studie (Dehning 2020) befasst und kommt zu dem wenig zweideutigen Schluss:

"Neither of the governmental interventions could have had any effect on the virus spread because the number of new infections declined much earlier than estimated in their study. Furthermore, they ignore direct empirical evidence showing that the adopted countermeasures did have very low or even no effects. Taken together, we consider the study of Dehning et al. […] as seriously flawed."

Die Autoren der Göttinger Studie gingen von den Zahlen der Johns Hopkins Universität und eigenen Spekulationen über z.B. Meldeverzögerungen in Deutschland aus, wogegen Kuhbandner et al. hier die veröffentlichten Zahlen und Annahmen des RKI verwendet, wie auch z.B. die Verlaufskurve der ominösen RKI-Reproduktionszahlschätzung. Bringt man beides zusammen, entsteht die hier unter B aufgeführte Graphik (A zeigt die Konstruktion von Dehning):

Kuhbandner Science

(Quelle Kuhbandner 2020)

Diese Analyse der RKI-eigenen Zahlen unter konsequenter Berücksichtigung der RKI-eigenen Annahmen und Behauptungen beweist einmal mehr die vollständige Wirkungslosigkeit der in Deutschland ergriffenen lockdown-Maßnahmen auf das Infektionsgeschehen von COVID-19.


Mit dem oben aufgeführten Zitat beschrieb der britische Statistiker George Box das Wesen mathematischer Modellierungen - der im Titel zu findenden Zusatz drängt sich auf, betrachtet man die aktuelle Modellierung des Max Planck-Instituts an der Uni Göttingen (Dehning 2020), die hier im Spiegel praphrasiert wird (Spiegel 16.05.2020).

Die Autoren behaupten, mittels komplexer mathematischer Modellierungen nachweisen zu können, dass alle drei in Deutschland vorgenommenem Einschnitte in wesentliche Grundrechte der Bevölkerung

  • 09.03. - Verbot von Großveranstaltungen

  • 16.03. - Schulschließungen

  • 26.03. - Kontaktsperre

eindeutige Auswirkungen auf die Ausbreitungszahlen von COVID-19 in Deutschland gehabt hätten. Leider ignorieren die Wissenschaftler dabei grundlegende Fakten zur Pandemie, so dass die falschen Grundannahmen in ihrem Modell zwangsläufig zu einem falschen Ergebnis führen müssen.

Hauptprobleme der vom RKI gemeldeten Fallzahlen

  1. Grundsätzlich bleibt das Hauptproblem, dass die in Deutschland erhobenen Fallzahlen unverändert nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung sind (s. hier). Dennoch sind sie die einzige vom RKI zur Verfügung gestellte Datengrundlage und wir  lassen im Folgenden diesen existentiellen Schwachpunkt der Epidemiologie in Deutschland (gemeint sind hier der entstehende bias der Daten und das RKI) unberücksichtigt.

  2. Ein weiterer bias entsteht, weil weder das RKI, noch die oben genannte Studie die im März kontinuierlich steigende Zahl der durchgeführten Tests pro Woche berücksichtigt - allein dadurch ist schon ein relevanter Anteil der vermeintlichen Zunahme von Fällen erklärbar, was das RKI weiß (und öffentlich auf der Pressekonferenz einräumt), aber geflissentlich ignoriert. Die Erhöhung der Testzahlen führt unberücksichtigt zu einer Verzerrung (bias) von R hin zu fälschlich hohen Werten (gut erklärt auf Quarks.de vom 05.05. unter "Häufige Fehler")

Das Problem des Ansteckungszeitpunktes

Das RKI versucht mittels seines "nowcasting" (s. hier), aus den Fallzahlen des jeweiligen Tages auf den Ansteckungszeitpunkt zurückzuschließen und erstellt daraus die entsprechenden Kurven für den Infektionsverlauf:

RKI nowcasting 200516

Aus dieser mathematischen Modellierung schätzt (!) das RKI dann die so genannte Reproduktionszahl, die seit dem 14.05. um eine "geglättete" Variante (in der Graphik in Orange) ergänzt wird:

RKI R stabil 200516

(Quelle RKI 15.05.2020)

Das RKI wies auf seiner Sonder-Pressekonferenz zur neue "R_7Tage" noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass diese (wie auch die alte Reproduktionszahl) die Ansteckungsdynamik beschreibt, die etwa "1,5 Wochen", also vereinfachend 10 Tage zuvor gegolten hätte.

Überträgt man diese Annahme des RKI auf den Verlauf von R, zeigt sich:

  • der Umkehrpunkt von R lag etwa zwischen dem 09.03. und 11.03.

  • die Ansteckungsrate von COVID-19 in Deutschland ist demnach ab etwa dem 01.03. rückläufig - 10 Tage vor den ersten ergriffenen Maßnahmen

  • alle Maßnahmen des lockdown fielen bereits in die Zeit rückläufiger R-Werte und haben diesen Rückgang nicht mehr nennenswert beeinflusst.

Das Ignorieren dieser beiden zentralen Punkte der Pandemie-Erfassung:

  • die kontinuierliche Erhöhung der Testzahlen gerade in der Zeit, in der die Maßnahmen des lockdowns dekretiert wurden

  • die zeitliche Verschiebung zwischen Infektionsdynamik und deren Abbildung in der Reproduktionszahl

entwertet jede noch so aufwändige mathematische Modellierung des Max Planck-Instituts und lässt diese in die große Schublade "Zahlenschrott" (Frankfurter Rundschau 16.05.2020) wandern.

Warum gerade Italien? update 30.05.2020

Update 30.05.2020: Ein Übersichtsartikel des britischen Guardian (The Guardian 29.05.2020) fokussiert auf im Wesentlichen drei Faktoren, die die auch innerhalb Norditaliens bestehenden Unterschiede zwischen z.B. der schwer betroffenen Lombardei und dem wesentlich weniger betroffenen Veneto erklären könnten:

  1. politische Entscheidungen - in der Lombardei hätten seit vielen Jahren Regionalregierungen der Forza Italia (Berlusconi) und der Lega (Salvini) den Gesundheitssektor privatisiert und auf Gewinnmaximierung hin optimiert - gerade im Infektiologischen Bereich seien Kapazitäten massiv reduziert worden

  2. strategische Entscheidungen während der Pandemie - gerade in der Frühphase der Pandemie habe Veneto klüger (mehr Testungen) und konsequenter (früherer lockdown) reagiert als die Lombardei, wo, dem Guardian-Artikel zu Folge, auf Druck der dortigen Unternehmen die Industrieproduktion nie ganz heruntergefahren worden

  3. die hohe Bevölkerungsdichte - eher als die häufig angeführte Luftverschmutzung, denn letztere unterscheide sich nicht stark zwischen den beiden verglichenen Regionen. Die Bevölkerungsdichte betrage in Veneto jedoch nur etwa ein Drittel derer in der Lombardei.


08.04.2020: Eine Zusammenfassung der besonderen Situation in Italien erschien unter dem Titel "What other countries can learn from Italy during the COVID-19 Pandemic" im JAMA, einem der renommiertesten internationalen Medizinjournale und wurde von einem einem Team aus italienischen und amerikanischen Wissenschaftlichern (darunter John Ioannidis) verfasst.

Hervorgehoben wird das hohe Durchschnittsalter der italienischen Bevölkerung ("Italy has the most elderly population in Europe and the second most elderly population in the world after Japan.") sowie die hohe Rate an Rauchern und Patienten mit pulmonalen und cardialen Vorerkrankungen ("Italy has a high proportion of patients with history of smoking and high rates of chronic obstructive pulmonary disease and ischemic heart disease."). Die von den Autoren betonte regionale (nicht nationale) Ausbreitung führen Sie auch wesentlich auf das Champions League-Turnier in Bergamo zurück, wo ein Drittel der Bevölkerung Bergamos Italien-typisch ausgiebig und kontaktreich gefeiert habe (" […] a third of the population of Bergamo attended and continued celebrations overnight. Italian life is famous for its socialization and frequent congregations and clustering").

Auch die internationalen Vergleich unterdurchschnittliche Verfügbarkeit von Intensivpflege- und Beatmungsplätzen spielt den Autoren zu Folge eine wesentliche Rolle. Hier kamen in der Frühphase des Ausbruchs wohl unvermeidbare Fehler ("unavoidable... mistakes") hinzu: die zu umfangreiche stationäre Aufnahme nicht schwerkranker Patienten, die dazu führte, dass Krankenhauskapazitäten unnötig blockiert und medizinisches Personal früh und vermeidbar infiziert wurde - der Arbeit zu Folge traten neun Prozent der erfassten SARS-CoV-2-Infektionen bei medizinischem Personal auf, was zusätzlich Ressourcen verminderte.

Die Autoren weisen darauf hin, dass in drei Monaten der klassischen Influenza-Saison, die dem COVID-Ausbruch unmittelbar vorausging, in Italien ungewöhnlich wenig Menschen starben, wodurch ein größerer Bevölkerungsanteil Älterer blieb, der empfänglich und gefährdet durch COVID-19 war ("In fact, in the 3 months prior to the outbreak, there were fewer deaths than is typical for the winter months in North Italian cities, thus leaving a larger pool of susceptible, elderly individuals.").

Abschließend weisen Ioannidis und seine Co-Autoren auf die entscheidende Differenzierung eines Sterbens an und mit SARS-CoV-2 hin - 98,8% der Verstorbenen hatte mindestens eine schwere Vorerkrankungen, fast die Hälfte (48,6%) hatte 3 oder mehr derartige Risikofaktoren. ("Finally, a major question that should be answered is the causal contribution of SARS-CoV-2 infection to related deaths. It is difficult to differentiate between deaths with SARS-CoV-2 infection and deaths caused by SARS-CoV-2 infection because the vast majority of patients who have died had 1 or more other major pathologies (98.8% with at least 1 comorbidity, and 48.6% having 3 or more diseases) that contributed to their death.")


Eine Studie, die ein Team aus dänischen und italienischen Wissenschaftlern veröffentlichte, hält die in den betroffenen italienischen Regionen auffallend hohe Luftverschmutzung für eine mögliche Erklärung für die dort mit 12% wesentlich höhere Sterblichkeit als sie in anderen italienischen Regionen (4,8%) zu beobachten ist (Conticini 2020).


Die Süddeutsche Zeitung hat hier einen sehr lesenswerten Artikel verfasst, der erste Antworten sucht.

Lächerlich: "Studie" mit 2 Teilnehmerinnen - Coronaviren in der Muttermilch? - 27.05.2020

Als gäbe es nicht schon genug unsinnige und schlecht gemachte so genannte wissenschaftliche Studien zu COVID-19 (s. u., Stichwort: Drosten-Studie): die Universität Ulm setzt noch eine(n) drauf - die Forscher untersuchten die Muttermilch von zwei (in Worten: zwei) stillenden Müttern, die selber mit COVID-19 infiziert waren und - und dies ist sicher das Hauptproblem: veröffentlichten diese Daten.

Denn: auch wenn in der Milch einer der beiden Frauen SARS-CoV-2 nachgewiesen werden konnte, verhält sich die wissenschaftliche Aussagekraft dieser Untersuchung umgekehrt proportional zu der Gefahr, haltlos massive Verunsicherung zu schüren.

International besteht wissenschaftlicher Konsens darüber, dass weder Schwangere, noch Neugeborene ein erhöhtes Risiko von oder bei COVID-19-Infektionen haben - das räumen auch die Ulmer Forscher ein.

Um nicht falsch verstanden zu werden: natürlich ist es sinnvoll, die letztendlich dennoch unzureichende Datenlage zu COVID-19-Infektionen bei Schwangeren, Stillenden und bei Neugeborenen wissenschaftlich fundiert durch Studien zu erweitern. Wenn das Ergebnis der Untersuchungen aber

  • auf zwei Teilnehmerinnen fußt

  • und ausdrücklich (das räumen die Ulmer Forscher ein) nicht einmal die Frage beantworten kann, ob das gefundene Virusmaterial potentiell infektiös, oder unter Umständen nur "Virusmüll" ist

muss ich mich als verantwortlicher Forscher der Frage stellen, ob ich die Abwägung zwischen verantwortungsvoller Kommunikation von nicht einmal Zwischenergebnissen einer Untersuchung mit mehr als fraglicher Relevanz und dem eigenen Profilierungsbedürfnis ausreichend sorgfältig vorgenommen habe (SWR 27.05.2020).

Cambridge-Statistiker: Drosten-Studie zurückziehen, Fehler eingestehen - 27.05.2020

In die Reihe namhafter Epidemiologen und Statistiker, die teilweise scharfe Kritik an der Studie von Chefcoronoiker Drosten zur behaupteten Infektiosität von Kindern üben, reiht sich jetzt der renommierte Statistiker und Risikoforscher David Spiegelhalter von der Universität Cambridge ein.

In einer detailierten Re-Analyse der vom Drosten-Team verwendeten Daten weist auch er der Charité gravierende statistische Fehler und Fehlschlüsse nach und kommt zu dem eindeutigen Resultat, die Studie sollte von der website entfernt und die fehlerhafte Analyse (von den Autoren) eingestanden werden

"We suggest the pre-print should be withdrawn from the website, and the inappropriate analysis acknowledged." (Spiegelhalter 25.05.2020 - in dieser Analyse finden sich auch links zu den anderen, teilweise vernichtenden Kritiken an dieser Studie).

US-amerikanische Ärzte: lockdown ein 'mass casualty incident' - 26.05.2020

Über 600 US-amerikanische Ärzte haben in einem offenen Brief an US-Präsident Trump den lockdown als einen "mass casualty incident" (dt. MANV - einen Massenanfall von Verletzten) beklagt, der “exponentially growing negative health consequences” für Millionen von nicht-COVID-Patienten hätte.

Diese Effekte würden um Größenordnungen unterschätzt und bisher weitestgehend ignoriert. Die Mediziner weisen auf Anstiege um 600% bei Selbstmord-Seelsorge-Telefonen  hin und fürchten, dass viele der 150.000 Neu-Diagnosen bösartiger Erkrankungen, die in den USA pro Monat durch screening-Untersuchungen gestellt würden jetzt durch den lockdown und die Angst, Ärzte und Krankenhäuser aufzusuchen, zu spät erfolgten. In einigen Krankenhäusern sank die Rate behandelter Herzinfarkte während des lockdowns um 40%.

“The millions of casualties of a continued shutdown will be hiding in plain sight, but they will be called alcoholism, homelessness, suicide, heart attack, stroke, or kidney failure. In youths it will be called financial instability, unemployment, despair, drug addiction, unplanned pregnancies, poverty, and abuse. It is impossible to overstate the short, medium, and long-term harm to people’s health with a continued shutdown. Losing a job is one of life’s most stressful events, and the effect on a person’s health is not lessened because it also has happened to 30 million  other people. Keeping schools and universities closed is incalculably detrimental for children, teenagers, and young adults for decades to come.”

Was wäre dem hinzuzufügen?

Es sei nicht verschwiegen, dass in den US-amerikanischen social media kritisiert wurde, dass sich die Forderung nach einer Lockerung des lockdown weitgehend mit Trumps eigenen (Wahlkampf-)Positionen deckt - die Hauptautorin des Briefs Simone Gold kommentiert die impliziten Vorwürfe: “This was 100% physician grassroots. There was 0% GOP.” (forbes.com 22.05.2020)


Vergleichbare Probleme sind auch in Deutschland bekannt: seit der Coronoia ist die Zahl der Facharztbesuche massiv zurückgegangen, Kardiologen und Onkologen (beides Fachgruppen mit (Hoch-)Risikopatienten) melden Terminrückgänge um bis zu 50% (tagesschau.de 26.05.2020).

Kinder sind hochgradig gefährdet - durch die Maßnahmen des lockdown - 26.05.2020

Die niederländische Kinderrechts-NGO KidsRights weist auf die katastrophalen Auswirkungen der ergriffenen Maßnahmen für Kinder hin. Anlass sind die aktuellen WHO-Warnungen vor Lockerungen der lockdown-Maßnahmen wegen der diffusen Gefahr einer vielbeschworenen "zweiten Welle" :

“This crisis turns back the clock on years of progress made on the wellbeing of children,” sagte der Vorsitzende Marc Dullaert von KidsRights bei der Vorstellung des Kinderrechte-Jahresberichts (The Guardian 26.05.2020)

"Not only the economic consequences, but also the measures taken by governments to curb the outbreak of COVID-19 have a disastrous impact on many children. School closures in 188 countries affect 1.5 billion children and youth, leaving boys and girls extra vulnerable to child labor, child marriage and teenage pregnancy. The rise in domestic violence during lockdown measures is especially devastating for girls." (Kidsrights 26.05.2020)

COVID-19-Patienten - verzweifelt gesucht... - 24.05.2020

Für einen solchen Treppenwitz der Medizingeschichte braucht es wohl eine Pandemie historischen Ausmaßes, zu der COVID-19 immer und immer wieder stilisiert wurde...:

Während auf der einen Seite Chefcoronoiker in Podcasts nicht müde werden, eine weitere soziale Deprivation von Kindergarten- und Schulkindern zur conditio sine qua non zu erklären und unablässlich vor einer ach so anderen und ach so schrecklichen zweiten Welle zu warnen, die wir nur mit einem unverantwortlich übereilt zugelassenen Impfstoff abwenden könnten -

klagen die, die diesen Impfstoff gerade entwickeln, darüber, dass die Pandemie jetzt viel zu schnell zu Ende ginge - die Infiziertenzahlen seien jetzt so rasch rückläufig, dass es für eine erfolgreiche Impfstoffentwicklung schlicht zu wenig Patienten geben werde. Die mit einer der größten und erfolgversprechendsten Impfstoffstudien befassten Wissenschaftler der Universität Oxford fürchten schon, auf die Jagd nach der Erkrankung gehen zu müssen, so schnell ziehe sie sich derzeit zurück. "So few people in the UK are being infected with the coronavirus that Oxford University researchers may have to 'chase' the disease around the country to test their vaccine." Speziell in London könne man schon derzeit definitiv keine Impfstoffstudie mehr starten... zu wenig Patienten... .(The Times 24.05.2020). “Levels of infection in the community are already low, and if this virus behaves like other respiratory diseases and coronaviruses, there may be even lower levels over the summer,” so Professor Lawrence Young von der Warwick University Medical School. “There will not be enough people secreting the virus to be in contact with volunteers in vaccine projects. It is just not going to work.” (The Guardian 24.05.2020)

Und um diesem Stück aus dem Tollhaus noch eine vorerst letzte Wendung zu gönnen: britische Wissenschaftler fordern jetzt für die Impfstoffentwicklung wegen der geringen Infektionszahlen Freiwillige gezielt infizieren zu dürfen... (The Guardian 24.05.2020). Nicht unwidersprochen, immerhin: “Challenge studies are done for many diseases but only when strict criteria are followed. Firstly, the virus should be really well studied and its clinical behaviour understood in detail. It should also be incapable of causing severe illness in healthy individuals, or there should be a highly effective drug to clear the infection. None of these criteria are met for Covid-19, and I would be very concerned to hear challenge studies were being planned.” so Eleanor Riley von der Universität Edinburgh.

Könnte man aus dem Verlauf der Pandemie und dem "Problem", das dieser für die Impfstoffentwicklung bedeutet vielleicht - eine gewagte Hypothese, zugegeben - schlicht auch schlussfolgern, dass wir diesen mit Milliarden von Euro und Dollars subventionierten Impfstoff unter Umständen doch nicht ganz sooo dringend brauchen, wie behauptet?

Das COVID-19-Dilemma - Wo ist die Evidenz? - 24.05.2020

Schon sehr, sehr früh hatten namhafte Epidemiologen wie John Ioannidis das Fehlen jeder Evidenz bei COVID-19 als das zentrale Problem (bzw. Versagen) der Gesundheitsbehörden und Politiker weltweit beklagt - daran hat sich bis jetzt, wo die Pandemie sich von alleine wieder verabschieden könnte, nichts geändert: das Missverhältnis zwischen den drakonischen politischen Maßnahmen und der lächerlichen Datengrundlage dafür ist grotesk.

Auf diesen Missstand weist aktuell noch einmal Gerd Antes in einem Interview mit der Badischen Zeitung hin (Badische Zeitung 23.05.2020). Antes, ehemaliger Chef von Cochrane Deutschland und langjähriger Vorstand des Netzwerks Evidenzbasierte Medizin, macht noch einmal deutlich, was dem RKI und den es paraphrasierenden Medien immer noch nicht klar ist: "... die Infiziertenzahl ist tatsächlich ja nur die Zahl der positiven Tests. Wir haben eine extreme Abhängigkeit davon, wie oft wir testen."

Und auf den vorsichtigen Einwand des Interviewers, das RKI versuche doch, "sich an den Ist-Zustand heranzutasten", bemerkt Antes trocken: "'Versucht' ist die richtige Formulierung dafür. Auf der Basis richtig schlechter Daten mit vielleicht systematischen Fehlern kann man allerdings keine gute Schätzung machen […] Die Durchführung und Selektion von Tests ist immer noch hanebüchen." [Hervorhebung von mir]

Antes widerspricht ausdrücklich und namentlich Chefcoronoiker Drosten: er fürchte keine zweite Welle - "Die Welle gehört zu den Bildern, die genutzt werden, um Angst zu schüren."

Er sieht ein umfassendes wissenschaftliches Versagen in Deutschland, wo zahllose Forschungseinrichtungen "mit den Hufen scharrten", das Bundesforschungsministerium in der Koordination dieser Resourcen jedoch komplett versage - "Wir sind methodisch nicht in der ersten Liga weltweit."

Herdenimmunität bei COVID-19 - Schwelle wohl wesentlich niedriger als behauptet - 24.05.2020

Zum Thema der Herdenimmunität bei COVID-19 geisterte schon früh eine magische Zahl durch Podcasts und andere Medien: 60 - 70% der Bevölkerung müssten demnach mit SARS-CoV-2 infiziert (gewesen) sein, bis die so genannte Herdenimmunitätsschwelle (herd immunity threshold HIT) erreicht und daher mit einem Rückgang der Pandemie zu rechnen sei (Drosten 02.03.2020). Auch die Studie des Imperial College aus London (Fergusson 2020), die zur Kursänderung der britischen Regierung führte, modellierte die HIT und errechnete daraus die bekannt dramatischen Szenarien. Nur: es kommen zunehmend Zweifel an dieser Zahl auf. Die Annahmen, die dieser Modellierung zu Grunde lagen und liegen seien wesentlich zu stark vereinfachend und berücksichtigten nicht ausreichend, dass sowohl das Risiko, infiziert zu werden, als auch das Risiko, andere zu infizieren, nicht gleichmäßig in der Bevölkerung verteilt seien - genau hiervon gehen die bisherigen Zahlen aber aus. Jenseits mathematischer Modellierungen, im wirklichen Leben, zeigen sich aber andere Verhältnisse: dort sind z.B. nur wenige der Erkrankten für einen großen Teil der Neuinfektionen verantwortlich (so genannte superspreader), während das gros der Infizierten nur wenige Andere ansteckt. Studien gehen davon aus, dass nur 9 - 10% der Erkrankten 80% der Neuinfektionen auslösen (Bi 2020, Endo 2020).

Berücksichtigt man diese deutliche Inhomogenität, kommt man zu völlig anderen, interessanterweise wesentlich beruhigenderen Zahlen. So errechnet ausgehend von diesen, realistischen Annahmen eine britische Studie eine notwendige HIT von unter 20%, andere Studien kommen zu Werten von sogar nur etwa 7%, wodurch letztendlich nur etwa 17% der Bevölkerung tatsächlich infiziert würden (Lewis 2020).

Zwei Aspekte scheinen hier bedeutsam:

  • zum einen decken sich diese modellierten Zahlen mit den wenigen bis jetzt existierenden Populationsdaten zu COVID-19, nämlich z.B. denen des Kreuzfahrtschiffs Diamond Princess, wo sich 17% der Passagiere und Besatzungsmitglieder infizierten (Mizumoto 2020) oder den Zahlen aus dem Großraum von Stockholm, wo ohne einschneidenden lockdown auch dort nach einer Infektion von etwa 17% der Bevölkerung die Infektionszahlen  zu sinken begannen (Lewis 2020).

  • zum zweiten konterkarieren diese Daten den aktuellen Narrativ, mit dem Chefcoronoiker und andere masters of disaster versuchen, die jetzt viel zu spät erhobenen Daten zur Präsenz von Antikörpern in der Bevölkerung zu dramatisieren - denn natürlich ist der Weg von z.B. 4% vorhandener "Durchseuchung" zu behauptet notwendigen 70% etwas weiter, als zu realistischen 7 (- max. 20)%... (Drosten 05.05.2020)

Oxford-Epidemiologin: COVID-19 ist schon dabei, sich zu verabschieden - 23.05.2020

Die renommierte Epidemiologin an der Oxford-Universität erläutert in einem Interview, warum sie davon ausgeht, dass COVID-19 seinen Zenit bereits überschritten habe und dabei wäre, sich zu verabschieden ("COVID-19 is on its way out"). Sie weist auf den quasi uhrwerkmäßigen Verlauf der Pandemie in den verschiedensten Ländern mit den verschiedensten Pandemie-Strategien hin: “In almost every context we’ve seen the epidemic grow, turn around and die away — almost like clockwork. Different countries have had different lockdown policies, and yet what we’ve observed is almost a uniform pattern of behaviour which is highly consistent with the SIR model. To me that suggests that much of the driving force here was due to the build-up of immunity. I think that’s a more parsimonious explanation than one which requires in every country for lockdown (or various degrees of lockdown, including no lockdown) to have had the same effect.”

Sie warnt davor, die existierenden Seroprävalenz-Studien überzubewerten, da die verfügbaren Antikörpertests immer noch sehr unzuverlässig seien und schätzt selber die Infection Fatality Rate im Bereich zwischen 0,1% und 0,01%.

Eine Zusammenfassung des Videos findet sich hier.

Why we might not get a coronavirus vaccine - 23.05.2020

Unter diesem Titel erschien im britischen Guardian am 22.05.2020 ein exzellenter und realisitischer Übersichtsartikel über den Stand der Impfstoffentwicklung gegen COVID-19.

Der Autor weist auf die immunologischen Besonderheiten bei Corona-Viren hin:

  • selbst bei Patienten, die schwer an COVID-19 erkrankten waren hohe Titer von so genannten Gedächtnis-Antikörpern (IgG) nur vorübergehend nachweisbar - schon nach einem Monat sanken diese wieder deutlich ab (Crook 2020) (zum Vergleich: nach einer Maserninfektion sind diese Antikörper lebenslang nachweisbar)

  • bei Patienten, die COVID-19 ohne Krankenhausbehandlung überstanden (also im Durchschnitt weniger schwer erkrankten, ließen sich überhaupt keine hohen Titer für die Immunität entscheidender so genannter neutralisierender Antikörper nachweisen (Robbiani 2020).

  • schon länger ist bekannt, das selbst das Vorhandensein entsprechender Antikörper nicht zuverlässig vor einer Reinfektion mit "normalen" Coronaviren schützt (Callow 1990)

Auch die unüberwundenen Sicherheitsprobleme bei bisherigen Corona-Impfstoffen werden aufgeführt:

  • bei der Impfstoffentwicklung gegen SARS (also: SARS-CoV-1) entwickelte ein Teil der Versuchstiere eine Leberentzündung (Weingartl 2004)

  • bei anderen Versuchstieren verlieft die (beabsichtigte) Infektion mit SARS-Viren nach der Impfung wesentlich schwerer als bei ungeimpften Tieren - ein so genannte antibody-dependend enhancement (Tseng 2012)

Diese und andere offene Fragen und grundsätzlichen Probleme machen es nach Ansicht des Autors - und zahlreicher im Artikel zitierter Fachleute sehr fraglich, ob es jemals einen langfristig und ausreichend schützenden COVID-19-Impfstoff mit einem akzeptablen Sicherheitsprofil geben wird.

Verbände der Kinderärzte fordern: KiTas und Grundschulen zeitnah öffnen - ohne Maskenpflicht - 19.05.2020

In einer gemeinsamen Stellungnahme fordern mehrere kinderärztliche Berufsverbände und die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene eine möglichst zeitnahe Öffnung von KiTas und Schulen - sie stellen sich damit ausdrücklich gegen die Forderungen der Arbeitsgruppe um Chefcoronoiker Christian Drosten, dessen jüngste Veröffentlichung sie scharf kritisieren (DGPI 18.05.2020).

In dem Papier heißt es:

"Kitas, Kindergärten und Grundschulen sollen möglichst zeitnah wieder eröffnet werden. Dies ist auf Seiten der Kinder ohne massive Einschränkungen (z. B. durch Kleinstgruppenbildung und Barriereschutzmaßnahmen wie Abstandswahrung und Maskentragen) möglich."

"Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder- und Jugendliche stellen im Gegensatz zu Seniorenheimen per se keine Hochrisikoumgebung dar"

"Aktuelle Daten deuten auf eine geringere Rate symptomatischer Infektionen bei Kindern und Jugendlichen als bei Erwachsenen hin. Kinder und Jugendliche mit SARS-CoV-2-Infektion zeigen mehrheitlich entweder keine oder nur milde Symptome […] Selten kommt es zu schweren Verläufen […]. Todesfälle bei Kindern und Jugendlichen sind extrem selten"

Die gelte ausdrücklich auch angesichts des Verdachts auf den Zusammenhang zum so genannten Multisystemischen Hyperinflammationssyndrom (aka "atypisches Kawasaki-Syndrom"): "Das Auftreten eines solchen multisystemischen Hyperinflammationssyndroms ist in Relation zur Gesamtzahl der mit SARS-CoV-2 infizierten Kinder so selten, dass es an den grundsätzlichen, in dieser Stellungnahme formulierten Schlussfolgerungen nichts ändert."

Für die Autoren ergibt die Analyse der internationalen Studien das "zunehmend schlüssige Bild, dass Kinder in der aktuellen CoVid-19-Pandemie im Gegensatz zur Rolle bei der Influenza-Übertragung keine herausragende Rolle in der Ausbreitungsdynamik spielen. Die Infektionsübertragung auf Kinder innerhalb von Familien erfolgt in der Regel durch infizierte Erwachsene (GHINAI et al., 2020), während Belege für eine Transmission auf mehrere Erwachsene durch ein infiziertes Kind bisher fehlen."

Die Studie von Drosten wird methodisch und in ihrer gewollt politischen Aussage scharf kritisiert:

"Dass auch wenig symptomatische Kinder das Virus in der gleichen Konzentration in nasopharyngealen Sekreten ausscheiden, wie symptomatische Erwachsene, ist für Kinder- und Jugendmediziner kein erstaunlicher Befund […]. Daraus ein höheres Übertragungsrisiko von Kindern auf andere Personen (v.a. auf Erwachsene) abzuleiten (JONES et al., 2020a [das ist die Charité-Studie]), widerspricht der Beobachtung, dass bei den meisten gesicherten SARS-CoV-2 Nachweisen bei Kindern eine erwachsene Kontaktperson (z.B. ein Elternteil) die Ansteckungsquelle war. Relevanter ist, dass Kinder im Vergleich zu Erwachsenen offensichtlich keine erhöhten Viruskonzentrationen in den oberen Atemwegen aufweisen. […] Unabhängig von der Selektion durch eine Untersuchung vorwiegend symptomatischer Kinder und der geringen Fallzahl kann die Zulässigkeit bezweifelt werden, dass aus dem quantitativen viral load in den oberen Atemwegen auf das tatsächliche Übertragungsrisiko geschlossen werden kann. Ungewöhnlich erscheint auch, dass trotz offenkundigem Diskusssionsbedarf in Anbetracht der kontroversen epidemiologischen Daten und der Vergleiche mit Analysen früherer Coronavirus- und Influenza-Pandemien, die Warnung vor einer „unlimited“ Wiedereröffnung von Kindergärten und Schulen bereits im einleitenden kurzen Abstract hervorgehoben wird (JONES et al., 2020a). Interessanterweise kommen L’Huillier et al. (Genf) in Hinblick auf den quantativen Virusnachweis bei insgesamt 23 symptomatischen Neugeborenen, Kindern und Jugendlichen zwar zu den gleichen Ergebnissen (L’HUILLIER et al., 2020), sie schließen daraus jedoch lediglich, dass eine Übertragung durch Kinder möglich sei."

Mit anderen Worten: die Drosten-Studie ist wissenschaftlich schlecht gemacht, die gezogenen Schlüsse nicht tragfähig und wirkliche Fachleute sind irritiert, dass diese (falschen) Schlüsse als politische (falsche) Forderung schon in der Zusammenfassung formuliert werden.

Die Gefahr des "rein virologischen Blicks" - Kindesmisshandlung nimmt dramatisch zu - 19.05.2020

Schon früh hatten Fachleute, auch die der WHO, davor gewarnt, dass der lockdown und die dadurch völlig veränderte Familiensituation zu einer deutlichen Zunahme häuslicher Gewalt führen würde. Diese Befürchtungen scheinen sich auch in Deutschland zu bestätigen, wie der Tagesspiegel berichtet (Tagesspiegel 15.05.2020). Zuständige Anlaufstellen berichten sowohl von einer Zunahme der Zahl, als auch der Schwere der beobachteten Verletzungen bei Kindern „Wir werden teilweise wegen Verletzungen kontaktiert, die sonst nur bei Zusammenstößen mit Autos auftreten. Da geht es um Knochenbrüche oder Schütteltraumata.“ so Oliver Berthold von der Kinderschutzhotline des Bundesfamilienministeriums. Betroffen seien besonders Kleinstkinder, die noch nicht selbst laufen können. „Da liegt der Verdacht nahe, dass den Kindern massive Gewalt zugefügt wurde.“

Mittlerweile wachen auch die kinderärztlichen Berufsverbände langsam auf - hatte der BVKJ anfangs noch über psychologische Entwicklungschancen für Kinder durch den lockdown gefaselt (BVKJ 16.04.2020), warnt jetzt sein Vorsitzender Thomas Fischbach: „Der rein virologische Blick auf die Lage ist nicht ausreichend.“ Gerade für Kinder sei der soziale Kontext von existenzieller Bedeutung. „Das dauerhafte Einsperren der Kinder führt zu innerfamiliären Konflikten“, so Fischbach.

And now for something completely different... das Wort zum Sonntag  - 17.05.2020

 

Heribert Prantl zu Demokratie und Demonstrationen - 17.05.2020

... in gewohnt kluger und sehr lesenswerter Manier: SZ 17.05.2020

Martin Hirtes Rede auf einer Grundrechts-Demonstration - 17.05.2020

Eine sehr bewegende Rede - von der ich jedes jota unterschreiben kann - hielt gestern auf einer Demonstration in München mein kinderärztlicher Kollege und Freund Dr. Martin Hirte (Hirte 17.05.2020)

Campact - Die freiwillige Gleichschaltung der Profi-Protestler - 16.05.2020

Ein zivilgesellschaftliches Novum: seit Wochen sind zentrale Grundrechte unserer Verfassung außer Kraft gesetzt, darunter das für demokratische Proteste allesentscheidende Recht auf Demonstrationen - und kaum weisen endlich Gerichte selbstherrliche Politiker in die Schranken und erlauben wieder, wenn auch unter Auflagen, zivilgesellschaftlichen Protest: da warnt ausgerechnet der Vorstand von  Campact, als einer der zentralen Plattformen dieser Art politischer Kultur davor, an den jetzt wieder erlaubten Demonstrationen teilzunehmen (Campact 15.05.2020).

In atemberaubender freiwilliger Gleichschaltung erzählt Campact den Narrativ von Chefcoronoikern, RKI und Bundesermächtigungsminister Spahn nach und entblödet sich nicht, hier nachweislich fake-news wiederzukäuen: es ist mehr als fraglich, ob (wie fettgedruckt im blog suggeriert) die Maßnahmen des lockdown einen Zusammenhang zum Verlauf der Pandemie in Deutschland haben (Rubikon 15.05.2020); die Gesundheitsbehörden haben eben bis heute nicht (wie von Campact behauptet) "systematisch" getestet, sondern konfus, kopflos und erratisch - daher fehlen bis heute unerlässliche epidemiologische Daten zu COVID-19 in Deutschland etc. - statt dessen veröffentlicht das RKI "Zahlenschrott" (FR vom 16.05.2020)

Schon früh hat die Mehrheit der so genannten mainstream-Medien vermeintlich staatstragende Loyalität mit den Gesundheitsbehörden über kritischen Journalismus gestellt und die gefällt sich unverändert darin, ganz im Sinne des Eco-Zitats in der Einleitung dieses blogs, wissenschaftlichen Dissens entweder zu verschweigen, oder seine Protagonisten zu desavouieren (Streeck, Wodarg ...). Jetzt erreicht diese erschreckende geistige Nivellierung auch noch einen wesentlichen Teil der Zivilgesellschaft.

Bei jeder einzelnen der zahllosen Demonstrationen, zu denen Campact in der Vergangenheit aufrief (und dabei ging es oft um Banaleres als Grundrechte), bestand immer die Gefahr, an der Seite von Menschen zu demonstrieren, deren gesamte politische Orientierung nicht die eigene ist. Wenn wir die Campact-Warnung ernstnehmen und diese in einer Demokratie unvermeidbare "Gefahr" von Demonstrationen als Argument nutzen, diese so wichtige Form demokratischer Kultur zu vermeiden - dann wird die derzeitige demokratische Friedhofsruhe unsere viel zitierte "neue Normalität". Hier droht eine Lähmung und Spaltung der Zivilgesellschaft, die denen, die das bequeme Regieren per Notstandsverordnung gerade lieb gewinnen, nur recht sein kann - divide et impera...

Rubikon - Auf dem Weg in die Vakzinokratie? - 15.05.2020

 

 

Auch für europäische Impfstoffhersteller gilt offenbar: America first - 15.05.2020

Der französische Impfstoffhersteller Sanofi ist einer der Kombattanten im Wettlauf um einen COVID-19-Impfstoff. Obwohl mit seinem Hauptsitz in Europa, scheinen - wie die WELT berichtet - die Lieferpräferenzen klar zu sein „Die US-Regierung hat das Recht auf die größte Vorbestellung, weil sie investiert hat, um das Risiko mitzutragen“, sagte Vorstandschef Hudson. Gemeint ist offenbar eine Vereinbarung mit der US-Gesundheitsbehörde Barda, die im Februar abgeschlossen wurde. Die Barda hatte damals viel Geld in mehrere Impfstoffprojekte weltweit investiert, darunter auch in das Programm von Sanofi. Die Vertreter der US-Behörde hätten dabei auch klargestellt, dass sie erwarten würden, für ihre Unterstützung als Erste Dosen des Impfstoffs zu erhalten, zitierte die Nachrichtenagentur Bloomberg Hudson. (WELT online 14.05.2020).

Nach massiven Protesten europäischer Regierungen rudert die Sanofi-Führung mittlerweile wohl zurück....

COVID-19-Impfstoff: erst einmal herstellen, dann (zuende) testen... - update 15.05.2020

update 15.05.2020: auch in den USA wird mittlerweile dieser Ansatz verfolgt, wie die Tagesschau heute berichtet (tagesschau 15.05.2020)


Zwar werden auch in Deutschland so genannte fast-track-Zulassungsverfahren für eventuelle COVID-19-Impfstoffe (hochkontrovers) diskutiert - das geht dem Indischen Serum Institut nicht schnell genug: schon bevor auch nur die ersten Testverfahren abgeschlossen (geschweige denn ausgewertet) sind, wird hier schon mit der Produktion des Impfstoffs begonnen.... (tagesschau.de 05.05.2020).

Remdesivir - der COVID-19-Ersatz-Messias? - update 15.05.2020

update 15.05.2020: ein interessantes Detail zur Zulassung durch die FDA berichtet die Tagesschau:

"Bedingung für die Schnellzulassung durch die amerikanische Arzneimittelbhörde FDA war, dass einzig die US-Regierung über die Verteilung entscheidet - eine noch nie dagewesene Bedingung." (tagesschau.de 15.05.2020)

Man ahnt, was es für die Welt bedeutete, wenn ein eventueller erster Impfstoff gegen COVID-19 tatsächlich in den USA hergestellt würde...


Nach der quasi messianischen Verklärung eines erwarteten COVID-19-Impfstoffs (der - wie für einen Messias ja durchaus standesgemäß - auf sich warten lässt) avanciert jetzt vorläufig ein anderes Medikament zum Ziel aller Hoffnungen: Remdesivir.

Zuerst hatte die amerikanische FDA dieses Medikament für die Anwenung bei COVID-19 nicht nur zugelassen, sondern ausdrücklich empfohlen, jetzt zieht die europäische Arzneiagentur EMA nach:

Das im Gegensatz zu FDA und EMA industrieunabhängige arznei-telegramm widmet dieser Empfehlung eine aktuelle Kurzanalyse im so genannten blitz-a-t vom 30.04.2020 und analysiert gewohnt nüchtern den Stand der Forschung:

  • laut der Zwischenauswertung einer noch nicht veröffentlichten Studie verkürzt Remdesivir die Genesungszeit schwerkranker Patienten von 15 auf 11 Tage - die Sterblichkeit der Patienten wird durch das Medikament nicht signifikant verringert

  • eine weiter Studie des Herstellers vergleicht nur verschiedene Behandlungsstrategien mit Remdesivir mit einander und lässt daher keinerlei Aussage zur Wirksamkeit überhaupt zu

  • in einer dritten Studie ergibt sich kein Vorteil gegenüber Plazebo - die Remdesivir-Behandlung wird jedoch häufiger abgebrochen wegen relevanter Nebenwirkungen

Das arznei-telegramm resümiert: "Aus den bislang bekannt gewordenen Daten zu Remdesivir bei COVID-19 lassen sich hinreichend sichere Aussagen zum Nutzen nicht ableiten." (blitz-a-t 30.04.2020).

Und auch die Deutsche Apotheker Zeitung formuliert ungewohnt zurückhaltend: "Zurzeit gibt es nur wenige klinische Daten zu Remdesivir bei COVID-19 beim Menschen, nicht alle Untersuchungen haben einen Nutzen des Virostatikums bestätigt." (DAZ online 04.05.2020).

Das Nowcasting des RKI – die Vorhersage für gestern und heute... -  update 14.05.2020

“It is very difficult to predict — especially the future.” (Nils Bohr)

update 14.05.2020: Auf einer Pressekonferenze am 12.05. stellte das RKI den nächsten epidemiologischen Kennwert vor (in diesem Fall ein echtes RKI-Produkt): die so genannte "geglättete" oder "stabile Reproduktionszahl", die die Neuerkrankungen der jeweils letzten drei Tage und die besonderer hotspots (Schlachthöfe, ...) zunächst unberücksichtigt lässt. Hintergrund ist die in Deutschland immer noch unfassbar relevante Meldeverzögerung von Fällen zwischen den lokalen Gesundheitsämtern und dem RKI.

Die beiden zentralen Grundprobleme beim Auswürfeln von R durch das RKI bleiben ungelöst:

  • erstens das Nichtberücksichtigen der (steigenden) Testzahlen - wenn (s.u.) R geschätzt wird aus der Differenz der Infektionszahlen zwischen Tag X und Tag X+4, in der Zwischenzeit die Anzahl der durchgeführten Tests aber substantiell erhöht wurde, steigt schon allein dadurch die Zahl der gefundenen Fälle und verzerrt R im Sinne von zu hoch geschätzter Werte

  • zweitens und vor allem stimmt unverändert die Datenbasis nicht: R wird in Deutschland berechnet aus den positiven Testergebnissen Krankheitsverdächtiger (denn nur diese werden getestet und diese sind in ihrer Gesamtheit überhaupt nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung) - damit ist diese Datengrundlage wertlos, die Ergebnisse irrelevant für die Gesamtbevölkerung: epidemiologischer Müll, populistisches Blendwerk.

Interessant ist die Feststellung des RKI auf der Pressekonferenz, die von ihm geratene Reproduktionszahl spiegele die Infektionssituation des jeweiligen Zeitpunktes 10 Tage früher - nimmt man das RKI hier ernst und beim Wort und betrachtet unter diesem Aspekt die zeitliche Verlaufskurve von R (s.u.) wird deutlich, dass nicht einmal das Verbot von Großverantstaltungen am 09.03. substantiell Einfluss auf den Verlauf genommen hat.

 


Einer der ganz wenigen positiven Aspekte der aktuellen Cornoia ist, dass an ihrem Ende die Überlebenden ausgewiesene Fachleute in Epidemiologie und mathematischer Modellierung von Infektionskrankheiten sein werden – allen voran die politischen Entscheider. Diese speziell werden nicht müde, ihre schon jetzt beeindruckende fachliche Eindringtiefe dadurch zu beweisen, dass sie z.B. den Beginn der Wiederherstellung rechtsstaatlicher Verhältnisse in Deutschland an immer neue Werte immer anderer epidemiologischer Größen knüpfen.

So stellte Angela Merkel am 28.03. in Aussicht, über ein Ende des lockdown dann zu diskutieren, wenn sich die Verdopplungszeit (also der Zeitraum, innerhalb dessen sich die Anzahl der Infizierten in Deutschland verdoppelt) in Richtung 10 Tage verlängere. Nachdem dies binnen kurzem erreicht war, erhöhte Kanzleramtsminister Helge Braun dieses Ziel auf 10 – 14 Tage – die behauptete (! s.u.) Verdopplungszeit liegt mittlerweile bei über einem Monat.

DLF   Verdopplunszeit

(Quelle: DLF 20.04.2020)

Da dieser Wert damit nicht mehr taugte, den Ernst der Lage und damit die Notwendigkeit der verhängten Maßnahmen zu erklären, wechselte man zur Reproduktionszahl R (also der Anzahl von Menschen, die ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt) –

  • liegt diese über dem Wert von 1, nimmt die Anzahl der Neuinfektionen zu, stellt man diese graphisch dar, ergibt sich eine mehr oder weniger steil ansteigende Kurve;

  • liegt er darunter, nimmt die Zahl der Neuinfektionen ab, die Kurve sinkt;

  • bei einer Reproduktionszahl von genau 1 bleibt die Anzahl der Neuinfektionen konstant, die „Kurve“ ist eine horizontale Linie.

Diese naheliegende Zielvorgabe von R = 1 wurde nach Angaben von Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI) schon am 03.04. erreicht – damit war das ausgegebene Ziel, das die Aushebelung zentralster Grundrechte unseres Grundgesetzes rechtfertigen sollte: nämlich die Eindämmung von COVID-19 („flattening the curve“) zweifellos erreicht. In der selben Pressekonferenz korrigierte Wieler dann die Zielvorgabe auch gleich sportlich nach unten: R müsse jetzt deutlich unter 1 sinken, bevor eine Lockerung der Maßnahmen... .

Das Problem: all diese „Berechnungen“ setzen voraus, dass wir in Deutschland

  • die Zahl der zu einem Zeitpunkt X mit SARS-CoV-2 Infizierten kennen (oder aus einer repräsentativen Stichprobe hochrechnen können)

  • die Zahl der ab dann täglich neu Infizierten zuverlässig erfassen (oder aus einer weiter beobachteten repräsentativen Stichprobe hochrechnen können)

Keine dieser Bedingungen ist auch nur annähernd erfüllt!

Wir kennen weder die tatsächliche Anzahl der Infizierten (oder alternativ deren Prozentsatz an der deutschen Bevölkerung), noch die tatsächliche Anzahl der Neuinfektionen (oder alternativ den prozentualen Zuwachs der tatsächlichen Neuinfektionen).

In Deutschland werden statt dessen

  • Verdachtsfälle“ getestet – also Menschen, die aufgrund ihrer Vorgeschichte (früher: Aufenthalt in „Risikogebieten“, jetzt: Kontakt zu SARS-CoV-2-positiv Getesteten) oder aufgrund ihrer klinischen Beschwerden befürchten lassen, sie seien selber infiziert; diese sind natürlich in keiner Art und Weise repräsentativ für die Gesamtbevölkerung

  • täglich mehr von diesen Verdachtsfällen getestet – wobei die genaue Anzahl der getesteten Menschen und die Verlässlichkeit der Tests im Einzelnen laut RKI unbekannt ist.

Die mit diesem letztendlich völlig unwissenschaftlichen Verfahren erstellten Zahlen werden von den lokalen Gesundheitsämtern mit mehr (z.B. an Wochenenden) oder weniger (unter der Woche) großer zeitlicher Verzögerung an’s RKI gemeldet (so genannte Meldeverzögerung), wo daraus nett anzusehende, aber, soviel sei hier schon verraten, in letzter Konsequenz erschreckend wenig aussagekräftige Kurven und Torten gebastelt werden.

Diese systembedingte Meldeverzögerung ist eine der Haupt-Achillesfersen der deutschen SARS-CoV-2-Erfassung: die Fälle, die am Tag X im Gesundheitsamt Y erfasst werden, erreichen erst nach Z Tagen das RKI (wobei Z im Einzelfall Werte von bis zu 21 Tagen annehmen kann) – es ist also am Tag X im RKI ausgeschlossen, auch nur halbwegs zuverlässige Angaben über die Neuinfektionen dieses Tages X zu machen.

 

Da zumindest ein Teil dieser Probleme einem Teil des RKI offenbar bewusst ist, entwickelte man dort jetzt ein Verfahren, mit dem man glaubt, einen Teil dieser Missstände wenn nicht beheben, so doch wegmodellieren zu können.

In einigen Fällen kennt man die so genannten „Infektionsketten“ bei SARS-CoV-2 (etwas, was z.B. in Südkorea hochprofessionell und wie wir sehen mit hervorragendem Erfolg untersucht wurde): man weiß also, wann sich wer wo angesteckt hat, wann er (oder sie) dann Symptome entwickelte und wann er (oder sie) dann im weiteren Verlauf weitere Menschen ansteckte.

Für die vielen Fälle, in denen das RKI diese Informationen nicht hat, werden sie im Rahmen komplexer mathematischer Modellierungen konstruiert (so genanntes imputing), so dass man sich einreden kann, man hätte alle wichtigen Daten von allen erfassten Fällen. Hier fließen dann z.B. Werte ein wie die so genannte Generationszeit einer Infektion (dies ist der Zeitraum zwischen der Infektion eines Menschen und der Infektion der wiederum von ihm/ihr angesteckten Menschen) – diese „schätzen“ (! Wortwahl RKI) die RKI-ler bei COVID-19 auf 4 Tage.

Mit der Schätzung der Generationszeit und der Annahme einer durchschnittlichen Meldeverzögerung ist im mathematischen Modell dann das so genannte Nowcasting möglich: die Vorhersage der vielleicht eigentlichen Neuerkrankungszahlen von heute und von gestern (bzw. von dem, was das RKI dafür hält...) aus den zuverlässigeren Zahlen von vorgestern und vorvorgestern. („Nowcasting“, weil die Vorhersage (engl. forecasting) für das Jetzt (engl. now)) (RKI Epid. Bulletin 17/2020).

Diese mathematische Modellierung ergibt für die COVID-19-Pandemie in Deutschland die folgende Graphik (Update 28.04.2020)

RKI Nowcasting

(Quelle RKI Situationsbericht 13.05.2020)

Wichtig sind in diesem Zusammenhang folgende Daten:

  • Am 09.03. wurden in Deutschland Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern verboten

  • Am 16.03. Bund-Länder-Vereinbarung zu Schließungen von Geschäften, Theatern, Museen etc.; parallel dazu Schulschließungen in mehreren Bundesländern

  • Am 23.03. bundesweit umfangreiches Kontaktverbot

Nimmt man (trotz der geschilderten substantiellen Vorbehalte) die Werte des Nowcasting-Modells ernst, zeigt sich ein nur sehr mäßiger Einfluss des umfassenden Kontaktverbotes ab dem 23.03. in Deutschland.

Die wird noch deutlicher, wenn man – wie das RKI – aus den gleichen, hochproblematischen Daten versucht, die Reproduktionszahl zu „schätzen“ (! Wortwahl RKI). Ausgehend von der geschätzten (!) Generationszeit von 4 Tagen „errechnet“ das RKI die Reproduktionszahl als Quotient aus der behaupteten Neuerkrankungsrate am Tag X und der behaupteten Neuerkrankungsrate am Tag (X minus 4 Tage - also minus der vermuteten Generationszeit).

Wenn also am 01.01. 4 Neuerkrankte erfasst werden und am 05.01. derer 8, ergäbe dies über den Bruch 8/4 eine Reproduktionsrate von 2 (jeder der am 01.01. Erkrankten hätte 2 weitere Menschen angesteckt).

 

RKI Reproduktionszahl

(Quelle EpiBull 17/2020)

 

Das Problem ist aber (wie oben dargelegt), dass der Bruch nicht wie behauptet lautet

 

Quotient 1

 

sondern er lautet

 

Quotient 2

 

Das ergibt aber beim besten Willen keine irgendwie relevante Reproduktionszahl... .

Dennoch wird dieser auf wissenschaftlich geradezu lächerliche Weise zu Stande gekommene "R-Wert" derzeit umtanzt wie das berühmte goldene Kalb - und bei diesem Tanz kommen dann selbst Profis gelegentlich in's Straucheln, wenn z.B. Christian Drosten am 20.04. in seinem Podcast sagt: "das führt natürlich dann dazu, wenn R jetzt wieder über 1 kommen sollte, dass plötzlich die Epidemietätigkeit in überproportionaler Art und Weise oder in nicht erwarteter Wucht wieder losgeht" . Die Basisreproduktionszahl ist ein Maß für die Infektiosität einer Erkrankung und damit indirekt für die "Epidemietätigkeit" - das Ansteigen dieses Wertes zu fürchten, weil dadurch die Epidemietätigkeit steigen könnte (so formuliert es Drosten) ist so sinnvoll, wie die Klimakrise dadurch lösen zu wollen, dass man den Zeiger des Thermometers festklebt...

Die absolute wissenschaftliche Mindestanforderung für eine auch nur halbwegs aussagekräftige Modellierung wäre gewesen, zumindest den Einfluss der ständig steigenden Test-Zahlen auf die Zahl der erzielten positiven Ergebnisse herauszurechnen - dazu sieht sich das RKI aber nicht in der Lage: "Eine Adjustierung für die höheren Testraten ist nicht ohne weiteres möglich, da keine ausreichend differenzierten Testdaten vorliegen." (EpiBull 17/2020).

Dennoch ist das Bild nett anzusehen und zeigt in der immanenten Logik des RKI umso deutlicher, dass

  • bereits nach dem Absagen von Großveranstaltungen der behauptete Anstieg von R abbrach und R deutlich zurückging

  • die Bund-Länder-Vereinbarung (Geschäftsschließung etc.) den Verlauf der Kurve nicht substantiell beeinflusst hat (wenn, dann hat sie den Rückgang eher abgeflacht...)

  • die Kontaktsperre überhaupt keinen wahrnehmbaren Effekt auf die Reproduktionszahl hatte

  • die als Begründung für die temporäre Grundrechtsabschaffung geforderte Abflachung der Kurve mit einer R << 1 schon deutlich vor der sozialen Isolation der Bevölkerung erreicht war.

Die gleichen Schlussfolgerungen ergeben sich, wenn man das (wohlgemerkt auf der gleichen unwissenschaftlichen Datengrundlage beruhende) Wachstum der aktiven Fälle in Deutschland betrachtet. Aktive Fälle sind die am Tag X gemeldeten abzüglich der Todesfälle und abzüglich der Genesenen. Auch hier zeigt sich, dass die Wende vor dem lockdown kam...

Wachstum aktive Faelle

(Quelle: DLF 28.04.2020)

Es zeigt sich, dass selbst wenn man die unzureichenden, aber derzeit jeder politischen Entscheidung zu Grunde liegenden Zahlen des RKI wissenschaftlich betrachtet, das selbstgesteckte  Ziel des "flattening the curve" längst vor den ergriffenen schwersten Grundrechtseinschränkungen (lockdown) erreicht war - es gibt also aus epidemiologischer Sicht keinerlei Rechtfertigung, diese historisch beispiellosen Entrechtungen der Bevölkerung aufrecht zu erhalten.

Was wissen wir denn nun eigentlich wirklich? SARS-CoV-2-Tests in Deutschland - update 14.05.2020

Nachdem in dem Artikel über das Nowcasting versucht wurde, herauszuarbeiten, was wir alles nicht wissen (sondern allenfall "schätzen", oder "imputen" oder "modellieren") stellt sich natürlich die Frage: was wissen wir denn nun eigentlich?

Die Antwort ist - angesichts der Entscheidungen, die auf diesem vermeintlichen Wissen fussen - mehr als ernüchternd...

Wir kennen:

  • die Größenordnung der wöchentlich durchgeführten SARS-CoV-2-Tests (nicht etwa ihre genaue Zahl, da nicht alle testenden Labors an das RKI melden)

  • den Anteil der positiven Testergebnisse

Tests

 

Dies mittlerweile auch im Verlauf nach einzelnen Daten:

Tests im Verlauf

(Quelle: RKI, Situationsbericht 29.04.2020)

Wir wissen nicht:

  • wievielen getesteten Menschen die Zahl der Tests entspricht, weil es nicht unüblich ist, die geforderten Abstriche von Rachen und Nase getrennt zu machen (empfohlen ist es anders...) und separat an das Labor zu schicken.

  • wie hoch der Anteil positiver Abstriche in der Gesamtbevölkerung wäre - denn: getestet werden in Deutschland nach den Empfehlungen des RKI ja nur Menschen, bei denen ein Verdacht auf COVID-19 besteht ("Verdachtsfälle").

Der Prozentsatz positiver Tests im Vergleich zur Gesamtzahl der Tests unterliegt also einem systematischen Fehler, einem bias, und kann nicht ohne weiteres auf die Gesamtbevölkerung übertragen werden. Dennoch lässt sich mit deutlich dickerem Eis unter den Füßen, als das RKI üblicherweise für seine mathematische Akrobatik braucht, folgern:

  • selbst unter den Verdachtsfällen ist der Anteil der tatsächlich SARS-CoV-2-Infizierten nicht höher als 10%

  • unter den Verdachtsfällen sinkt der Anteil der tatsächlich SARS-CoV-2-Infizierten die zweite Woche in Folge

  • mit großer Wahrscheinlichkeit ist damit auch in der Gesamtbevölkerung derzeit der Anteil der tatsächlich SARS-CoV-2-Infizierten nicht wesentlich höher als 10% (weil die Verdachtsfälle ja eher eine "Negativ-Vorauswahl" bezüglich des Infektionsrisikos darstellen).

  • mit großer Wahrscheinlichkeit sinkt damit auch der Anteil der SARS-CoV-2-Infizierten in der Gesamtbevölkerung (den wir nicht kennen!) spätestens seit 2 Wochen

  • auch aus dem Verlauf der positiven Testergebnisse lässt sich - so wenig wie aus dem "nowcasting" des RKI - kein überzeugender Effekt des strengen Kontaktverbotes ab dem 23.03. ablesen

COVID-19-Chaos allüberall - auch im Bundesinnenministerium - update 14.05.2020

update 14.05.2020: Einer der mitwirkenden Experten, der Heidelberger Pathologe Peter Schirmacher - seines Zeichens Mitglied der Leopoldina und im Teil des Beraterstabes von Angela Merkel, legt in der BILD nach: Stefan Kohn, der Verfasser der umstrittenen Analyse, habe eine "wichtige Einschätzung auf dem Boden umfassender Expertise erstellt", die das BMI "nicht ignorieren" solle (BILD online 13.05.2020)


update 12.05.2020: Die in dem Papier erwähnten "externen Experten" haben sich offanbar am 11.05.2020 in einer Stellungnahme zu Wort gemeldet und kritisieren die Dementi-Strategie des BMI scharf - bis jetzt liegt das Papier noch nicht auf einer offiziellen Quelle vor, sondern als Text hier (achgut.com 12.05.2020) und in einem Video vor, von daher kann dessen Authentizität nicht abschließend beurteilt werden:

 


Als wäre das Chaos, das diese Republik seit COVID-19 fest im Griff hat, nicht genug - jetzt laufen sogar im Hort von Recht und Ordnung, dem Bundesinnenministerium, die Dinge aus dem Ruder: im Internet kursiert seit einigen Tagen ein offenbar internes Papier des BMI, in dem ein BMI-Mitarbeiter eine vernichtende Bilanz der bisherigen Regierungsstrategie im Umgang mit COVID-19 zieht (hier herunterzuladen).

Die in diesen Artikel enthaltenen Dementis (z.B. SZ vom 11.05.2020 oder Spiegel vom 10.05.2020) beweisen, dass erstens das Papier in dieser Form tatsächlich authentisch ist, zweitens aus dem BMI stammt, drittens aber offensichtlich nicht offiziell autorisiert ist.

An der Authentizität dieses Papiers dürfte es mittlerweile jedoch keine Zweifel mehr geben (tagesschau.de 11.05.2020, ZEIT 11.05.2020)

In jedem Fall enthält es schärfste Kritik von Jemandem, der hinter die Kulissen der aktuellen Politik schaut....

"America first" wenigstens bei COVID-19 - 14.05.2020

Warum die USA zumindest bei der COVID-19-Pandemie mittlerweile die weltweit führende Nation sind, hat sicher viele Gründe... vielleicht trägt zu den erschreckend hohen Sterblichkeitszahlen aber auch bei, dass - anders als in allen anderen Ländern, in denen medizinisches Personal aufgestockt, verstärkt, aus dem Ruhestand zurückgerufen wurde - in den USA während der Pandemie massiv Stellen im medizinischen Bereich gestrichen wurden... 1,4 Millionen der Beschäftigten in den Kliniken wurden allein im April "gefeuert"...

 

 

Zusätzlich verlieren durch die Pandemie-bedingte beispiellose Zunahme der Arbeitslosigkeit in den USA Millionen von US-Amerikanern den Zugang zum Gesundheitssystem, weil sie ihre Krankenversicherung verlieren:

"Fast 27 Millionen Menschen könnten deswegen auch ihre Krankenversicherung verlieren. Denn die meisten Menschen seien über den Arbeitgeber krankenversichert, heißt es in einer Studie der Kaiser Family Foundation. Wer seinen Job verliert, kann es sich oft nicht leisten, die Police für sich und mitversicherte Familienangehörige privat weiter zu bezahlen.

Die USA sind praktisch das einzige entwickelte Industrieland ohne eine allgemeine staatliche Krankenversicherung. Selbst vor der Corona-Krise hatten rund 28 Millionen Menschen - fast jeder Zehnte im Land - keine Krankenversicherung." (tagesschau.de 14.05.2020)

 

COVID-19-Test DIY-zertifiziert - Politiker feiern Tests ohne wissenschaftliche Zertifizierung - update 13.05.2020

update 13.05.2020: In einem Beitrag des Recherchemagazins report München warnt Ulrike Protzer von der TU München nachdrücklich vor den gerade boomenden SARS-CoV-2-Antikörpertests im Schnellverfahren - auf die Frage, ob diese denn die Frage nach der abgelaufenen Infektion beantworten könnten sagte sie: "Ich habe natürlich nicht alle Tests dieser Welt durchprobiert. Die, die wir bisher gesehen haben, die schaffen das nicht, mir ist auch keiner bekannt, der das schaffen kann, aber vielleicht gibt es ihn irgendwo auf der Welt. Ich halte es für relativ unwahrscheinlich, dass bei diesen kleinen Tests in den Kartuschen, das möglich ist." (report 12.05.2020)

Deutlich detaillierter untersucht der industrieunabhängige "Arzneimittelbrief" die Test-Szene in seiner aktuellen Ausgabe (Der Arzneimittelbrief Mai 2020) - hier werden Vergleichsstudien der derzeit auf dem Markt verfügbaren Tests aufgeführt und deren Qualität und Zulassungsverfahren differenziert analysiert - besonders scharf gehen die Autoren (Mitglieder der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft) mit den Zulassungsverfahren der FDA ins Gericht - die, denen z.B. Roche die Zulassung verdankt: "In den USA war die FDA zuletzt gezwungen vor deren Anwendung zu warnen [...], nachdem der US-amerikanische Markt und in weiterer Folge der globale Online-Handel von mangelhaft validierten Produkten […] geradezu überschwemmt wurden. Vorangegangen war eine sehr problematische Entscheidung der FDA, nach der ca. 90 Herstellern die Vermarktung ihrer Antikörpertests ohne die in solchen Situationen sonst übliche EUA erlaubt wurde – unter der aus unserer Sicht nicht akzeptablen Auflage, die Validierung eigenverantwortlich durchführen."


Ein gelungener Tag für die PR-Abteilung des Labortest-Herstellers Roche: namhafte Bundes- und bayerische Landespolitiker ließen sich gerne in fast schon wissenschaftlich aussehenden weißen Kitteln mit Aufdruck des "Roche"-Firmenlogos medienwirksam photographieren.

Der Hintergrund: Roche stellt im oberbayerischen Penzberg zukünftig große Mengen von COVID-19-Antikörper-Tests her - das sichert den Wirtschaftsstandort, liefert Testkapazitäten (s.u.) und vor allem bunte Bilder.

Das Problem: die Tests haben offenbar keine explizite Zertifizierung des Paul-Ehrlich-Instituts, das in Deutschland eigentlich für diese Angelegenheiten zuständig ist und das auf seiner website ausdrücklich vor SARS-CoV-2-Tests ohne diese Zertifizierung warnt (PEI 23.03.2020). Die Tests sind offensichtlich nur im "Schnellverfahren" durch die amerikanische Behörde FDA zugelassen (eine "Notfallzulassung" laut Ärztezeitung 15.03.2020) - dadurch haben sie, wie jedes bessere Kuscheltier - ein so genanntes CE-Zeichen und dürfen in Europa eingesetzt werden. In Amerika ist der FDA die Fülle derartig zugelassener Tests mittlerweile offensichtlich unheimlich - sie "zieht die Reißleine" (tagesschau.de) und  verlangt dort jetzt von den Herstellern eine Nachzertifizierung, nachdem bislang die Herstellerangaben allein für eine Zulassung ausreichten (tagesschau.de 05.05.2020). Eine Anfrage des Vereins "Ärzte für individuelle Impfentscheidung eV" beim PEI  nach deren Einschätzung des Roche-Tests blieb bis heute (13.05.2020) unbeantwortet.

RKI - Fachleute kritisieren umfassendes Versagen der Behörde bei COVID-19

Langsam beginnt die wissenschaftliche Aufarbeitung der katastrophalen Rolle, die das RKI in der COVID-19-Pandemie gespielt hat und spielt ... - harte Zeiten für Wieler, Schaade und Co...

 

Hans-Jürgen Papier:  Vertrauen in die parlamentarische Demokratie erschüttert  - 10.05.2020

Erneut meldet sich der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichtes zur Wort und kritisiert in einem Interview mit der Tagesschau das Regieren mittels Verordnungen, an den Parlamenten vorbei: "Eine gefährliche Entwicklung, die das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der parlamentarischen Demokratie in Krisenzeiten erschüttern kann" . (tagesschau.de 10.05.2020)

Das RKI trickst mit Zahlen - die Republik verharrt in Angst - 10.05.2020

Das Unfassbarste sei zu Beginn noch einmal wiederholt: auch 3 Monate nachdem COVID-19 in Deutschland angekommen ist, gilt

Es gibt weiterhin keine wissenschaftlich soliden Daten zu COVID-19 in Deutschland!

Um die Ausbreitung und den Verlauf einer Infektionskrankheit in einer Bevölkerung wissenschaftlich korrekt beschreiben zu können, müssen vor allem und als erstes zwei Fragen beantwortet werden:

  • wie viele Menschen sind zu einem bestimmten Zeitpunkt infiziert (Prävalenz)?

  • wie viele Menschen infizieren sich in einem bestimmten Zeitraum neu (Inzidenz)?

Da es natürlich unmöglich ist, jeden Menschen eines Landes zu untersuchen (das wäre das genaueste), bedient man sich typischerweise so genannter repräsentativer Stichproben, das heißt, man wählt von den rund 83 Millionen Deutschen z.B. 10.000 aus, die hinsichtlich der Verteilung von Geschlecht, Alter, sozialer Schicht, ... in ihrer Zusammensetzung typisch (also: repräsentativ) sind für die Gesamtbevölkerung und rechnet daraus dann hoch auf die Gesamtheit.

  • Wenn von diesen 10.000 also zu einem Zeitpunkt 500 Menschen infiziert sind, entspricht das einer Prävalenz von 5% - wenn die Stichprobe tatsächlich repräsentativ ist, dürfte man daraus schlussfolgern, dass auch von der Gesamtbevölkerung etwa 5%, dann also etwa 4.150.000 Menschen infiziert seien.

  • Untersucht man diese 10.000 Menschen 2 Wochen später erneut und bis dahin sind z.B. 700 Menschen infiziert, entspricht das einer Inzidenz von 200 Neuinfektionen oder 2% innerhalb von 2 Wochen und man darf schließen, dass auch in der Gesamtbevölkerung die Zahl der Infizierten um etwa den gleichen Anteil von 2% der Bevölkerung angestiegen ist - von 4.150.000 also auf dann 5.810.000.

So unglaublich das klingt: eine so einfache und basale Untersuchung wurde bisher in Deutschland nicht durchgeführt,

die Prävalenz und die Inzidenz von COVID-19 in Deutschland sind unverändert unbekannt!

Wie kann das sein, wo doch das RKI, die Johns-Hopkins-Universität, jedes Lokalblättchen und jeder Fernsehsender uns täglich überfluten mit Zahlenkolonnen, Säulen- und Tortendiagramen in den buntesten Farben? Und auf der Grundlage diese Zahlen mal eben Grundrechte abgeschafft, Parlamente kalt gestellt (tagesschau,de 10.05.2020) und Volkswirtschaften (und mit ihnen unzählige einzelne wirtschaftliche Existenzen) ruiniert werden?

Das RKI hält es offenbar nicht für sinnvoll, eine wirklich wissenschaftlich belastbare Datengrundlage zu COVID-19 in Deutschland zu liefern.

Denn:

  • unverändert werden in Deutschland die SARS-CoV-2-Tests auf Anraten des RKI hin nicht an repräsentativen Stichproben vorgenommen, sondern nur bei Menschen, bei denen ohnehin ein Krankheitsverdacht besteht. Dies ist medizinisch für die Versorgung dieser Menschen sinnvoll, kann aber keineswegs Daten liefern, die Rückschlüsse auf COVID-19 in der Gesamtbevölkerung zulassen, eben weil diese Gruppe der Krankheitsverdächtigen niemals repräsentativ ist.

  • unverändert wird die Zahl der Tests jede Woche verändert, meist gesteigert - auch dies ist sinnvoll unter dem Blickwinkel des einzelnen Kranken, der sich leichter testen lassen kann; auch dies schließt aber aus, die so gewonnenen Zahlen positiver Testergebnisse als Maß für die Entwicklung der Erkrankung zu verwenden.

Völlig unabhängig davon, ob die jetzt definierte Grenze für Grundrechtsgewährung von 50 Neuerkrankungen/100.000 Einwohner richtig gewählt, zu hoch oder zu niedrig ist:  auf der Grundlage der bisherigen Daten ist es schlicht unmöglich, diese wissenschaftlich solide zu berechnen.

Eine solche Berechnung setzte voraus, dass in jedem Landkreis z.B. einmal in der Woche 1000 repräsentativ ausgewählte Menschen verdachtsunabhängig getestet würden - das wäre sehr einfach und sehr machbar, wird aber, aus welchen Gründen auch immer, unverändert nicht durchgeführt.

Angesichts der mittlerweile langen Zeit der COVID-19-Pandemie in Deutschland und der zunehmenden Zahl unverdächtig-seriöser Fachleute, die auf diese fortgesetzten, groben epidemiologischen Fehler des RKI (und aller nachgeordneten Stellen, von der Bundesregierung bis zu den Medien) hinweisen, fällt es zunehmend schwer, diese katastrophale Situation nur mit epidemiologisch-statistischem Analphabetentum der obersten deutschen Gesundheitsbehörde zu erklären...

Die CDU lässt träumen - von chinesischen Verhältnissen... - 09.05.2020

Offiziell hat die Bundesregierung verstanden: die Bedenken gegen die Big-Brother-Lösung bei der Corona-App... die Einwände gegen den von Bundesermächtigungsminister Spahn eigentlich geplanten Immunitätsausweis - alles vom Tisch oder entschärft oder zumindest: aufgeschoben.

Ein Interview, das Axel Voss, der FAZ gab, belehrt hier eines Besseren -  Voss ist nicht irgendjemand, er ist immerhin der rechtspolitische Sprecher der EVP-Fraktion im Europaparlament (zu der die CDU gehört) und war zu Zeiten der EU-Urheberrechtsreform unter Verfechtern eines freien Internet der mutmaßlich meistgehasste Politiker Europas... .

Beim Thema der App ist für Voss selbstverständlich: "Das geht nur freiwillig!" - und er erklärt auch gleich, was er unter Freiwilligkeit versteht: "Wer eine solche App hat, sollte auch zuerst wieder ins Restaurant, ins Kino, ins Theater und ins Freibad dürfen." - Diese Art von Freiwilligkeit also: Menschenrechte im Tausch gegen den Verzicht auf informationelle Selbstbestimmung und wer es noch nicht verstanden hat: die Entscheidung für die dezentrale Lösung sei ohnehin nur der "Weg des geringsten Widerstandes […] Absolut dürfen wir den Datenschutz nicht setzen..." - "Welche Lösung trägt am meisten dazu bei, dass wir wieder mehr persönliche Freiheiten genießen können? Das wäre eine zentrale Datenspeicherung in den Mitgliedstaaten".

Und auch das EU-weite Recht auf Freizügigkeit ist für ihn ohne einen Immunitätsausweis nicht vorstellbar: "Das ist eine sinnvolle Lösung, um Geimpften oder Genesenen Reisen wieder zu ermöglichen." Vulgo: kein Ausweis - keine Reisen.

Man kann sich schwerlich vorstellen, dass ein Politiker mit Voss' Position entweder die zuletzt differenzierte Diskussion um Grundrechte und App bzw. Immunitätsausweis schlicht verpasst hat oder dass er unautorisiert spricht - viel näher liegt die Befürchtung, dass die größte Regierungspartei Deutschlands "daheim" derzeit selber Kreide frisst, ihre eigentliche Sehnsucht nach chinesischen Verhältnissen aber über solche Interviews in der Diskussion hält... (FAZ 08.05.2020)

RKI: Schluss mit öffentlich, reicht jetzt mit Kontrolle! - 08.05.2020

Das RKI hatte in den vergangenen Wochen offensiv den Eindruck erweckt, die Information der Öffentlichkeit sei ihm ein Herzensanliegen: da wurden dashboards mit vermeintlich tagesaktuellen Infektionszahlen veröffentlicht (die aufgrund der teilweise analogen Datenübermittlung aus den Gesundheitsämtern oft mehr als eine Woche alt waren - die Post halt...), anfangs tägliche Pressekonferenzen abgehalten mit immer den gleichen mehr oder weniger kompetent oder überfordert wirkenden Protagonisten.

Das mit den Pressekonferenzen ist seit dem 07.05. vorbei und auch die Information von Öffentlichkeit und Medien scheint dem RKI jetzt genug (gewesen): der NDR als Teil des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und als Haussender des Coronoia-Podcasts kritisiert das RKI unter der Überschrift

"Corona-Daten unter Verschluss: RKI bremst Diskurs aus"

jetzt scharf:

"... viele wichtige Corona-Daten sind Journalisten nur schwer oder gar nicht zugänglich, weil das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin sie zurückhält oder nur tröpfchenweise herausgibt."

"In Berlin sieht man sich als Hüter der Datenschätze, an deren Deutungshoheit man sich klammert. Die Behörde gibt Teile der Daten, mit denen sich die Details der Epidemie analysieren und Maßzahlen nachrechnen ließen, nicht heraus. So entzieht sie sich - und damit den Staat - zumindest teilweise der Kontrolle durch Öffentlichkeit und Medien." (NDR 08.05.2020)

Das nächste Grundrecht ist fällig - Drosten & Co fordern Zensur - 08.05.2020

In ganzseitigen Zeitungsanzeigen und medienwirksamen Kampagnen fordern Virologen wie Christian Drosten und andere Mediziner Medienkonzerne wie Facebook, Twitter und Google auf, medizinischen "Fehlinformationen entgegenzuwirken" "Um Leben zu retten und das Vertrauen in die wissenschaftlich fundierte Gesundheitsversorgung wiederherzustellen, müssen die Tech-Giganten aufhören, die Lügen, Verdrehungen und Fantasien, die uns alle bedrohen, weiter anzufachen." (Avaaz 08.05.2020).

Vordergründig klingt das einleuchtend: die von den Autoren zitierte Zunahme der Menschen, die nach dem Rat Donald Trumps, man müsse gegen COVID-19 Desinfektionsmittel injizieren können, dieses dann zumindest tranken (und damit die ohnehin überlasteten Notaufnahmen in den USA zusätzlich belasteten) entlockt jedem ein zustimmendes Nicken (ungeklärt dürfte die Frage sein, ob eine Äußerung des POTUS überhaupt zensiert würde..).

Liest man dann die Erläuterungen und Begründungen der Erstunterzeichner jedoch im Detail, merkt man schnell, dass es um viel mehr geht: "Falsche oder wissenschaftlich noch nicht eingeordnete Informationen verbreiten sich oft wie ein Lauffeuer", sie könnten "unnötig Angst verbreiten und Schäden anrichten", warnt Melanie Brinkmann, Genetikerin der TU Braunschweig (Tagesspiegel 08.05.2020) - auch Informationen, die "wissenschaftlich noch nicht eingeordnet" sind, sollen also offenbar lieber erst einmal nicht verbreitet werden, bis sie dann von einschlägigen Fachleuten freigegeben werden... . Man fühlt sich an den mittlerweile legendären Ausspruch Thomas de Maizières erinnert, dass Teile der Antworten auf die ihm gestellten Fragen die Bevölkerung verunsichern könnten (weshalb er diese Fragen dann lieber unbeantwortet ließ... SZ vom 18.05.2015)

Und wo man schon einmal dabei ist: die differenzierte Information zu Schutzimpfungen gehört natürlich auch verhindert: "Wir sind diejenigen, die Kleinkinder mit Masern stationär behandeln - eine vollkommen vermeidbare Krankheit, die in Ländern wie den USA bereits als ausgerottet galt, jetzt aber vor allem dank Impfgegner-Propaganda wieder auflebt." heißt es in dem Papier.

Aus gutem Grund findet sich in den Verfassungen aller demokratischen Staaten ein Recht auf freie Meinungsäußerung - dies schließt auch das Recht ein, Meinungen zu äußern, die umstritten, "wissenschaftlich noch nicht eingeordnet", vielleicht sogar dumm und gefährlich sind, solange sie nicht gegen andere Grundrechte verstoßen. Eine demokratische Gesellschaft muss diesen Dissenz, muss diese Vielfalt verschiedenster Äußerungen aushalten und manchmal auch ertragen können...

Das Grundrecht exklusiv für Wissenschaftler auf ein von ihnen betreutes Denken der Bevölkerung wäre - zumindest in Ländern mit einem demokratischen Staatsverständnis - ein Novum... .

Hier sei noch einmal mehr Umberto Eco zitiert: "In der modernen Kultur preist die wissenschaftliche Gemeinschaft den Dissens als ein Mittel zur Vermehrung des Wissens. Für den Ur-Faschismus ist Dissens Verrat." (Umberto Eco 2020)

Keine Evidenz? Kein Problem! - Bayerischer Verwaltungs­gerichtshof bestätigt Maskenpflicht - 07.05.2020

Obwohl jede belastbare Evidenz dafür fehlt und selbst das RKI bei seiner Empfehlung für den Mund-Nasen-Schutz auf das Fehlen einer wissenschaftlichen Grundlage dafür hinwies: zumindest einen Eilantrag auf Aufheben der "lächerlichen" (F.U. Montgomery, Präsident des Weltärztebundes) Bayerischen Verpflichtung zum Tragen eines solchen "Schamlappens" (nochmal Montgomery) lehnte das Bayerische Verwaltungsgericht in einer vorgenommenen Folgenabwägung ab (Ärzteblatt 07.05.2020)

Heinsberg-Studie umstritten - 07.05.2020

Nach Angaben des SWR kritisieren mehrere Wissenschaftler die von dem Bonner Virologen Streeck veröffentlichte Studie zu COVID-19 - die mögliche Unsicherheit bezüglich der Dunkelziffer an Infektionen sei zu gering angegeben worden (tageschau.de 07.05.2020).

Dieser wissenschaftliche Dissenz wirft allerdings nur einmal mehr ein katastrophales Licht auf das RKI, dessen Aufgabe es seit Monaten (gewesen) wäre, hier für Deutschland repräsentative Daten zu erheben, damit nicht wissenschaftlich ohnehin problematische Extrapolierungen aus wenig repräsentativen kleinen Gemeinden eine solche vermeintliche Bedeutung erlangen.

Auch ohne Immunitätsnachweis - der Datenschutzbeauftragte der Bundesregierung kritisiert Spahns Gesetzespläne scharf - 06.05.2020

Der Bundesbeauftrage für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Ulrich Kelber, kritisiert die neuerlichen Änderungspläne von Bundesermächtigungsminister Spahn, die am 15.05. im Bundestag verabeschiedet werden sollen, scharf - zentrale Punkte der Kritik bleiben auch nach dem Verzicht auf den hochgradig umstrittenen Immunitätsausweis bestehen und beziehen sich vor allem auf die vorgesehene massive Ausweitung der Meldepflicht (BFDI 30.04.2020).

"Grundsätzlich ist festzustellen, dass bezüglich der aktuellen SARS-CoV-2-Pandemie fehlende belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse[…] in der Regierung große Unsicherheit auslösen. Dieser Unsicherheit soll nun offenbar mit umfassender Erhebung personenbezogener Gesundheitsdaten begegnet werden. Das hierbei nötige Augenmaß lässt der Gesetzentwurf leider vermissen. […]

Im Gesetzentwurf werden die Meldepflichten im Infektionsschutzgesetz erheblich [und zwar...] bereits auf den Verdacht ausgeweitet. Unter welchen Voraussetzungen ein solcher Verdacht gegeben ist, wird jedoch nicht festgelegt. Diese Unklarheit ist problematisch, da dieser Verdacht bereits eine namentliche Meldepflicht auslöst und Grundlage für behördliche Maßnahmen sein kann."

Und diese behördlichen Maßnahmen können erheblich sein - schon jetzt sieht das Infektionsschutzgesetz im § 28 vor

"[…] Krankheitsverdächtige [können verpflichtet werden,] den Ort, an dem sie sich befinden, nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen zu verlassen oder von ihr bestimmte Orte oder öffentliche Orte nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen zu betreten. […] Die Grundrechte der Freiheit der Person (Artikel 2 Absatz 2 Satz 2 des Grundgesetzes), der Versammlungsfreiheit (Artikel 8 des Grundgesetzes), der Freizügigkeit (Artikel 11 Absatz 1 des Grundgesetzes) und der Unverletzlichkeit der Wohnung (Artikel 13 Absatz 1 des Grundgesetzes) werden insoweit eingeschränkt." (IfSG § 28, 1)

Kelber fährt fort: "Ferner wird hinsichtlich SARS-CoV-2 (undSARS-CoV) eine Meldepflicht auch bei negativer Testung eingeführt. Konkrete Ausführungen dazu, welche Vorteile sich hieraus gegenüber einer rein statistischen Erfassung ergeben, fehlen. Die verfassungsrechtlich erforderliche Abwägung mit dem Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung bleibt die Gesetzesbegründung ebenfalls schuldig. Die Erforderlichkeit und Verhältnismäßigkeit dieser Regelung bezweifle ich,  […].

Die Ausführungen in der Begründung lassen nicht ansatzweise erkennen, auf welcher Grundlage hier in die Grundrechte einer eklatanten Anzahl von Betroffenen eingegriffen werden soll. Die dürftigen Angaben in der Begründung deuten darauf hin, dass eine rein statistische Erfassung den Zweck ebenso erfüllen würde. Eine Abwägung mit dem Persönlichkeitsrecht der betroffenen Bürgerinnen und Bürgern findet nicht statt. […] Ich empfehle daher dringend, die Meldepflicht für negative Testungen zu streichen."

 

RKI und Mathe: Danke, setzen, 6 - 06.05.2020

Nachdem vor einigen Tagen schon Bundeskanzlerin Merkel über Bundesermächtigungsminister Spahn mit falschen Zahlen des RKI zu den aktuellen Infektionszahlen versorgt worden war (die von Merkel öffentlich genannte Zahl war um mehr als 10.000 zu hoch - RND 03.05.2020), scheinen die Mathematiker im RKI auch weiterhin große Probleme mit den Grundrechenarten zu haben: auch die veröffentlichte Zahl der SARS-CoV-2-Tests (ein zentraler Punkt in der aktuellen Diskussion) musste jetzt für die zurückliegende Woche deutlich (nach unten) korrigiert werden (tagesschau.de 06.05.2020) - die gute Nachricht: nach den neuen Zahlen liegt der Anteil der positiven Testergebnisse niedriger, als zuvor behauptet.

Experten veröffentlichen scharfe Kritik an Regierungsstrategie - 1.1 - update 05.05.2020

update 05.05.2020 - Die gleiche Expertengruppe hat nach einem Monat noch einmal nachgelegt - personell mittlerweile verstärkt durch den Hamburger Rechtsmediziner Püschel untersuchen sie erneut in einem ausführlichen Expertenpapier differenziert den Umgang mit COVID-19 in Deutschland - und üben scharfe Kritik:

so gibt es bei dieser "typischen Infektionskrankheit"  nach ihrer Ansicht "keinen Anlass […] in quasi metaphysischer Überhöhung alle Regeln, alles Gemeinsame, alles Soziale in Frage zu stellen oder sogar außer Kraft zu setzen."

Sie fordern "Präventionsstrategien [..., die] doch phantasievoller und erfindungsreicher ausgestattet sein müsste[n], als dies durch den mechanistischen Reflex zu „Kontaktsperren“ und „sozialer Isolation“ reflektiert wird" und kritisieren "In erster Linie fehlen energisch vorangetriebene Kohorten- und Clusterstudien, die Daten zur Prävalenz von SARS-CoV-2/Covid-19 in einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe und in Hochrisikogebieten (aktuell und im Verlauf) verfügbar machen, zunehmend auch begleitet von Antikörperbestimmungen (Seroprävalenz). […] Zahlenangaben sind widersprüchlich und verwirrend […] Die Forderung nach einer besseren Information der Öffentlichkeit ist erst recht bezüglich der Sterbefälle zu erheben, denn hier wird täglich ein Prozentsatz (gegenwärtig 3,8%) angegeben, der sich auf die Zahl der gemeldeten Fälle bezieht, ohne dass die Grundgesamtheit bekannt wäre (3,8% wovon)". Es brauche endlich eine "repräsentative Stichprobe mit Bildung einer kontinuierlich untersuchten Kohorte stellt den Standard für die Beurteilung der epidemiologischen Situation dar und wird in Deutschland immer noch zu wenig vorangetrieben".

Die Autoren wundern sich auch über die Kommunkationsstrategie von RKI und Bundesregierung und kritisieren: "Erstaunlich ist die verzögerte Kommunikation des Abfalls des R-Wertes bereits vor dem 23. März, vor allem da die gemessenen Werte eine Situation zu einem Zeitpunkt vor 14 Tagen widerspiegeln. […] Sprache und Kommunikation sind in Zeiten gesellschaftlicher Verunsicherung verantwortungsvoll zu benutzende Instrumente zur Steuerung von Verhalten und gesellschaftlichen Prozessen. Es ist dringend geboten, dass alle Verantwortungsträger sich dieser Verantwortung stärker im Sinne einer abwägenden Risikokommunikation bewusst werden. Ein Kommunikationsrahmen (framing), der auf einer dauerhaften, unabänderlichen Bedrohungssituation beruht, kann nur kurzfristig aufrechterhalten werden und muss durch positive Botschaften, die auf die Lösungskompetenz der Bürger und Bürgerinnen Bezug nehmen, ergänzt oder besser abgelöst werden."

Konkret weisen sie darauf hin "Kinder werden seltener infiziert, sie werden seltener krank, die Letalität liegt nahe bei null, und sie geben die Infektion seltener weiter, so dass der Öffnung unter entsprechender wissenschaftlicher Begleitung nichts im Wege stehen sollte. […] Weiterhin zeigen die Studien, die z.B. zur Wirksamkeit von Schulschließungen auf den Verlauf dieser (und anderer) Epidemien vorliegen, nur eine marginale Wirkung. Es kann […] nur die Empfehlung ausgesprochen werden, im Bereich der Kindergärten und Schulen die Rückkehr zu einer möglichst weitgehenden Normalisierung zu beschreiten." (Schrappe 2020).


Mehrere hochrangige Experten aus Gesundheits- und Sozialpolitik, darunter ehemalige Mitglieder des Sachverständigenrates der Bundesregierung, kritisieren in einem am 05.04. veröffentlichten Thesenpapier "Datenbasis verbessern - Prävention gezielt weiterentwickeln - Bürgerrechte wahren" (Schrappe 2020) scharf die aktuelle Pandemie-Strategie der deutschen Regierung. In dem Papier wird unter anderem die Strategie des Regierung, sich im wesentlichen auf die Expertise nur sehr weniger Fachleute zu stützen, kritisiert:

"Eine sinnvolle Beratung der politischen Entscheidungsträger muss mehrere wissenschaftliche Fachdisziplinen umfassen, wobei die diagnostischen Fächer (hier: Virologie), die klinischen Fächer (hier: Infektiologie, Intensivmedizin) und die Pflege ganz im Vordergrund stehen sollten. Da eine Epidemie jedoch nie allein ein medizinisch-pflegerisches Problem darstellt, sondern immer auf die aktuelle Verfasstheit der gesamten Gesellschaft einwirkt und auch nur im Rahmen einer gesamtgesellschaftlichen Anstrengung zu bewältigen ist, erscheint zusätzlich eine Mitwirkung von Vertretern der Sozialwissenschaften, Public Health, Ethik, Ökonomie, Rechtswissenschaft und Politikwissenschaft unverzichtbar."

Die Autoren erklären in Übereinstimmung mit internationalen Experten die aktuell vorhandenen Daten als unzureichend für die bisher getroffenen und bisher beibehaltenen Entscheidungen und eine Informationspolitik der Bevölkerung gegenüber, die sich zu stark auf vermeintliche Infektionszahlen und Todesfälle stützt - zu beiden Größen fehlen die Daten:

"Die zur Verfügung stehenden epidemiologischen Daten (gemeldete Infektionen, Letalität) sind nicht hinreichend, die Ausbreitung und das Ausbreitungsmuster der SARS-CoV-2/Covid-19-Pandemie zu beschreiben, und können daher nur eingeschränkt zur Absicherung weitreichender Entscheidungen dienen. […]

"Die Zahl der gemeldeten Infektionen hat nur eine geringe Aussagekraft, da kein populationsbezogener Ansatz gewählt wurde […] Die Zahlen zur Sterblichkeit (Case Fatality Rate) überschätzen derzeit das Problem und können nicht valide interpretiert werden. [Auch wegen der] fehlenden Berücksichtigung der attributable mortality: es ist nicht klar, inwieweit die beobachtete Letalität tatsächlich auf die Infektion mit SARS-CoV-2 zurückzuführen und nicht durch die Komorbidität oder den natürlichen Verlauf zu erklären ist; [zusätzlich fehlt ein ] Periodenvergleich über mehrere Jahre in gleichen Patientenkollektiven vergleichbarer Morbidität: es gibt keine Erkenntnisse über die excess-mortality im Vergleich zu einer Alters-, Komorbiditäts- und Jahreszeit-gematchten Population in den zurückliegenden Jahren. […]

"Unter Berücksichtigung dieser […] Teststrategie ist es nicht sinnvoll, von einer sog. Verdopplungszeit zu sprechen und von dieser Maßzahl weitreichende Entscheidungen abhängig zu machen."

Auch die bisherige Präventionsstrategie wird scharf kritisiert:

"Die allgemeinen Präventionsmaßnahmen (z.B. social distancing) sind theoretisch schlecht abgesichert, ihre Wirksamkeit ist beschränkt und zudem paradox (je wirksamer, desto größer ist die Gefahr einer „zweiten Welle“) und sie sind hinsichtlich ihrer Kollateralschäden nicht effizient."

Sie sehen die gesellschaftspolitischen Kollateralschäden der ergriffenen Maßnahmen völlig unzureichend durchdacht:

"Die derzeitig angewandte allgemeine Präventionsstrategie (partieller shutdown) kann anfangs in einer unübersichtlichen Situation das richtige Mittel gewesen sein, birgt aber die Gefahr, die soziale Ungleichheit und andere Konflikte zu verstärken. […] Demokratische Grundsätze und Bürgerrechte dürfen nicht gegen Gesundheit ausgespielt werden. […]

Obwohl Solidarität und Verbundenheit eingefordert wird, ist davon auszugehen, dass die SARS-CoV-2/Covid-19-Pandemie und die bisherigen allgemeinen Präventionsmaßnahmen auf gesellschaftliche Prozesse einwirken und bestehende Konfliktlinien vertiefen. In erster Linie trifft dies auf die Problematik der sozialen Ungleichheit zu, denn allein die Bevölkerungs-bezogenen Maßnahmen treffen Personen mit niedrigem Einkommen und Selbstständige deutlich stärker als Personen mit größerem finanziellen Spielraum. In zweiter Linie wird die derzeitige Legitimationskrise des demokratischen Systems verschärft, denn erneut wird die Alternativlosigkeit des exekutiven Handelns dem demokratischen Diskurs gegenübergestellt (z.B. Reduktion der parlamentarischen Kontrolle). Die beiden letztgenannten Punkte werden verstärkt durch – drittens - ökonomische Risiken, die mit dem Fortbestehen und den eventuellen Verschärfungen in der Einschränkung von Freizügigkeit und Berufsausübung verbunden sind. Viertens besteht die Gefahr, dass unter Verweis auf den unaufschiebbaren Handlungsbedarf autoritäre Elemente des Staatsverständnisses aus Ländern mit totalitären Gesellschaftssystemen in das deutsche Staats- und Rechtssystem übernommen werden (z.B. individuelle Handyortung)."

Die Experten kritisieren allgemeine Ausgangsbeschränkungen und plädieren für eine gezielte Präventionsstrategie:

"So ist es […] nicht nachvollziehbar, warum sich Kinder und Personen jüngeren Alters nicht frei bewegen können, zumindest solange sie ältere Personen oder solche mit Prädispositionen nicht kontaktieren. […] Die […] genannten Risikogruppen (hohes Alter, Multimorbidität, nosokomiales Risiko, Kontakt zu Clustern) müssen durch zielgerichtete Präventionsstrategien adressiert werden und sich auf den Schutz dieser vulnerablen Gruppen konzentrieren."

COVID-19 - das Ende des rechtsstaatlichen Datenschutzes wie wir ihn kennen - 05.05.2020

Zu den ersten Opfern der COVID-19-Pandemie in Deutschland gehörten der Datenschutz und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Der Zustand beider Patienten verschlechtert sich zusehens, nachdem die Baden-Württembergische Landesregierung am 04.05. (tagesschau.de 04.05.2020) per Verordnung (so regiert man derzeit gerne...) der Polizei unmittelbaren Zugriff auf Gesundheitsdaten von COVID-19-Infizierten gewährt .

Führender Epidemiologe kritisiert fehlende Evidenz für politische Entscheidungen - 05.05.2020

Mit Ulrich Keil, Epidemiologe der Universität Münster, ehemaliger Berater der WHO und langjähriger Vorsitzender der europäischen Region der International Epidemiological Association, dem Weltverband der Epidemiologen, beklagt ein weiterer führender Epidemiologe das Fehlen wissenschaftlicher Evidenz als notwendige Grundlage politischer Entscheidungen und stellt COVID-19 epidemiologisch in den Kontext üblicher saisonaler Grippe-Epidemien (NachDenkSeiten 04.04.2020)

Erste Studie aus Deutschland: Infektionssterblichkeit bei COVID-19 bei 0,36% - update 05.05.2020

Mittlerweile liegen die abschließenden Ergebnisse der ersten Feldstudie mit Seroprävalenz- und Sterblichkeitsdaten vor, die Prof. Henrik Streeck von der Universität Bonn durchführte. Sie bestätigen die zunächst vorläufigen Daten aus der ersten Teilanalyse vom 09.04., vor allem im Bezug auf die damals unerwartet niedrige Infektionssterblichkeit von 0,36%. (Dt. Ärzteblatt 04.05.2020).

Moderne Impfstofftechnologie für Anfänger - Teil 1 - 04.05.2020

Hier versuche ich, moderne Impfstofftechnologien wie mRNA-Impfstoffe oder Virus-Vektor-Impfstoffe, deren Möglichkeiten und Risiken auch für bekennende Nicht-Molekularbiologen verständlich zu erklären.

Statistik für Fortgeschrittene Teil 3 - 03.05.2020

Und hier ein dritter, ebenfalls sehr lesenswerter Teil der statistischen Aufbereitung der RKI-Zahlen durch den Regensburger Psychologen Prof. Christof Kuhbandner.

WHO lobt Schwedens Strategie als vorbildlich - 02.5.2020

Der für COVID-19 zuständige WHO-Direktor Mike Ryan nannte Schwedens Strategie, COVID-19 durch moderates social distancing und Appelle an die Vernunft der Bevölkerung und nicht mit einem drakonischen lockdown der Gesellschaft zu begegnen vorbildlich: "If we are to reach a 'new normal', in many ways Sweden represents a future model. […] What it has done differently is that it really, really has trusted its own communities to implement that physical distancing." (sveriges radio 30.04.2020).

Dazu passend meldet das Redaktionsnetzwerk Deutschland, dass in Schweden die Reproduktionszahl mittlerweile unter 1,0 liege (RND 02.05.2020)

S. hierzu auch hier.

Kinder spielen bei Übertragung von COVID-19 kaum eine Rolle - Schulschließungen wenig effektiv - update 02.05.2020

Zu den Maßnahmen, die sozial und ökonomisch die schwersten und problematischsten Auswirkungen haben, gehören die weltweit früh verfügten Schulschließungen - nun zeigt eine aktuelle englische Studie, dass diese wahrscheinlich weitgehend nutzlos sind: "We find that interventions aimed at halting transmission in children may have minimal effects on preventing cases depending on the relative transmissibility of subclinical infections […] For COVID-19, school closures are likely to be much less effective than for influenza-like infections where children play a more substantial role in transmission." [Wir fanden heraus, dass Maßnahmen, die auf die Unterbrechung der Übertragung bei Kindern zielen nur minimale Effekte auf die Verminderung von Fällen in Bezug auf die Übertragung symptomarmer Infektionen haben könnten. […] Für Covid-19 sind Schulschließungen wahrscheinlich viel weniger effektiv als für grippale Infekte, bei denen Kinder eine wesentlichere Rolle für die Übertragung spielen.] (Davies 2020).

Die Haushaltsstudie von Jing (s. hier) legt nahe, dass das Risiko sich mit SARS-CoV-2 überhaupt erst einmal anzustecken, unter identischen Bedingungen für Kinder viel geringer ist, als für Erwachsene, dies wurde mittlerweile durch weitere Studien bestätigt (Zhang 2020).

Und: Kinder sind offenbar nur sehr selten Ausgangspunkt für Ansteckungsketten ("Indexpatienten") (Rijksinstituut 2020, Zhu 2020).

Auch die WHO sieht Kinder bei COVID-19 in einer völlig anderen Rolle als bei der Influenza (Hervorhebung von mir): "Children are important drivers of influenza virus transmission in the community. For COVID-19 virus, initial data indicates that children are less affected than adults and that clinical attack rates in the 0-19 age group are low. Further preliminary data from household transmission studies in China suggest that children are infected from adults, rather than vice versa.(WHO 2020). Ein Phänomen, das von der SARS-Pandemie 2003 (auch Corona-Virus) wohl bekannt ist (Stockman 2007).

Und Daten aus Island, wo früh repräsentative Untersuchungen zu SARS-CoV-2 erhoben wurden, zeigen, dass Kinder unter 10 Jahren extrem selten symptomatisch erkranken und auch bei den Infektionen selten betroffen sind: "in the population screening, no child under 10 years of age had a positive result" (Gudbjartsson 2020); dies bestätigt sich auch in Daten aus Italien, wo einzig in der Stadt Vò tatsächlich eine Untersuchung aller Einwohner durchgeführt wurde: kein Kind unter 10 Jahren wies einen positiven Abstrich auf SARS-CoV-2 auf (Lavezzo 2020).

Eine Übersichtsarbeit über die Effektivität von Schulschließungen zur Kontrolle epidemischer Erkrankungen kann sich nur auf Daten relativ schlechter Qualität stützen "data provided on the effect of school measures were of relatively low quality". Die einzigen Daten von Corona-Ausbrüchen, sind historische der SARS-Epidemie, hier fassen die Autoren zusammen: "school closures […] did not contribute to control of infection transmission" und die einzige Modellierung, die Schulschließungen als alleinige Maßnahme bei COVID-19 untersuchte fand einen "relativ marginalen Einfluss" (Viner 2020).

Weiteres über COVID-19 und Kinder s. auch hier.

Eine gute Übersichtsarbeit dazu findet sich im Deutschen Ärzteblatt. - sie fasst zusammen: "Nach derzeitigem Wissen scheinen Kinder nicht wesentlich an der Übertragung von SARS-CoV-2 beteiligt zu sein. Deshalb die flächendeckende Schließung von Schulen, Kindergärten und Kinderkrippen sicherlich weniger als erwartet zur Eindämmung der Pandemie beiträgt. Im Anbetracht der erheblichen Nebenwirkungen der Schließungen sollte dem Recht der Kinder auf Bildung und Teilhabe an der Gesellschaft Vorrang eingeräumt werden." (Schober 2020) - die selben Autoren haben auch in der FAZ eine kritische Stellungnahme zu den Drosten-Behauptungen veröffentlicht (FAZ 01.05.2020).

Helmholtz & Co - Wenn so deutsche Spitzenforschung aussieht... - 30.04.2020

"Ungewöhnlich einträchtig präsentiert sich die deutsche Spitzenforschung in einem Strategie-Papier zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie." (SZ vom 30.04.2020), "um gemeinsam zur Datenlage Stellung zu nehmen"... .

Wie ist die Datenlage? Mit einem Wort: katastrophal.

Zwei Monate nach dem Übergreifen dieser Pandemie auf Deutschland:

  • gibt es keinerlei wissenschaftlich fundierte, repräsentative Daten zu Häufigkeit einer COVID-19-Infektion in der Bevölkerung (Prävalenz)

  • gibt es keinerlei wissenschaftlich fundierte, repräsentative Daten zum zeitlichen Verlauf der Erkrankung (Inzidenz - Neuinfektionen pro Tag/Woche/Monat)

  • gibt es keinerlei wissenschaftlich fundierte, repräsentative Daten zur Häufigkeit schwerer Verlaufsformen oder Komplikationen bezogen auf die Gesamtzahl der Infizierten

  • gibt es keinerlei wissenschaftlich fundierte, repräsentative Daten zur Häufigkeit von Todesfällen bezogen auf die Gesamtzahl der Infizierten

  • gibt es keinerlei wissenschaftlich fundierte, repräsentative Daten zu der Häufigkeit, mit der verschiedene Altersgruppen von der Infektion (!) betroffen sind.

Deutsche Spitzenforscher und Behördenvertreter gefallen sich seit Wochen darin, aus den Zahlen völlig unsystematisch erhobener Testergebnisse (getestet wird, wer sich selber testen lassen möchte und die Möglichkeit dazu hat oder wen seine Hausärztin/sein Hausarzt zum Testen schickt) mit gewichtiger Miene und hochgradig medienwirksam hochwissenschaftlich klingende Kenngrößen herauszuraten... Reproduktionszahl... infection fatality ratio... Verdopplungszeit... und noch drakonischere Maßnahmen gegen eine Pandemie zu fordern, die sie nicht einmal wissenschaftlich korrekt beschreiben können.

Alle Kennziffern zu COVID-19 in Deutschland sind systematisch verfälscht!

Sie unterliegen einem so genannten bias, einem systematischen Fehler, weil sie sich eben immer nur auf subjektive oder iatrogene Verdachtsfälle und eben nicht auf die Gesamtbevölkerung beziehen.

Und genau daran krankt auch das Papier der deutschen Spitzenforscher: man kann zwar eine "Reproduktionszahl" aus den Daten konstruieren und kann - und darauf legt diese Veröffentlichung ja großen Wert - sich bestätigt fühlen, wenn verschiedene Konstruktionsverfahren zu ähnlichen Ergebnissen führen... wenn aber die Datengrundlage dazu nicht geeignet ist, ist das Ergebnis trotzdem: wissenschaftlicher Müll - GIGO, wie es in der Informatik heißt: garbage in - garbage out.

So zieht sich das institutionelle Versagen geradezu pandemisch vom Gesundheitsministerium (Stichwort: Schutzausrüstung) über die Auguren des RKI (s.o.) bis hin in die deutsche "Spitzenforschung": wer wenn nicht z.B. das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (!) sollte denn die oben aufgelisteten, so dringlich nötigen Daten liefern?

Es scheint, dass zu den bedrohlichsten Nebenwirkungen von COVID-19 eine so bisher kaum bekannte wissenschaftliche Agnosie gehört, deren Aufarbeitung neben so vielem anderen zu den Aufräumarbeiten nach dem Überstehen der Pandemie gehören wird.

Diese Form epidemiologischer Hieroskopie wäre schon jetzt ein wissenschaftlicher running gag - hinge nicht so Vieles und so Entscheidendes von der "Expertise" dieser Professores ab...

Drosten und die Kinder - Zahlen mit einem Ziel.... - 30.04.2020

Bei aller situationsbedingten Begrenztheit unseres Wissens über COVID-19 gab es sehr früh im Verlauf der Pandemie klare Hinweise darauf, dass:

  • Kinder überhaupt nur selten an COVID-19 erkranken

  • Kinder wenn überhaupt in aller Regel nur leichte Verläufe der Erkrankung zeigen

  • KiTa- und Schulschließungen nur minimale Effekte auf die Ausbreitung der Erkrankung haben

  • Kinder sich offensichtlich auch seltener anstecken als Erwachsene (das ist nicht das gleiche, wie dass sie seltener erkranken)

  • Kinder selten "Indexpatienten" (also: der Ausgangspunkt) von Ansteckungsketten sind

Gerade die systematischsten Bevölkerungsuntersuchungen zu COVID-19 bisher, - die Abstrichuntersuchungen in Island bei immerhin einem Prozent der Bevölkerung - fanden bei Kindern bis zum Alter von 10 Jahren gar keine positiven SARS-CoV-2-Abstriche "in the population screening, no child under 10 years of age had a positive result" (Gudbjartsson 2020) und auch in chinesischen Familienstudien steckten sich Kinder viel seltener an, als die im gleichen Haushalt lebenden Erwachsenen (Jing 2020, Zhang 2020) - Nähes dazu siehe hier und hier.

Einige dieser Fakten unterscheiden COVID-19 klar von der Influenza, bei der Kinder für die Ansteckungsketten eine entscheidende Rolle spielen, weil gerade jüngere Kinder Influenzaviren länger ausscheiden, als ältere oder Erwachsene und weil - so Chefcoronoiker Christian Drosten gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland - die Viruskonzentration bei Kindern 10.000 mal höher liegen könne, als bei Erwachsenen (RND 29.04.2020).

Um eben diesen einen letzten Punkt - die Viruskonzentration im Rachen bei COVID-19-Infektion - im Vergleich zwischen Kindern und Erwachsenen ging es bei einer jetzt an der Charité unter Drostens Leitung durchgeführten Studie, die mittlerweile (ohne peer review) veröffentlicht wurde (Jones 2020). Das Ergebnis ist im Sinne der von Drosten selber vorformulierten Fragestellung hocherfreulich - eigentlich: es zeigt nämlich, dass anders als bei der Influenza die Viruskonzentration bei mit COVID-19-infizierten Kindern nicht höher ist, als bei infizierten Erwachsenen. Also eigentlich Entwarnung?

Nein - denn die Forscher ignorieren das offenbar geringere Ansteckungsrisiko, das Kinder bei COVID-19 haben (s.o.), sie ignorieren die Studien, die für COVID-19 eine weitestgehende Unwirksamkeit von KiTa- und Schulschließungen nachweisen (s.o.) und überinterpretieren ihr eigenes, rein virologisches (nicht: epidemiologisches!) Labor-Forschungsergebnis als Grund, auf keinen Fall ernsthaft über Lockerungen beim shutdown von KiTas oder Schulen nachzudenken.

Auch eine zur Veröffentlichung anstehende Übersichtsarbeit deutscher Pädiater über die Rolle von Kindern bei SARS-CoV-2 kritisiert die Rückschlüsse von Drosten et al:  "... der Rückschluss – Kinder und Erwachsene seien somit vergleichbar infektiös – [ist] nicht zulässig. Bei dieser Studie liegt eine erhebliche Verzerrung vor, da primär symptomatische Patienten getestet wurden." und darüber die Zahl von 16 in der Analyse berücksichtigten Kindern bei insgesamt fast 60.000 Probanden "wenig repräsentativ" sei (Schober 2020).

Honi soit, qui mal y pense - mit diesem französischen Sprichwort (Ein Schelm, wer Arges dabei denkt) hatte Wolfgang Kubicki schon die Zahlenspiele des RKI als wohl politisch motiviert scharf kritisiert...  wer im Vorfeld - wie Drosten hier - klare Fragestellungen öffentlich formuliert und die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen dann so, drücken wir es vorsichtig aus: einseitig interpretiert und als Virologe erneut politische Forderungen in wissenschaftlichen Arbeiten nicht einmal versteckt ("Based on these results, we have to caution against an unlimited re-opening of schools and kindergartens in the present situation" - Jones 2020) formuliert, disqualifiziert sich (einmal mehr) als unvoreingenommener Berater einer demokratischen Regierung.

Experten-Anfrage an die Bundestags-Fraktionen... - 30.04.2020

In einer gemeinsamen Anfrage an die Bundestagsfraktionen zu den Regierungsmaßnahmen geben fünf deutsche Hochschullehrer verschiedener Fakultäten ihren Zweifeln an der Angemessenheit der in Deutschland ergriffenen Maßnahmen gegen die COVID-19-Pandemie Ausdruck.

Spahn: Hohe Freiwilligkeit macht Impfpflicht gegen COVID-19 unnötig... ach so? - 29.04.2020

Hat Jens Spahn die Bedenken des Vereins "Ärzte für individuelle Impfentscheidung eV" gegen eine mögliche COVID-19-Impfpflicht, die der Verein in einem Positionspapier vor einigen Tagen veröffentlicht hatte (s. hier), etwa gelesen und ernst genommen?

Auf einer Pressekonferenz am heutigen 29.04. sagte Spahn, sein Eindruck sei, dass viele Menschen sich diese Impfung ohnehin wünschten und: "Überall da, wo wir durch Bereitschaft und gutes Argumententieren zum Ziel kommen, braucht es aus meiner Sicht keine Pflicht." (Im Video ab Minute 31:10)

 

Ein interessantes Argument im zweiten Monat des bestehenden Masernimpfzwangs - dieser war, daran sei kurz erinnert, dekretiert worden, obwohl seit vielen Jahren 97% der Eltern in Deutschland ihre Kinder freiwillig gegen Masern impfen ließen... (s. hier)

COVID-19 - Endlich wird mal Geld damit verdient.... - 29.04.2020

Wenn schon ein COVID-19-Impfstoff kaum rechtzeitig kommen wird, um die Coronoia als umsatzsteigerndes Argument nutzen zu können, so werden die Impfstoffhersteller jetzt zumindest über den Influenza-Impfstoff staatlich subventioniert - Bundesermächtigungsminister Spahn hat angekündigt, dass der Bund jetzt 4,5 Millionen Dosen Influenzaimpfstoff kaufen werde um das "Horrorszenario" einer gleichzeitigen Influenza- und COVID-19-Saison in Herbst und Winter abzumildern (Neue Osnabrücker Zeitung 29.04.2020)

Dumm nur, dass

  • erstens die Wirksamkeit des Influenzaimpfstoffs in ihrer Zuverlässigkeit unverändert weit hinter einschlägigen langfristigen Wettervorhersagen zurückbleibt (s. z.B. hier)

  • zweitens Hinweise darauf bestehen, dass die Influenza-Impfung die Infektion mit Corona-Viren unter Umständen begünstigen könnte (s. hier).

Keine ungewöhnliche Übersterblichkeit in NRW durch COVID-19 - 29.04.2020

Der politische Über- und Unterbietungswettbewerb trägt derzeit schon merkwürdige Blüten - wie hier berichtet, hat Destatis (das Statistische Bundesamt) seine Sterbefall-Statistik deutlich verändert und bundesweite Zahlen schon bis zum 15.03. veröffentlicht - übermorgen folgen die für den Zeitraum bis zum 31.03. .

So lange wollte NRW offensichtlich nicht warten und präsentierte seine Zahlen schon heute - sie zeigen - trotz "Heinsberg" - keinerlei COVID-19-Effekt....

Todesfälle NRW

(Quelle: it.nrw Abruf 29.04.2020)

 

Corona-Daten-App - wie viel 1984 hätten's denn gern? - update 29.04.2020

Update 29.04.: Eine gute Zusammenstellung von FAQs zur geplanten App liefert die Tagesschau (tagesschau.de 29.04.2020)


Update 26.04.: Die Bundesregierung lenkt ein - wie Kanzleramtschef Helge Braun dem ARD-Hauptstadt-Studie mitteilte, werde man jetzt doch "eine dezentrale Architektur vorantreiben, die die Kontakte nur auf den Geräten speichert und damit Vertrauen schafft". Ein Sprecher des Chaos Computer Clubs, der die bisherige Strategie gemeinsam mit anderen Experten scharf kritisiert hatte, lobte diesen Kurswechsel: "Ich halte das für eine sehr gute Entscheidung." Das Signal, das die Bundesregierung an mögliche Nutzer und Nutzerinnen der App aussende, sei nun: "Du kannst uns vertrauen, weil du uns nicht vertrauen musst." (tagesschau.de 26.04.2020). Über die Gründe der Strategieänderung darf spekuliert werden - nach der klaren Ansage von Apple und Google, als den entscheidenden Unternehmen für die Implementierung der App auf den gängigen Smartphone-Betriebsystemen, zur alleinigen Unterstützung dieser dezentralen Konzeption ist es wohl nicht unrealistisch hier den wesentlichen Faktor zu sehen...


Update 25.04.: Nach Informationen der Tagesschau sind weder Apple noch Google bereit, von ihren Konzepten einer dezentralen (und damit datenschutzfreundlicheren) Corona-App abzurücken - dies hätten sie in einer Videokonferenz mit Teilen des EU-Parlaments unmissverständlich deutlich gemacht (tagesschau.de vom 25.04.2020). Bliebe es dabei, wäre Spahns Festhalten an einer anderen Lösung hinfällig, “weil sich die beiden großen Anbieter mobiler Betriebssysteme dagegen entschieden haben.”, so der Chaos Computer Club CCC laut tagesschau.de.


Update 24.04.: Die Entscheidung von Bundesermächtigungsminister Spahn für die datenschutzfernste aller möglichen Corona-App-Lösungen erntet scharfe Kritik: mehrere Fachverbände - davon einige politiknahe wie D64 (SPD) oder Load (FDP, die Gesellschaft für Informatik, die Stiftung Datenschutz und der Chaos Computer Club CCC - schrieben Brandbriefe an Spahn und Helge Braun, den Chef des Bundeskanzleramtes. Der gewählte Ansatz sei "der problematischste unter den vorliegenden Entwürfen", das "lückenlose zentrale Verfolgen der Aufenthalte aller Bürger" sei "das Horrorszenario schlechthin" (CCC) - schon die "Datenspende-App" des RKI sei "sorglos hingeschludert" gewesen und hätte gezeigt, "dass die anfallenden sensiblen Datenhalden nicht angemessen geschützt werden und von Innen- und Außentätern missbraucht werden könnten". (heise.de 24.04.2020)


Update 23.04.: Die Antwort lautet: 's darf gern reichlich mehr 1984 sein... Wie das Handelsblatt heute berichtet, hat sich Bundesermächtigungsminister Jens Spahn - seinen bisherigen imperialen Bestrebungen getreu - die zuletzt von Datenschützern und IT-Experten deutlich kritisierte PEPP-PT-Lösung entschieden, ausdrücklich mit zentraler Datenerfassung und Speicherung. „Das Vorgehen der Bundesregierung ist […] tödlich für die Akzeptanz einer App-Lösung" zitiert das Handelsblatt den Fraktionsvize der Grünen von Notz. (Handelsblatt 23.04.2020)


Update 22.04.: das DP3T-Konzept scheint unmittelbar vor der "Marktreife" zu stehen - die unter Mitwirkung des Schweizerischen Bundesamtes für Gesundheit BAG entwickelte App werde "auf dem DP3T-Konzept […] basieren und die neuen Google und Apple Contact-Tracing-APIs nutzen, sobald diese verfügbar sind", so Pascal Strupler, Direktor des BAG. Auch Apple und Google favorisieren ja - pikanterweise im Gegensatz zu Bundesregierung und RKI - einen dezentralen Ansatz ihrer abgestimmt entwickelten Apps. Damit sei die hochnotwendige privacy-by-design-Konzeption konsequent umgesetzt und der Quellcode werde open source veröffentlicht (ein Protokoll der Entwicklung ist es bereits) (heise.de 22.04.2020).

Im Gegensatz zum datenschutzfreundlichen Ansatz der Schweizer Regierung favorisiert Jens Spahns Ministerium die zentrale Speicherung und Verarbeitung der erhobenen Daten - es sei auch noch offen, wer dann über die Daten verfügen dürfe... (Ärzteblatt 22.04.2020)

Um die Fortentwicklung der europäischen Corona-App PEPP-PT ist mittlerweile ein erbitterter Konflikt unter Wissenschaftlern verschiedenster Fachrichtungen entbrannt, der in einem offenen Brief eskalierte, mit dem sich ein nennenswerter Teil der Entwickler dieser App von ihrer derzeitigen Weiterentwicklung distanzieren, darunter auch z.B. das Helmholtz-Institut für Informationssicherheit (CISPA) (s.a. science media center)

Zur Erinnerung: konzipiert war dieses bislang einmalige europäische joint venture als eine Möglichkeit, Menschen, die in der kritischen Phase der Ansteckungsfähigkeit Kontakt zu einem später als SARS-CoV-2-positiv Diagnostizierten hatten, zu warnen, ohne dass die eigentliche Identität der Kontakte oder des COVID-19-Patienten bekannt sein mussten (anschauliche Erklärungen, wie dies funktionieren sollte, finden Sie hier).

Der entscheidende Punkt, der sich jetzt als einer der beiden Hauptstreitpunkte herauskristallisiert:

zu keinem Zeitpunkt wäre die Daten der Betroffenen auf einem zentralen Server erfasst worden, alles wäre unter strikter Wahrung der Anonymität und vor allem: dezentral abgelaufen - ein unter dem Aspekt des Schutzes von Gesundheitsdaten nicht zu überschätzender Vorteil: Daten, die nicht erfasst werden, können auch nicht missbraucht werden. Thorsten Holz, der den Lehrstuhl Systemsicherheit an der Ruhr-Universität Bochum leitet und an der Entwicklung von PEPP-PT beteiligt war: "Die Privatsphäre kann über dezentrale Ansätze besser gewährleistet werden […] Eine zentrale Datenbank könnte ein interessantes Ziel für Angreifer sein oder gar von den Betreibern missbraucht werden. So eine zentrale Instanz, die alles überwacht, ist problematisch." 

Auch das EU-Parlament favorisiert eine dezentrale Lösung, und forderte in einer mit überwältigender Mehrheit angenommenen Stellungnahme "that [...] the generated data are not to be stored in centralised databases, which are prone to potential risk of abuse and loss of trust and may endanger uptake throughout the Union […] all storage of data [must] be decentralised”. Apple und sogar Google (!) forschen gemeinsam ebenfalls an dezentralen App-Konzepten.

Die aktuelle Weiterentwicklung dieses App-Konzeptes wendet sich aber gerade von dieser Kern-Idee ab und sieht mittlerweile eine zentrale Erfassung, Speicherung und Weiterleitung der jeweiligen Daten vor.

Darüber hinaus wird ein zweiter zentraler Punkt aufgegeben: die Verwendung quelloffener, so genannter "open source"-Software, bei der der gesamte Code eines Programms öffentlich einsehbar und damit auf z.B. Hintertüren für staatliche Stellen überprüfbar ist. "Bei einer App, die sensible Daten von vielen Millionen Menschen sammelt, darf die Entwicklung nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden." so Tibor Jager, Professor der Uni Wuppertal, Experte für Kryptographie und IT-Sicherheit und einer der Mitarbeiter am PEPP-PT-Projekt. Die fehlende Quell-Offenheit ist einer der Vorwürfe, der auch z.B. der Corona-Datenspende-App des RKI gemacht wird.

Viele der ehemaligen PEPP-PT-Experten und -Forscher arbeiten mittlerweile an einer Weiterentwicklung im Sinne der ursprünglichen Idee: dezentral und open source - dem DP-3T-Projekt, das offenbar schon weit fortgeschritten und kurz davor, in Form von open source-Apps veröffentlicht werden zu können. (SZ 20.04.2020).

Ein tieferer Einblick in die Diskussion über PEPP-PT, DP-3T und noch andere alternative Konzepte findet sich hier oder hier.

Kubicki: RKI-Zahlenspiele "politisch motiviert" - 28.04.2020

Die zugehörige Meldung von tagesschau.de ist so treffend formuliert (und die Kritik Kubickis so punktgenau), dass sie hier in Gänze zitiert wird:

Vize-FDP-Chef Wolfgang Kubicki hat das Robert Koch-Institut RKI und seinen Präsidenten Lothar Wieler wegen der regelmäßig verbreiteten Corona-Zahlen scharf kritisiert. Diese "vermitteln eher den Eindruck, politisch motivierte Zahlen zu sein als wissenschaftlich fundiert", sagte Kubicki. Er wies insbesondere auf den Reproduktionszahl hin, die nach RKI-Angaben bundesweit von 0,9 auf 1,0 gestiegen ist. Während Ministerpräsident Markus Söder für Bayern, das Land mit den meisten Infektionen, einen R-Wert von 0,57 verkünde, melde das RKI bundesweit einen Wert von 1, sagte Kubicki. "Woher dieser Wert bei sinkenden Infektionsraten kommen soll, erschließt sich nicht einmal mehr den Wohlmeinendsten."

Dass Wieler auf einen Methodenwechsel bei der Berechnung des Wertes und nunmehr auf seine abnehmende relative Bedeutung hinweise, sei erstaunlich. "Es trägt nicht dazu bei, die täglichen Wasserstandsmeldungen des Instituts noch für seriös zu halten." Hinzu komme, dass die vom Helmholtz-Zentrum und der TU Ilmenau ermittelten Werte deutlich von den Schätzungen des RKI abwichen, sagte Kubicki, der auch Vizepräsident des Bundestags ist."Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Der R-Wert des RKI steigt ausgerechnet zur Konferenz der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten, bei der vor weiteren Lockerungen gewarnt werden soll."

CDU: Geld für Daten - 27.04.2020

Daten sind (der CDU) bares Geld wert - der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Bundestagsfraktion fordert laut tagesschau.de Steuervorteile für Nutzer der (noch nicht existierenden) Corona-App.

Ein interessanter Gedanke: eine App, die streng pseudonymisiert und dezentral Daten erheben soll, ist dann die Grundlage einer (wahrscheinlich ebenfalls pseudonymisierten?) Steuererleichterung? Na ja - ist halt "Neuland", dieses Internet....

Schwedischer Epidemiologe: lockdown verschiebt die Toten in die Zukunft - 27.04.2020

Johan Giesecke, einer der renommiertesten Epidemiologen Schwedens, erklärt in einem Interview den "Schwedischen Sonderweg" mit erstens dem Bestreben, nur Maßnahmen mit wissenschaftlicher Evidenz zu beschließen (und die haben weder lockdown, noch Schulschließungen, noch Gesichtsmasken) und zweitens dem Appell an die Vernunft der Bevölkerung.

Die derzeit höheren Sterblichkeitsraten in Schweden (verglichen mit europäischen lockdown-Staaten) rät er, in einem Jahr noch einmal zu vergleichen: "Mit dem Lockdown haben Sie die Toten nur in die Zukunft verschoben. […] Wir sollten in einem Jahr über die Zahl der Toten sprechen und […] vergleichen. Dann wird die Zahl in etwa gleich hoch sein. Mit dem Unterschied, dass Schwedens Wirtschaft verhältnismäßig besser dastehen wird." (addendum.org 24.04.2020).

Hamburger Rechtsmediziner: Die Zeit der Virologen ist vorbei - update 27.04.2020

Update 27.04.2020: Mittlerweile ist die Zahl der untersuchten Sterbefälle in Hamburg auf 133 gestiegen - die Kernaussage bleibt die gleiche: alle hatten "erhebliche" Vorerkrankungen (Hamburger Abendblatt 27.04.2020).


In Hamburg werden - anders als in anderen Bundesländern - alle mit der Diagnose COVID-19-Gestorbenen rechtsmedizinisch untersucht. Der dafür zuständige Chefarzt der Rechtsmedizin, Prof. Klaus Püschel, weist vor dem Hintergrund der dabei gewonnenen Erfahrung immer wieder darauf hin, wie entscheidend die Unterscheidung ist, ob ein Patient an der Erkrankung COVID-19, oder an seinen Vorerkrankungen mit der (Neben-) Diagnose COVID-19 verstarb.

Das Fehlen dieser Differenzierung bei der Erfassung der Todesfälle durch das RKI kritisiert Püschel scharf, auch die zwischenzeitliche (mittlerweile in Teilen zurückgenommene) Empfehlung des RKI, an COVID-19 Verstorbene nicht zu obduzieren - dies sei eine „völlig falsche Maßnahme“ "Zurzeit schreiben wir alles der Infektion zu, was irgendwie möglich ist. Das ruft einen völlig falschen Eindruck hervor.“ (Hamburger Abendblatt 11.04.2020).

Nach seinen Erkenntnissen ist COVID-19 "eine vergleichsweise harmlose Viruserkrankung". „Wir haben bisher niemanden gefunden, der keine Vorerkrankungen hatte. Alle diese Menschen hatten ernsthafte Vorerkrankungen, auch diejenigen, die in den 50ern waren, die wussten es bloß nicht“ (Hamburger Abendblatt 11.04.2020). Diese Vorerkrankungen seien so schwer gewesen, dass die Betroffenen, "auch wenn das hart klingt, alle im Verlauf dieses Jahres gestorben wären".

Und er fügt hinzu: "Die Zeit der Virologen ist vorbei. Wir sollten jetzt andere fragen, was in der Coronakrise das Richtige ist..." (Hamburger Abendblatt 15.04.2020).

Statistik für Fortgeschrittene Teil 2 - 24.04.2020

Der Regensburger Psychologie-Professor Christof Kuhbandner hat hier einen zweiten Teil seiner entlarvenden Analysen der offiziellen Fall- und Meldestatistiken veröffentlicht.

Ethikrat-Vorsitzender: lockdown v.a. für Kinder unverhältnismäßig - 23.04.2020

Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Peter Dabrock, kritisierte in einem Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk die Maßnahmen der sozialen Isolation aufgrund des lockdown scharf vor allem mit ihren Auswirkungen auf Kinder:

"Bei den Kindern muss man vor allen Dingen an die Jüngeren in den Kitas denken, die, im Alter von drei bis fünf Jahren, plötzlich im Grunde mit null Perspektive konfrontiert sind. Deren Eltern erfahren: Ein halbes Jahr lang dürfen die Kinder nahezu nicht mehr in Kontakt mit anderen Kindern sein. Eine soziale Isolation in diesem jungen, für das ganze Leben prägenden Alter - das halte ich für einen schweren Grundrechtseingriff. Da erwarte ich von der Politik, dass es zwischen den derzeitigen schwarz-weiß Alternativen, also "öffnen" oder "schließen", noch Mittelwege gibt. Dieser schwere Grundrechtseingriff darf meines Erachtens so nicht mehr weitergehen. Das ist unverhältnismäßig." (BR.de 20.04.2020)

Humor ist, wenn man trotzdem lacht... - 26.04.2020

Update 26.04.: Tragischerweise scheinen die Amerikaner selbst hier Trump zu folgen: die Anfragen bei Giftnotrufen in den USA aufgrund des Trinkens von z.B. Reinigungsmitteln haben deutlich zugenommen... (tagesschau.de 26.04.2020)


Es gibt zwei untrügliche Warnzeichen, die beim Hören medizinischer Ratschläge skeptisch werden lassen sollten:

  1. wenn das sichere Gefühl entsteht, man hätte stattdessen sogar lieber Karl Lauterbach zugehört

  2. wenn das sichere Gefühl entsteht: "America first!"

Beides trifft für die neuesten Strategien zu, die Donald Trump gegen COVID-19 vorschlägt: intensives UV-Licht, das könne man doch auch irgendwie in den Körper hineinbringen und: das Injizieren von Desinfektionsmittel ...

 

Statistik für Fortgeschrittene Teil 1 - 24.04.2020

Christof Kuhbandner ist Psychologieprofessor und Lehrstuhlinhaber an der Fakultät für Humanwissenschaft der Universität Regensburg. In einem Text auf der Website Telepolis von heise online erklärt er, warum die zunehmende Erhöhung der Anzahl der Coronavirus-Tests zu einer dramatischen Überschätzung des wahren Anstiegs der Neuinfektionen führt. Außerdem verbergen seiner Analyse nach der zeitliche Abstand zwischen tatsächlichem Infektionszeitpunkt und Testzeitpunk den in Wirklichkeit deutlich früher stattfindenden Rückgang der Neuinfektionen.

Die differenziertere Darstellung dieser Untersuchung finden des Englischen Kundige hier.

RKI glaubt den eigenen Daten nicht... wie Schaade - 24.04.2020

Wie anders wäre es zu erklären, dass RKI-Vize Schaade auf der heutigen wieder einmal behauptet, durch die bisherigen Eindämmungsmaßnahmen seien viele Todesfälle verhindert worden - wo doch die RKI-eigenen Graphiken zum Nowcasting (bei all ihrer wissenschaftlichen Fragwürdigkeit, s. hier) klar darauf hinweisen, dass eben der lockdown auf die epidemiologischen Kenndaten der Pandemie so gut wie keinen Einfluss mehr genommen haben.

Die Zeit (allein) heilt alle Viren? - 22.04.2020

Eine Studie der israelischen Tel Aviv University, die den COVID-19-Verlauf in Israel analysierte und mit dem anderer Staaten verglich, kam zu überraschenden Ergebnissen:

der vielbeschworene exponentielle Anstieg der Fallzahlen ließ sich in Israel nur für die ersten 4 - 5 Wochen nachweisen: "In the first 4-5 weeks since the disease was discovered in Israel, there was indeed an exponential increase of infections, but since then it has begun to moderate. The number of added daily patients peaked about six weeks after the disease was discovered and since then it has been in constant decline."

Das interessante war, dass sich dieses Muster - die exponentielle Zunahme der Fallzahlen für 4 - 6 Wochen und ein anschließend deutlicher Rückgang der täglichen Neuinfektionen - den Daten der Tel Aviv Universität in allen interational untersuchten Staaten nachweisen ließ und dies unabhängig von den ergriffenen Maßnahmen. Es zeigte sich für Italien (mit maximalem lockdown) wie auch in Schweden (mit minimalem staatlichen Eingriff).

"It turns out that a similar pattern – rapid increase in infections that reaches a peak in the sixth week and declines from the eighth week – is common to all countries in which the disease was discovered, regardless of their response policies: some imposed a severe and immediate lockdown that included not only “social distancing” and banning crowding, but also shutout of economy (like Israel); some “ignored” the infection and continued almost a normal life (such as Taiwan, Korea or Sweden), and some initially adopted a lenient policy but soon reversed to a complete lockdown (such as Italy or the State of New York). Nonetheless, the data shows similar time constants amongst all these countries in regard to the initial rapid growth and the decline of the disease."

Ben Israel

Die Autoren schlussfolgern: "Given that the evidence reveals that the Corona disease declines even without a complete lockdown, it is recommendable to reverse the current policy and remove the lockdown." (The Times of Israel 19.04.2020)

Heribert Prantl: Grundrechte heißen Grundrechte, weil sie immer gelten... - 21.04.2020

Gewohnt kluge und bedenkenswerte Äußerungen des Juristen und Ex-SZ-Chefredakteurs Heribert Prantl im ZDF-Morgenmagazin vom 20.04.2020.

"Wenn es so ist, dass in schwierigen Lagen, in Gefährdungslagen Grundrechte wie wir es jetzt erlebt haben, einfach so bei Seite geschoben werden können, verdienen sie ihren Namen nicht. […] Derzeit ist Angst eine Autobahn für das Abräumen von Grundrechten." "Die shutdown-Maßnahmen in ihrer Totalität waren unverhältnismäßig."

Corona-Datenspende-App des RKI: von wegen Datenschutz... - 21.04.2020

Nach Untersuchungen des Chaos Computer Clubs CCC hält die vom RKI veröffentlichte und u.a. von Chef-Coronoiker Christian Drosten propagierte "Corona-Datenspende-App" das Versprechen der Anonymisierung der erhobenen Daten nicht ein:

Anders als behauptet habe das RKI sehr wohl Zugriff auf den Klarnamen und die Körperdaten des "Spenders" noch vor Beginn der "Datenspende" und diese Daten würden gespeichert, seien abgreifbar und mit wenig Aufwand - so die Fachleute - auch manipulierbar. Das RKI speichere, so der CCC, "Zugangsdaten,mit denen u.a. auf die vollständige Fitnesshistorie und die Namen der Datenspender zugegriffen werden kann. Die Möglichkeit, Datenspender unter Missbrauch dieser Zugangsdaten direkt zu identifizieren, hebelt den Zweck der Pseudonymisierung aus."

Besonders problematisch: das RKI behält Zugriff auf die Daten auch nach der Deinstallation der App auf dem Smartphone. "Der direkte Zugang des RKI zu den Fitnessdaten wird bei Deinstallation der Smartphone-App nicht automatisch beendet."

Das RKI habe hier gegen vorhandene fachliche Warnungen verschiedenster Experten auf fertige Softwarelösungen gesetzt, die den geforderten Ansprüchen an Datensicherheit in der jetzt verwendeten Form nicht genügten (CCC 19.04.2020)

RKI: Grundrechte? Nur mit Impfung... Der Weg in die Vakzinokratie - 21.04.2020

Das Robert Koch-Institut hat auf seiner heutigen Pressekonferenz erstmals eine Rückkehr zur gesellschaftlichen Normalität - mit anderen Worten: die Wiederherstellung eines freiheitlichen Rechtsstaates, in dem Grund- und Menschenrechte uneingeschränkte Gültigkeit haben - an die Verfügbarkeit eines SARS-CoV-2-Impfstoffs geknüpft. Solange es keinen Impfstoff gebe, so Lars Schaade, Vize-Präsident des RKI, werde es Auflagen geben.

Man ist versucht, dem Begriff der Virolokratie (Heribert Prantl von der SZ), den der Vakzinokratie nachzuschieben - ein ganz und gar aberwitziges, absurdes Menschenbild, Staats- und Rechtsverständnis der obersten deutschen Gesundheitsbehörde wird hier zunehmend deutlich.

Nicht nur, dass es noch keinen Impfstoff gibt: niemand auf der Welt weiß,

  • ob es ihn geben wird,

  • wann es ihn geben wird,

  • ob er tatsächlich schützen wird (vielleicht so gut wie die Keuchhusten-Impfung? s. hier)

  • falls ja: wie gut und vor was der Schutz besteht (Infektion? Erkrankung? Komplikation? Tod? Weiterverbreitung?)

  • welche Nebenwirkungen mit dem Impfstoff einhergehen können (s.u.)

  • welche mittel- und langfristigen Auswirkungen die Impfung haben wird (Stichwort: Verschiebung des Erkrankungsalters wie bei Mumps? Verschiebung hin zu anderen Serotypen wie bei Pneumokokken?).

Die Geschichte der Impfstoffentwicklung strotzt bei allen Erfolgen eben auch vor Fehl- und Irrwegen - nicht wenige von denen mit tragischen Folgen für die Betroffenen, wie zuletzt der vom Chef-Coronoiker Drosten so dringend empfohlene Schweinegrippe-Impfstoff (2009) zeigte: unnötig und mit schwersten Nebenwirkungen verbunden, die Betroffene lebenslang hochgradig beeinträchtigen (Narkolepsie).

Es ist eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet Drosten einer der Protagonisten auch hinter der aktuellen messianischen Impfstoff-Verklärung ist.

Eine sehr aktuelle Ironie der Geschichte ist, dass das in Deutschland für die Impfstoffsicherheit zuständige Paul Ehrlich-Institut wenige Tage vor dieser vakzinokratischen Pressekonferenz des RKI eine Studie begann, auf die die Arzneimittekommission der Deutschen Ärzteschaft alle Ärztinnen und Ärzte in Deutschland am 20.04. hinwies:  in dieser Studie sollen die unerwartet häufigen und schweren Nebenwirkungen einer der letzten Impfempfehlungen der STIKO, der für den Herpes-zoster-Impfstoff Shingrix®, untersucht werden ... (PEI 15.04.2020).

Es dauert in der Regel Jahre (H. zoster-Impfung) oder gar Jahrzehnte (azelluläre Keuchhustenimpfung), bis Fachleute die Wirksamkeit oder Sicherheit eines Impfstoffs auch nur halbwegs sicher beurteilen können - dies kann also definitiv nicht das Maß sein, ab wann in Deutschland wieder eine Demokratie, die diesen Namen verdient eine Virolo- oder Vakzinokratie ablöst... .

Laschet: Mir sagen nicht Virologen, was ich zu entscheiden habe - 20.04.2020

In einem Interview grenzt sich der Nordrhein-Westfälische Ministerpräsident Lascht, der schon im Vorfeld der letzten Bund-Länder-Konsultationen für eine schneller Wiederherstellung rechtsstaatlicher Verhältnisse in Deutschland plädierte, mit deutlichen Worten gegen Kritik an der Streeck-Studie ab und kritisiert selber den auch hier dargelegten Schlingerkurs der Politik bezüglich der Kriterien für eine Lockerung des lockdowns (DLF 19.04.2020)

Ärztekammerpräsident: Keine Grundlage für weiteren lockdown - 20.04.2020

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt übte deutliche Kritik an den  Beschlüssen zur Lockerung der Corona-Maßnahmen "Insgesamt hätte ich mir aber einige Lockerungen mehr vorstellen können", sagte der Chef der Bundesärztekammer der "Rheinischen Post". Es brauche vor allem einen klaren Stufenplan für die Wiederaufnahme des Schulbetriebs, sagte Reinhardt.

Für die Fortsetzung der Kontaktbeschränkung bis zum 3. Mai gebe es keine konkrete wissenschaftliche oder medizinische Grundlage. "Im Moment gibt es überhaupt keinen Hinweis darauf, dass wir auf eine Überforderung der Krankenhäuser zusteuern", sagte Reinhardt. Es gebe keinen Grund, die Kontaktsperre in diesem Umfang zu verlängern. (n-tv 17.04.2020)

Prantl zur Corona-App: Wie freiwillig ist eine Freiwilligkeit, die aus Angst geboren ist? - 19.04.2020

In gewohnt kluger Manier und wie immer sehr lesenswert bricht der Jurist Heribert Prantl wieder einmal eine Lanze für die Grundrechte (was war das doch gleich?) - heute in der Auseinandersetzung mit der Corona-App (SZ 19.04.2020)

Wie ansteckend ist COVID-19 denn nun eigentlich? - 19.04.2020

Eine der Kenngrößen einer ansteckenden Erkrankung ist die so genannte "attack-rate" - sie beschreibt den Anteil derer, die sich tatsächlich anstecken, bezogen auf die, die sich - durch entsprechenden Kontakt - hätten anstecken können.

Bei COVID-19 ist dies im "großen Maßstab" unverändert keine sicher bekannte Zahl, es erschien jetzt aber eine Studie, die dieser Frage auf "Haushalts-Ebene" nachgegangen ist: wenn in einem Haushalt ein gesicherter COVID-19-Fall lebt - wie viele von den mit ihr/ihm zusammen Lebenden stecken sich innerhalb der kritischen Zeit an? (Jing 2020)

Das Ergebnis ist in mehrfacher Hinsicht beruhigend: es sind, wenn man nur diejenigen betrachtet, die wirklich in diesem Haushalt leben, allenfalls gut 19%, bezieht man diejenigen mit ein, die in diesem Haushalt engen Kontakt gehabt haben (ungeschützt, < 1 Meter Abstand - das Horrorszenario der Coronoiker also) ohne dort zu wohnen, sind es sogar weniger als 14%.

Und noch etwas ist auffallend: selbst unter diesen Bedingungen beträgt das Risiko für Kinder und Jugendliche, sich anzustecken nur ungefähr 25% von dem Älterer (≥ 60 Jahre). Kinder erkranken also offensichtlich nicht nur seltener als Erwachsene, sie stecken sich auch von vorneherein weniger häufig an als Erwachsene, selbst unter identischen Risikobedingungen - ein Ergebnis, das inzwischen von anderen Studien bestätigt wird (Zhang 2020).

Selbst überzeugte Coronoiker nennen diese Zahlen "ganz schön niedrig" (Drosten 16.04.2020) - diese tatsächlich niedrige attack-rate ist nicht ohne weiteres erklärbar, wenn man - dem Narrativ dieser Pandemie folgend - davon ausgeht, das Virus sei "... auch eben neu. Und das ist das Entscheidende. Wir haben hier nicht diese Hintergrundimmunität, die uns schützt..." (Drosten 27.02.2020). Vielleicht gibt es eb doch eine "Hintergrundimmunität" durch die abgelaufene Infektion mit anderen, harmloseren Corona-Viren? Dies hält mittlerweile sogar Christian Drosten im oben zitierten Podcast für möglich - und diese Immunität nähme den bisherigen Szenarien ("60 bis 70% der Bevölkerung werden sich infizieren" (Drosten am 05.03.2020)) natürlich viel von ihrem Schrecken...

WHO: kein Beweis, dass SARS-CoV-2-Antikörper Immunität gegen COVID-19 bedeuten - 18.04.2020

Im Zuge der Untersuchung von COVID-19-Erkrankten, die nach überstandener Erkrankung erneut positive Abstrich-Ergebnisse aufwiesen, wies die WHO am 17.04. darauf hin, dass es keine Evidenz gäbe, dass das Vorhandensein von Antikörpern gegen SARS-CoV-2-Antikörpern im Serum Immunität gegen COVID-19 bedeute (CNN 18.04.2020 - im Video ab Minute 29:00)

 

 

Sollte sich diese Befürchtung bestätigen, stellte dies eine ganze Reihe bisher als rettend kommunizierter Konzepte in Frage - von der Herdenimmunität bis hin zum messianisch verklärten Impfstoff...

Göttinger Studie: 75% der COVID-19-Infektionen in D unentdeckt? - update 17.04.2020

(Die Göttinger Forscher haben am 14.04. aktualisierte Zahlen veröffentlicht - nur diese finden sich jetzt hier)

Einer mathematischen Modellierung Göttinger Wissenschaftler zu Folge liegt die Erfassung der tatsächlichen COVID-19-Infektionen (nicht: Erkrankungen!) weltweit im Durchschnitt bei nur etwa 9% und dies mit deutlichen Unterschieden zwischen einzelnen Staaten. Während dieser Untersuchung zu Folge Länder wie Südkorea annähernd die Hälfte aller tatsächlichen Infektionen aufgedeckt hat (43,9%), liegt diese Quote z.B. für Italien bei 6,7%, für Spanien nur bei 6% - für Deutschland nehmen die Autoren der Studie eine Aufdeckungsquote von 27,3% an.

Diese Zahlen wären ein möglicher Erklärungsansatz für die so stark unterschiedlichen Todesfallzahlen - denn bezieht man die tatsächlichen Todesfälle  auf die angenommenen mehr als drei Millionen Infektionen für Italien und fünf Millionen für Spanien ergeben sich natürlich völlig andere (dramatisch niedrigere!) Fallsterblichkeitszahlen als die bisherigen Annahmen.

Für Deutschland nehmen die Autoren bis Ende März 245.000 Infektionen an - ein Vielfaches der offiziellen Zahlen des RKI und auch hier eine deutliche Relativierung der bisher angenommenen Fallsterblichkeit (Mitteilung der Universität Göttingen , Originalstudie auf Englisch - update vom 14.04.2020 hier).

Wissenschaftlicher Dienst des Bundestages: Bayerisches Infektionsschutzgesetz wohl verfassungswidrig - 15.04.2020

Am 25.03.2020 verabschiedete - parallel zur verfassungsrechtlich hochumstrittenen Erweiterung des Infektionsschutzgesetzes des Bundes (IfSG - s. hier) der Bayerische Landtag ein eigenes, eben Bayerisches Infektionsschutzgesetz (BayIfSG), das z.B. die Möglichkeit zur Zwangsverpflichtung von Ärztinnen, Ärzten und anderem medizinischen Fachpersonal im Falle epidemischer Erkrankungen vorsieht.

Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages - der ja auch massive Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit des Bundes-IfSG geäußert hat - hält dieses Bayerische IfSG jetzt in einem aktuellen Gutachten ebenfalls für verfassungswidrig (WD 3 - 3000 -081/20 3 -3000 -081/20)

Da für die geregelten Sachverhalte (z.B. Epidemien) bereits bundesrechtliche Regelungen (eben im IfSG) vorlägen, müsse wohl eine konkurrierenden Gesetzgebung und damit von einer Sperrwirkung des Bundesgesetzes angenommen werden "Es dürfte daher davon auszugehen sein, dass Paragraf 5 Abs. 2 Nr. 4 IfSG eine Sperrwirkung in Bezug auf Regelungen zur Versorgung der Bevölkerung mit medizinischem und sanitärem Material bewirkt" und dies obwohl, oder vielleicht sogar weil der Bund eben diese Zwangsverpflichtung, die initial offenbar durchaus angedacht war (LTO 15.04.2020) nicht vorsieht: "Die Tatsache, dass der Bund einen bestimmten Bereich ungeregelt gelassen hat, bedeutet jedoch nicht notwendigerweise, dass daraus eine Regelungskompetenz der Länder folgt […] Die Tatsache, dass der Bund auf die Aufnahme einer Regelung zur Verpflichtung von medizinischem oder pflegerischem Personal im IfSG verzichtet hat, kann daher auch so interpretiert werden, dass er eine solche Verpflichtung generell nicht geregelt sehen wollte." (BR24 15.05.2020).

Die Bundestagsjuristen verweisen darauf, dass generell in dem Umfang eine Sperrwirkung für eine gesetzgeberische Tätigkeit der Länder eintrete, in dem der Bundesgesetzgeber tätig geworden sei. Weiter heißt es [Hervorhebung von mir]: "Landesrecht, das trotz Sperrwirkung erlassen wurde, ist nichtig. Dies gilt nicht nur, wenn das Landesrecht vom Bundesrecht abweicht, sondern auch dann, wenn es dem Bundesrecht entspricht. […] In der juristischen Literatur wird zumindest zum Teil von einer generell abschließenden Wirkung desInfektionsschutzgesetzes ausgegangen. Stimmen, die ausdrücklich von einer verbleibenden Gesetzgebungskompetenz der Länder ausgehen, sind nicht bekannt."

Der Auftraggeber des Gutachtens, der Linken-Politiker Niema Movassat: "Markus Söder geriert sich bundesweit als starker Mann im Kampf gegen den Coronavirus. Doch mit dem Grundgesetz nimmt er es nicht ganz so genau". Bayern habe gar kein Infektionsschutzgesetz erlassen dürfen. "Das Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes ist eindeutig." [Die Möglichkeit, Personal zwangszuverpflichten, sei] "nicht nur ein herber Schlag in das Gesicht von hunderttausenden Ärzten und Pflegekräften, sondern auch ein Schlag gegen das Grundgesetz". (LTO 15.04.2020)

Informatiker und Datenschützer kritisieren "Datenspende-App" des RKI - update 15.04.2020

Die "Gesellschaft für Informatik" kritisiert die vom Robert Koch-Institut herausgegebene App zur "Corona-Datenspende" mit deutlichen Worten: sie erfülle "im Hinblick auf Datenschutz und IT-Sicherheit nicht die grundlegenden Anforderungen" (heise.de 10.04.2020).

Auch das Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF) übt umfassend Kritik an den vorgelegten Plänen. Die Informatiker und Datenschützer bestreiten, dass eine App der „entscheidende Schlüssel“ für die Lockerungen sein könne. Gerade in Notlagen gelte es "den schnellen Verlockungen einfacher technischer Lösungen für extrem komplexe soziale Probleme zu widerstehen".

Das FIfF kommt in seiner Analyse zu dem Schluss, dass die Anonymität der Nutzer von keinem der bisher diskutierten Vorschlag wirklich umgesetzt werde: "Nur, wenn der Personenbezug wirksam und irreversibel von den verarbeiteten Daten abgetrennt wird, kann danach von anonymen Daten gesprochen werden."

Bislang sei auch der Nutzen von Corona-Tracing-App-Entwürfen "überhaupt nicht abschätzbar",  weshalb das FIfF den Fokus auf Apps als universelle Lösungsstrategie als "sehr problematisch" beurteilt – zumal ein theoretisch modellierter Effekt erst bei Nutzung durch mindestens 60 Prozent der Bevölkerung zu erwarten sei. Das FIfF weist darauf hin, dass in Singapur nur 13 Prozent der Menschen die individualisierte TraceTogether-App installiert hatten (heise online 14.04.2020).

Auch andere namhafte Datenschutzexperten kritisieren die Fixierung der aktuellen Corona-Strategie auf eine App-Lösung "Wir sehen jetzt alles durch die Corona-Brille. Das prägt auch die datenpolitische Diskussion", so Christiane Wendehorst, Professorin für Zivilrecht an der Uni Wien und Mitglied der Datenethikkommission der Bundesregierung auf dem Podium "Ich sehe aber die Gefahr, dass vieles im Windschatten von Corona durchgesetzt wird." Auf einem entsprechenden Symposium kritisierten Fachleute die nicht öffentlich überprüfbare RKI-App und forderten statt dessen Lösungen, die "soviel open-source wie möglich" enthielten (heise online 15.04.2020)

COVID-19: Der Albtraum der Statistiker - 15.04.2020

Einen ersten, laienhaften Überblick über die völlig inkompetente Interpretation von Zahlen zu COVID-19 auch in renommierten Medien/Instituten habe ich ja bereits in diesem Artikel gegeben - mittlerweile mehren sich Fachartikel aus berufenerem Munde mit dem gleichen Tenor: der mitunter scharfen Kritik an einem Umgang mit den vorhandenen (und eben auch den nicht-vorhandenen) Daten.

Hier eine (nicht vollständige) Übersicht:

Immunologe: Impfstoffe gegen Coronaviren hochproblematisch - 14.04.2020

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Prof. Thomas Kamradt, äußert sich heute im Interview sehr zurückhaltend zu möglichen Impfstoffen gegen SARS-CoV-2:

"Insbesondere bei den Coronaviren ist es so, dass es relativ schwierig zu sein scheint, dagegen Impfstoffe zu entwickeln.

Das hat man damals versucht beim SARS, da sind auch einige Kandidaten bis in die Phase I gelangt, und das Erschreckende war, dass in der Mehrzahl der untersuchten Impfstoffe im Tierversuch Schädigungen aufgetreten sind, dass also die Tiere, die den Impfstoff gekriegt haben, wenn sie dann infiziert wurden, pathologische Veränderungen in den Lungen hatten, dass da Entzündungszellen waren, die da nicht hingehören - - das muss sehr genau ausgeschlossen werden, dass sowas passiert, wenn man jetzt einen Impfstoff gegen das SARS-CoV-2 entwickelt." (Gabor Steingart - Der Podcast 14.04.2020)

Chef der Jungen Union fordert staatlichen Zugriff auf alle Smartphones - 14.04.2020

Es liest sich wie ein orwellscher Albtraum, ist aber eine Forderung des Vorsitzenden der Jungen Union (also der Jugendorgansation der regierenden CDU): die von Informatikern und Datenschützern scharf kritisierte Corona-App des Robert Koch-Instituts solle vom Staat automatisch auf allen deutschen Smartphones installiert werden - man dürfe dieser Installation aber immerhin aktiv widersprechen (heise.de 12.04.2020).

Beruhigend ist, dass sich derzeit zumindest die Bundesjustizministerin Lambrecht diesen Phantasien eines Überwachungsstaats widersetzt (RND 13.04.2020) und auch Bundesaußenminister Maas warnt davor, "Big-Brother-Methoden autoritärer Staaten [zu] kopieren" (tagesschau.de 14.04.2020)

Wissenschaftlicher Dienst des Bundestages kritisiert die Änderungen des Infektionsschutzgesetzes scharf - 13.04.2020

S. hierzu diesen Beitrag (hier) und diesen Zeitschriftenartikel.

Immunität fraglich? - SARS-CoV-2-Antikörper nach COVID-19 nicht immer nachweisbar - 13.04.2020

Eine chinesische Untersuchung an Patienten, die nach milder COVID-19-Erkrankung bereits als gesund entlassen waren, bringt irritierende Ergebnisse:

Bei einem Drittel der insgesamt 175 Patienten fanden die Forscher unerwartet niedrige Antikörper-Spiegel, bei denen die Autoren nicht von einer sicheren Immunität ausgehen - einige der Genesenen wiesen gar keine messbaren Antikörper auf (Wu 2020).

Nun gibt es derzeit noch viele Fragen an die Genauigkeit der Antikörperbestimmung nach COVID-19-Infektionen - sollten sich diese Ergebnisse jedoch bestätigen und niedrige Antikörpertiter tatsächlich einer schwachen oder gar fehlenden Immunität entsprechen, hätte dies gravierende Konsequenzen für das Entstehen einer Herdenimmunität oder auch für die Effektivität von Impfstoffen gegen SARS-CoV-2.

Aber auch bei den Abstrich-Ergebnissen gibt es Zweifel an einer dauerhaften Immunität von Gesundeten nach COVID-Infektion: in Südkorea werden derzeit vermehrt Fälle gemeldet, die nach überstandener COVID-19-Infektion erneut SARS-CoV-2-positiv getestet werden - es ist derzeit völlig unklar, ob es sich um Reinfektionen oder Reaktivierungen des Virus handelt (Reuters 10.04.2020)

Infektionsquote auf Flugzeugträger (nur) gut 10% - 12.04.2020

Auf dem US-amerikanischen Flugzeugträger USS Theodor Roosevelt haben sich bei einem Ausbruch von COVID-19 (nur) gut 10% der Besatzungsmitglieder infiziert. Wie auf tagesschau.de am 12.04. berichtet wurde, wurden bis heute mehr als 90% der Besatzung getestet. Diese Zahlen liegen deutlich unter den immer wieder befürchteten Infektion von 60 - 70% der Bevölkerung im Falle eines SARS-CoV-2-Kontaktes - und dies im infektiologischen setting eines Kriegsschiffs, das dem social distancing sicher enge Grenzen setzt...

USS Theodor Roosevelt

(Quelle tagesschau.de, Abruf 12.04.2020)

Diskussion über Spätschäden - Folge von COVID oder Folge der Behandlung? - 12.04.2020

Auf tagesschau.de findet sich heute eine dpa-Meldung über mögliche Spätfolgen von COVID-19 - natürlich wird auch hier der Chef-Coronoiker der Bundesregierung zitiert, dem zu Folge Patienten nach schweren, stationär betreuten COVID-Verläufen "in ihrem Allgemeinzustand lange brauchen, um sich zu erholen" und auch deren Lungenfunktion nicht gut zu sein scheine.

COVID Spaetfolgen

(Quelle tagesschaud.de 12.04.2020)

Beide Aussagen sind an medizinischer Banalität kaum zu übertreffen, da dies für jede saisonale Influenza in gleichem Maße gilt. Bei COVID kommt - ganz im Sinne des Interviews von Matthias Thöns (s.u., 11.04.2020) - noch hinzu, dass die Behandlung schwerer COVID-Fälle mit Intubation und Beatmung ihrerseits gerade bei den klassischerweise betroffenen älteren Patienten schwere Folgeschäden hinterlässt - nicht umsonst gibt es das definierte Krankheitsbild des "post intensive care syndrome" PICS (s. z.B.Inoue 2019). Die beklagten Spätfolgen werden also definitiv zu einem erheblichen Anteil von der Therapie und nicht primär von der zu Grunde liegenden Erkrankung ausgelöst... .

SARS-CoV-2-Impfstoff aus der Schweiz? - 12.04.2020

Nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks sind Schweizer Forscher ihrer eigenen Einschätzung nach unerwartet weit in der Entwicklung eines SARS-CoV-2-Impfstoffs (BR24 12.04.2020)

Palliativmediziner: Fokus auf Intensivmedizin ethisch problematisch - 11.04.2020

Der Wittener Palliativmediziner Matthias Thöns kritisiert im Deutschlandfunk die Fixierung der Politik auf die intensivmedizinische Behandlung der COVID-Patienten.

Gerade bei den Fällen mit schwerem Verlauf handele es sich, so Thöns, meist um alte Menschen mit mehreren anderen Erkrankungen, viele würden schon in Pflegeheimen betreut. Es sei also eine Gruppe von Menschen, die üblicherweise und bislang vor allem palliativmedizinisch betreut werde und bei denen eine intensivmedizinische Behandlung oft zu schweren Folgeschäden führe.

Todesfälle im Vergleich - ein in jeder Hinsicht schwieriges Thema... - update 10.04.2020

Wer Todesfälle verschiedener Ursachen gegeneinander aufrechnet, setzt sich leicht dem Vorwurf des Zynismus aus, stehen doch hinter jeder Zahl viele fraglos oft tragische Einzelschicksale, die dann vermeintlich Gefahr laufen, instrumentalisiert zu werden.

Dennoch benutzt (um nicht instrumentalisiert zu sagen) die Politik die derzeitigen Todesfälle, bei denen SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde (was überhaupt nicht gleichbedeutend ist mit der Aussage: Todesfälle durch Covid-19) als Argument, in der Bundesrepublik Deutschland beispiellose Beschränkungen zentralster Grundrechte unserer Verfassung für weite Teile der Bevölkerung und - glaubt man den Aussagen der politisch Verantwortlichen - für längere oder gar lange Zeit außer Kraft zu setzen.

Daher ist es m.E. legitim, die bisherigen Todesfälle mit SARS-CoV-2 in Relation zu setzen zu den alljährlich in allen Staaten der Welt, auch in Europa und in Deutschland auftretenden Todesfällen durch die Influenza. Ein solcher Vergleich ist in jeder Hinsicht schwierig, auch schon aus methodischen Gründen: so sind die Todesfälle durch Influenza in Europa zwar Zahlen, die offiziell von Bundesregierung, EU, ECDC und WHO genutzt werden, sie werden aber auf einer nicht unbegrenzt tragfähigen Grundlage erhoben und auch wenn die verantwortlichen Experten sich größte Mühe geben, hier größtmögliche Genauigkeit zu erreichen, muss im Hinterkopf bleiben, dass eine methodisch bedingte Restunschärfe bleibt - daher kann es bei Betrachtungen wie dieser, dies sei ausdrücklich betont - nur um die Angabe von Größenordnungen gehen.

Die vom den zuständigen Behörden der EU errechneten Influenza-Todesfälle in Europa ergeben folgendes Bild (man beachte unbedingt die völlig unterschiedlichen Dimensionen der senkrechten Y-Achse!):

Influenza Tote EU gesamt

 

Influenza Tote EU Kinder

 

Influenza Tote EU Erwachsene

 

Als methodisch zulässigen Schlussfolgerungen aus diesen Daten lässt sich ableiten:

  • jedes Jahr sterben in Europa bis zu 120.000 Menschen an Influenza

  • dies betrifft vor allem ältere Menschen über 65 Jahre, bei denen altersbedingt davon auszugehen ist, dass viele von ihnen Vorerkrankungen aufweisen

  • es sterben relativ wenige Kinder in Europa an Influenza

  • es sterben jedes Jahr auch bis zu 9000 Jugendliche und Erwachsene unter 65 Jahren in Europa an Influenza - dies ist im Moment besonders bedeutsam, weil derzeit noch fast jeder Todesfall mit SARS-CoV-2-Nachweis in dieser Altersgruppe eine eigene Zeitungsmeldung wert scheint

Nun sterben auch während einer Influenza-Saison viele Menschen in Europa an anderen Ursachen als an der Influenza - daher drücken Epidemiologen die obigen Zahlen oft anders aus - nicht in absolut angegebenen Todesfällen, sondern mit der Angabe der Übersterblichkeit (excess mortality rate), d.h. wie viele Menschen pro 100.000 Einwohnern sterben zusätzlich an z.B. Influenza. Trägt man diese Übersterblichkeit in eine Graphik auf, ergibt sich das unten aufgeführte Bild, in dem der oben genannten Gegenüberstellung wegen auch die Übersterblichkeit durch Todesfälle mit SARS-CoV-2-Nachweis aufgetragen ist (bis zum in der Graphik angegebenen Datum). Und auch wenn diese Betrachtung wieder einige methodische Unschärfen enthält wird deutlich: bis zum jetzigen Zeitpunkt sind wir noch erheblich von der Europa jedes Jahr betreffenden Übersterblichkeit durch Influenza entfernt... .

Nichts soll diese Darstellung weniger, als die einzelnen, mit SARS-CoV-2 Gestorbenen zu bagatellisieren! Aber eben weil diese SARS-CoV-2-assoziierte Übersterblichkeit derzeit als Grund für drakonische Eingriffe in soziale, politische und wirtschaftliche Abläufe angegeben wird, hilft dieses Bild vielleicht, kritische Fragen zu stellen

 

Influenza vs SARS CoV 2

 

Es bleibt dabei: COVID-19 bei Kindern - auch bei Neugeborenen! -  (fast) immer harmlos 09.04.2020

Aktuelle Daten aus den USA bestätigen, was schon die (wie immer mit größter Vorsicht zu interpretierenden) Zahlen aus China nahelegten: COVID-19 ist bei Kindern noch regelmäßiger eine harmlose Erkrankung als bei Erwachsenen (bei denen die große Mehrzahl der Infektionen ja auch unverändert unbemerkt oder milde-grippal verläuft).

Die amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention CDC veröffentlichten erste Analysen aus den USA (MMWR 06.04.2020): "Relatively few pediatric COVID-19 cases were hospitalized […], consistent with previous reports that COVID-19 illness often might have a mild course among younger patients. Hospitalization was most common among pediatric patients aged <1 year and those with underlying conditions." Auch bei Kindern scheinen also Vorerkrankungen ("underlying conditions") einen Risikofaktor für einen schwereren Verlauf darzustellen - wobei berücksichtigt werden muss, dass bei diesen Kindern aufgrund ihrer Vorerkrankung auch die Schwelle, sie "sicherheitshalber" in ein Krankenhaus zu schicken erfahrungsgemäß niedriger ist - genauso wie bei den beschriebenen Kindern im ersten Lebensjahr. Die häufigere Krankenhausaufnahme (um die es hier geht), ist also nicht automatisch ein Beweis für einen schwereren Verlauf, sondern u.U. nur Ausdruck eines bei diesen Kindern erhöhten Sicherheitsbedürfnisses.

Eine Studie aus Wuhan (Vorsicht, s.o.) bestätigt diese milden Verläuft sowohl für Neugeborene, als auch für Kinder im ersten Lebensjahr (Zhang 2020): "Symptoms of neonatal infection are generally mild as compared to adult patients. […] Note that infants <1 year of age also presented mild or no symptoms and rarely severe complications. It is encouraging that newborn babies and infants appear to be less vulnerable to SARS-CoV-2. On the other hand, mild or no symptoms inthe youngest make it difficult to detect and prevent further transmission."

Ethikrat fordert Debatte über Ende des lockdowns - 07.04.2020

Auf einer Pressekonferenz am 07.04.2020 forderte Peter Dabrock als Sprecher des Deutschen Ethikrates von der Politik, sich einer Debatte über ein Ende des lockdowns nicht zu verweigern (Statement des Dt. Ethikrates vom 07.04.2020)

"Wenn Menschen schon in einem bewundernswerten Maß Solidarität zeigen und teils sehr drastische Freiheitseinschränkungen recht klaglos in Kauf nehmen, dann darf man ihnen nicht das Recht absprechen, […] zu hinterfragen, ob die ergriffenen Maßnahmen verhältnismäßig sind. Es ist vor diesem Hintergrund nicht nur legitim, sondern geboten, sich auch Gedanken zu machen, wie es weitergeht und unter welchen Bedingungen Öffnungsperspektiven verantwortbar, ja vielleicht sogar geboten sind.

Die Corana-Krise ist die Stunde der demokratisch legitimierten Politik. […]

Es ist zu früh, Öffnungen jetzt vorzunehmen. Aber es ist nie zu früh, über Kriterien für Öffnungen nachzudenken. Alles andere wäre ein obrigkeitsstaatliches Denken, das bei uns nicht verfangen sollte und mit dem man das so notwendige Vertrauen der Bevölkerung nicht stärken würde."

Udo di Fabio: "Exit" vom lockdown ist verfassungsmäßig geboten - 07.04.20

Mit Udo di Fabio äußert sich einer der renommiertesten Verfassungsrechtler zum lockdown. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 06.04.2020 signalisiert er Verständnis für die Erstmaßnahmen, in denen nach "fernen Blaupausen" des Handelns aus China und Singapur zunächst die "Stunde der exekutiven Ermächtigung und der charismatischen Potenz" schlägt, auch angesichts des entstandenen "expertokratischen Mainstrems" der alternative Handlungsstrategien wie z.B. in den Niederlanden "geradezu unterbunden" habe.

Er fragt: "Darf eine Demokratie epidemiologische Maßnahmen treffen, die eine Volkswirtschaft so massiv schädigen, dass die praktischen Grundlagen von Demokratie und Rechtsstaat oder vielleicht auch das Fundament der europäischen Integration preisgegeben wird?"

und antwortet selber: "Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gebietet, ein Ziel wie die Bekämpfung der Gefahren einer Infektionskrankheit mit möglichst schonenden Mitteln zu erreichen. Deshalb ist der gestaffelte "Exit" aus den bislang verhängten Beschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens ein nicht nur praktisch naheliegender, sondern auch verfassungsrechtlich gebotener Weg."

Experten veröffentlichen scharfe Kritik an Regierungsstrategie - 2 - 07.04.2020

Eine zweite Expertengruppe, zu der u.a. der Leiter des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung, der Leiter des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung, Experten des ifo-Instituts und andere gehören, kritisiert die bisherige Strategie der Bundesregierung in der Covid-19-Pandemie ebenfalls scharf. In ihrem Papier "Die Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie tragfähig gestalten" (Fuest 2020) heißt es unter anderem:

"Die Kosten der verlorengehenden Wertschöpfung liegen bei einem einmonatigen Shutdown und folgender schrittweiser Erholung der Wirtschaft zwischen 4,3 und 7,5 Prozent des BIP (ca. 150-260 Mrd. Euro). Bei Verlängerung würden die Kosten überproportional steigen. Ein funktionierendes Wirtschaftssystem ist Voraussetzung für ein funktionierendes Gesundheitssystem.

Hinzu kommen die Kosten entfallender Bildungsinvestitionen durch die Schließung von Schulen und Universitäten. Dieser Ausfall verstärkt Ungleichheiten. Wirtschaftskrisen und Arbeitslosigkeit haben darüber hinaus hohe gesundheitliche und soziale Kosten in Form vermehrter physischer und psychischer Erkrankungen und verkürzter Lebenserwartung. Auch hier werden ohnehin schon sozioökonomisch schwache Gruppen besonders belastet."

Sie empfehlen das Einrichten nationaler und regionaler Task forces und fordern - im Gegensatz zum (und als Reaktion auf das?) Papier des Bundesinnenministeriums - "eine mit unserem Wertesystem in Einklang stehende Kommunikation […]. Die Kommunikation sollte ein Wir-Gefühl fördern, realistisch und transparent sein. Sie darf Risiken weder verharmlosen noch übertreiben."

Auch sie kritisieren deutlich die aktuelle, auf einige wenige Berater der Regierung beschränkte Virolokratie (Prantl):

"Unter Einbeziehung der Sichtweisen und der Expertise verschiedener Wissenschaften und der Belange verschiedenster gesellschaftlicher Gruppen muss die Politik eine Strategie erarbeiten, die bestmöglichen Schutz der Bevölkerung mit einer möglichst weitgehenden Wiederaufnahme ihrer persönlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aktivitäten verbindet."

JPA Ioannidis im Spiegel: "Was wir brauchen, sind nicht immer neue Modellrechnungen, sondern Daten"

John Ioannidis bekräftigt in einem Interview mit dem Spiegel (Spiegel 01.04.2020) seine Positionen und Forderungen aus bisherigen Äußerungen zu COVID-19, vor allem betont er erneut die absolute Notwendigkeit, belastbare epidemiologische Daten zu den Zahlen der Infektion in den einzelnen Ländern zu erheben: " […] wir müssen unbedingt damit anfangen, per Zufallsprinzip die Bevölkerung zu testen, damit wir den gegenwärtigen Stand der Epidemie besser verstehen". Er nennt die gegenwärtigen Maßnahmen angesichts der fehlenden Daten gerechtfertigt, aber auch "eine blinde Reaktion und eine Art der Medizin, die wir aus dem Mittelalter kennen." Sollten die Untersuchungen ergeben, dass schon ein großer Teil der Bevölkerung ohnehin infiziert sei, "könnte es der klügere Weg sein, Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen zu schützen - und gleichzeitig die Mehrheit der Bevölkerung, bei der Risiko eines schweren Krankheitsverlaufes gering ist, wieder zum normalen Leben zurückkehren zu lassen".  Er verweist auf die "sehr schönen Daten aus Island", die seine Theorie, dass COVID-19 eine Sterblichkeitsrate habe wie die saisonale Grippe - eventuell etwas niedriger, eventuell etwas höher - aber "wahrscheinlich ist sie zehn Mal kleiner als die […] WHO-Schätzung von 3,5 Prozent."

Harald Walach: Don't panic!

In gewohnt kluger Weise widmet der Psychologe, Philosoph und Wissenschafthistoriker Harald Walach der Coronoia die neueste Folge seines in meinen Augen sehr lesenswerten blogs unter einer in meinen Augen sehr treffenden Überschrift...

Da läuft COVID-19 grad vier Monate, schon plant (!) die WHO, Daten zu erheben...

... wie hier in Science berichtet - aber um fair zu bleiben: Antikörper-Studien werden gerade erst möglich, weil die notwendigen Verfahren erst seit kurzem verfügbar sind - sinnvolle, repräsentative PCR-(Abstrich-)Studien jedoch, die wären seit Anfang des Jahres machbar und hochnotwendig gewesen....

LMU München hört auf Ioannidis (und andere...)

... und beginnt eine solche Datensammlung - zunächst mit leider nur 4500 Blutproben, die auf SARS-CoV-2-Antikörper untersucht werden, aber immerhin - ein längst überfälliger Schritt in die derzeit einzig richtige Richtung: Wissenschaftlichkeit! (SZ vom 03.04.2020)

"Bei den Corona-Zahlen tappen alle im Dunkeln" - gute Gesamtübersicht des Dilemmas aus Österreich

Der Standard vom 04.04.2020

Epidemiologe der Charité fordert: Maßnahmen lockern ab Ostern!

In einer Talkshow der ARD widersprach Stefan Willich, Professor für Epidemiologie an der Charité, der Botschaft von Kanzlerin Merkel vehement: "kein Mensch auf der Welt" kenne die Zahlen, die man für die Berechnung der von Merkel zur Bedingung gemachte Veränderung der Verdopplungszeiten Infizierter bräuchte. Willich plädierte für eine Lockerung des lockdowns ab Ostern bei Beibehalten persönlicher Maßnahmen zu Infektionsprophylaxe (Maischberger 01.04.2020)

Paul Ehrlich-Institut warnt vor fragwürdigen oder sogar gefälschten SARS-CoV-2-Tests

Das PEI warnt in einer aktuellen Meldung vor SARS-CoV-2-Schnelltests, die derzeit für eine Marktzulassung noch keine unabhängige Überprüfung brauchen - auch gäbe es, so das PEI, nachweislich gefälschte Test-Kits im Umlauf (PEI vom 23.03.2020).

Spart wertvolle Zeit: Corona-Tests schon vor dem Abstrich positiv...

Eine größere Charge von Testkits für SARS-CoV-2-Abstriche, die von einer Luxemburger Firma nach Großbritannien geliefert werden sollte, war offenbar mit SARS-CoV-2 kontaminiert... (Evening Standard (Evening Standard 01.04.2020).

Gerd Antes (Cochrane Deutschland): Die Zahlen sind vollkommen unzuverlässig

... hier im Spiegel vom 31.03.2020 - was wäre dem hinzuzufügen?

Drosten-Nachfolger warnt vor Aktionismus: „Was im Moment unternommen wird, ist ziemlich drastisch“

Ein hochinteressantes Interview mit Hendrick Streeck, dem Nachfolger von Christian Drosten als Chefarzt der Virologie an der Uni Bonn (Handelsblatt vom 27.03.2020) - auch bei Markus Lanz ist Streeck sehr klug und besonnen (ZDF 31.03.2020).

Ehemaliger Chefarzt der Virologie an der Uni Mainz, Prof. Sucharit Bhakdi, schreibt an Angela Merkel

Der emeritierte Leiter der Virologie an der Universität Mainz, Prof. Sucharit Bhakdi, der für die in den Augen vieler Fachleute (zu) stark vereinfachenden Darstellungen in diesem Video scharf kritisiert wurde, schrieb am 26.03.2020 einen Brief an die Bundeskanzlerin und legte damit den Fokus auf entscheidende, noch offene Fragen zur aktuellen SARS-CoV-2-Pandemie - dieser Brief ist hier herunterzuladen und lässt sich hier in diesem Video nachschauen:

 

Epidemiologe des Helmholtz-Zentrums: Anti-Corona-Maßnahmen gefährlicher als Covid-19?

Gérard Krause, Epidemiologe am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig (das jetzt z.B. federführend bei den Seroprävalenzstudien zu SARS-CoV-2 Tests koordinieren soll) warnt, dass durch die verhängten Zwangsmaßnahmen letztendlich mehr Todesfälle ausgelöst werden könnten, als durch die Covid-Infektion selbst (ZDF vom 29.03.2020)

JPA Ioannidis im Interview

Ioannidis arbeitet noch einmal heraus, dass in den wenigen Situationen, in denen wir repräsentative oder gar vollständige Daten über einzelne Bevölkerungen haben (Kreuzfahrtschiff Diamond Princess, Vó in Italien, Island), die nachweisbare Sterblichkeit von Covid-19 allenfalls im Bereich einer normalen saisonalen Influenza läge. Er habe sich - so Ioannidis - intensiv mit italienischen Kollegen ausgetauscht und geht vor diesem Hintergrund ausführlich auf mögliche Gründe für die Situation in Italien ein.

Er vermutet, dass, wenn wir nicht gezielt nach SARS-CoV-2 gesucht hätten, die Covid-19-Todesfälle im Hintergrundrauschen der grippalen Infekte einer jeden Influenza-Saison untergegangen wären.

"There's a very high chance, that we're exaggerating..." [Die Wahrscheinlichkeit, dass wir übertreiben, ist sehr groß... Min 42:15] - bezogen auf den lockdown.

Ioannidis warnt eindringlich davor, bei der Entwicklung und Zulassung von Impfstoffen übliche und richtige Verfahrensweisen abzukürzen [ab Min 45].

 

 

Covid-19-Sterblichkeit bei 0,04 - 0,12%?

Das ist zumindest der Wert, den ein japanisch-amerikanisches Forscherteam aus den Wuhan-Daten berechnen - unter Berücksichtigung der angenommenen Zahlen Infizierter, nicht Erkrankter: "We also found that most recent crude infection fatality ratio (IFR) and time-delay adjusted IFR is estimated to be 0.04% (95% CrI: 0.03-0.06%) and 0.12% (95%CrI: 0.08-0.17%), which is several orders of magnitude smaller than the crude CFR estimated at 4.19%" (Mizumoto 2020).

Anthony Fauci: Covid-19 wohl eher wie schwere Influenza

Diesen Vergleich von Covid-19 zur Influenza stellen mittlerweile immer häufiger auch ausgewiesene Experten in ausgewiesenen Fachjournale an. So schreibt ein Autorentrio, zu dem mit Anthony Fauci einer der bedeutendsten Virologen weltweit (und derzeit Berater der US-amerikanischen Regierung) und mit  Robert Redfield auch ein Experte der US-amerikanischen CDC gehört, angesichts der Todesfälle mit nachgewiesenem SARS-CoV-2 in China und den USA: "This suggests that the overall clinical consequences of Covid-19 may ultimately be more akin to those of a severe seasonal influenza (which has a case fatality rate of approximately 0.1%) or a pandemic influenza (similar to those in 1957 and 1968) rather than a disease similar to SARS or MERS, which have had case fatality rates of 9 to 10% and 36%, respectively." [ Dies legt nahe, dass die klinischen Gesamtfolgen von Covid-19 letztendlich eher denen einer schweren Influenza (mit einer Fallsterblichkeitsrate um die 0,1%) oder einer pandemischen Influenza (ähnlich denen wie 1957 oder 1968) ähneln könnten, als einer Krankheit wie SARS oder MERS, die jeweils Fallsterblichkeitsraten von 9 - 10% oder 36% hatten(Fauci 2020).

Überlastung deutscher Krankenhäuser durch COVID-19 laut Experten unwahrscheinlich

Das Deutsche Ärzteblatt lässt in einem Artikel entsprechende Experten zu Wort kommen und verweist auf das Science Media Center Deutschland, das hier mit Datum vom 24.03. aktuelle Übersichten über die diskutierten Ressourcen zur Verfügung stellt.

Profiteure der Angst

Anders als 2009 bei der so genannten "Schweinegrippe", als früh ein Impfstoff verfügbar war und damit auch früh mit der damaligen Pandemie Geld verdient werden konnte (s. die arte-Dokumentation "Profiteure der Angst"), scheint die Lage bei Covid-19 anders: hier fehlen bisher gewinnträchtige Medikamente oder gar Impfstoffe - dennoch vermag das honorige Börsenteam der ARD auch jetzt durchaus schon die "Virus-Profiteure" zu identifizieren, darunter auch global player wie den schweizer Pharma-Riesen Roche.

Darüber hinaus gibt es auch andere Länder als nur China, die versuchen, politisch von der Krise zu profitieren - Russland zum Beispiel, wie ein Bericht der Tagesschau nahe legt.

Im aktuellen politischen Kontext, den kluge Köpfe wie Heribert Prantl von der SZ, schon als Virolokratie bezeichnet haben (s.u.), ist es vielleicht nicht ganz uninteressant nachzulesen, wie heutige Protagonisten der "Corona-Krise" wie Christian Drosten damals die Situation (völlig falsch) eingeschätzt haben.... "Drosten rief dringend dazu auf, sich gegen die Schweinegrippe impfen zu lassen. 'Bei der Erkrankung handelt es sich um eine schwerwiegende allgemeine Virusinfektion, die erheblich stärkere Nebenwirkungen zeitigt als sich irgendjemand vom schlimmsten Impfstoff vorstellen kann.' "(s. hierzu SZ vom 17.05.2010).

Diese Äußerung von Drosten ist deshalb besonders pikant, weil er - in einer in vielerlei (nicht in jeder!) Hinsicht vergleichbaren Situation - für einen noch völlig unbekannten Impfstoff schon wieder ein erleichtertes und beschleunigtes Zulassungsverfahren fordert „Wenn wir es ohne erhöhte Todesraten Älterer schaffen wollen, müssen wir Regularien für die Entwicklung von Impfstoffen außer Kraft setzen“ (Podcast vom 18.03.2020) u.a. hier (ab etwa Minute 34).

Es ist schon sehr, sehr irritierend, dass die Politik (und auch die Gesellschaft, s. der podcast im NDR) genau diesen Experten erneut zum zentralen Fachmann für diese neue Krise erkoren hat... .

Schutzmaßnahmen wohl rechtswidrig

... so das Résumée einer Juristin in der Frankfurter Rundschau.

Auch die Juristen, die in einem Beitrag der ZEIT zitiert sind, sehen bezüglich der Legitimität der aktuellen Maßnahmen große rechtsstaatliche Probleme (DIE ZEIT 30.03.2020), der von der Tagesschau zitierte Rechtsanwalt nennt die mittlerweile im Eilverfahren durchgesetzte Änderung des Infektionsschutzgesetzes einen "schlechten Scherz […] "Es geht dem Bundesgesundheitsministerium doch ersichtlich darum, rechtswidrige Maßnahmen im Nachhinein zu legalisieren." (Tagesschau.de am 25.03.2020)

RiskNet: Covid 19 und der Blindflug - mehr Datenkompetenz!

Das Kompetenznetzwerk RiskNET, das "führenden Netzwerk zu den Themen Risikomanagement und Corporate Governance" setzt sich hier kritisch mit dem Umgang mit den verfügbaren (und eben den noch nicht verfügbaren) Daten auseinander.

Dänemark: Zwangstests und Zwangsimpfungen durch das Militär

Das politisch bisher als eher liberal geltende Dänemark hat im Rahmen der Corona-Krise Maßnahmen beispielloser Härte beschlossen: dort darf in Notlagen jetzt auch das Militär zwangstesten und (wenn denn ein Impfstoff verfügbar sein wird) auch zwangsimpfen (FR vom 19.03.2020).

Die Perspektive aus Italien

Die renommierte italienische Zeitung Corriere della sierra hat am 27.03. eine Analyse der italienischen SARS-CoV-2-Zahlen veröffentlicht. Dort heißt es unter anderem: "... es besteht ein enger Zusammenhang zwischen Testrichtlinien und scheinbarer Letalität (= case fatality rare): Diejenigen, die mehr Abstriche machen..., finden weniger schwer Erkrankte in der Allgemeinbevölkerung, und daher wird die scheinbare Letalität geringer sein. Diejenigen, die weniger Abstriche machen, finden mehr ernsthaft Erkrankte, und daher wird die scheinbare Letalität höher sein." [Die Übersetzung und den Hinweis auf den Artikel verdanke ich Martin Hirte - DANKE dafür!]. Die Autoren schätzen die tatsächliche Letalität in Italien auf ca. 1,15% (0.51-1,15%), wegen der Überalterung etwas höher als in anderen Ländern (China 0,66%, Großbritannien 0,9%). Daraus berechnen sie, dass es in Italien bisher 350'000 bis 1,2 Millionen Infizierte gibt.

Die Perspektive aus Österreich

Der österreichische Sender servus.tv strahlte diesen interessanten Beitrag zum Einordnen von Todesfällen und Infizierten-Zahlen aus.

Triage in Italien - Mythos oder Realität?

Eine massenhafte Versorgung schwerkranker Patienten angesichts limitierter medizinischer Ressourcen birgt immer das Risiko in sich, priorisieren zu müssen, welche Patienten in welcher Reihenfolge welche medizinische Maßnahmen erhalten - die so genannte Triage. Dies ist naturgemäß ein emotional hochsensibles und ethisch anspruchsvolles Thema - Berichte aus Italien, wo angeblich die medizinischen Kapazitäten längst überfordert seien und Triage Teil der Versorgungsrealtiät auch in Bezug auf Intensivplätze und Beatmunsgeräte sei, scheinen - folgt man der Süddeutschen Zeitung - bis jetzt mehr Mythos als Realität zu sein. "Aber gab es bisher tatsächlich Fälle von Triage? Als neulich der Chef des nationalen Zivilschutzes danach gefragt wurde, sagte Angelo Borrelli, er wisse von keinem einzigen. Bei aller Dramatik der Lage im Norden des Landes: Die Intensivbetten reichten bisher immer gerade mal aus. Und nun, da die Zahl der Neuinfektionen etwas sinkt, ist man zuversichtlich, dass der Wettlauf gewonnen werden kann." (SZ vom 26.03.2020).

Karin Mölling: Das Virus der Panik

Hier ein Interview mit der renommierten emeritierten Professorin für Virologie Karin Mölling (ehemals am Max Planck-Institut in Berlin), das sehr ausführlich auch virologische Basisinformationen und Hintergründe liefert und in dem sie die aktuell in Deutschland ergriffenen Maßnahmen deutlich kritisiert.

Stanford-Mediziner: Sterblichkeit um Größenordnungen niedriger? Endlich mehr testen!

In einem Kommentar im Wall Street Journal analysieren zwei Mediziner der Stanford University die italienischen und US-amerikanischen Zahlen und weisen darauf hin, dass die tatsächliche Fallsterblichkeit "um Größenordnungen" niedriger liegen könnte, als bisher angenommen. [Der Artikel ist durch eine paywall geschützt und ist daher hier nur in Auszügen zu zitieren.]

Ist das Coronavirus so tödlich wie sie sagen?

Die aktuellen Schätzungen über die Covid-19 Sterblichkeitsrate könnten um Größenordnungen zu hoch liegen.

„Wenn es stimmt, dass das neue Coronavirus ohne Ausgangssperre und Quarantänemaßnahmen Millionen töten würde, wären diese außerordentlichen Maßnahmen, die von Städten und Bundesstaaten überall im Land verhängt werden, sicher gerechtfertigt. Aber es gibt wenig Evidenz, diese Annahme zu stützen – und Hochrechnungen der Todesfälle könnten plausiblerweise um Größenordnungen zu hoch liegen.“

Die Autoren kritisieren die von der WHO veröffentlichte Fallsterblichkeit von 2 – 4% als zutiefst fehlerhaft, weil sie eben nur die als positiv erkannten Fälle zu Grunde legt, nicht die Anzahl der tatsächlich Infizierten (diese ist unverändert unbekannt) und dadurch systematische Verfälschungen durch die unterschiedlichen Teststrategien Eingang in diese Schätzungen finden.

Sie extrapolieren die Zahlen der italienischen Stadt Vò, in der Anfang März tatsächlich alle Einwohner getestet worden seien auf die gesamte Provinz und kommen zu einer Untererfassung der tatsächlichen Infektionen um den Faktor 130 – dies ergäbe auch für Italien eine Fallsterblichkeit von 0,06% an Stelle der angenommenen 8%.

Auch aus den wenigen vorliegenden US-amerikanischen Zahlen berechnen Autoren eine Untererfassung der tatsächlichen Fälle um den Faktor 72.

Die Mediziner fordern mit Nachdruck repräsentative Tests der Bevölkerung (einschließlich derer, die Covid-19) bereits überstanden haben – vor allem mit den mittlerweile verfügbaren Blutuntersuchungen. „Fast jeden Tag erhält ein neues Labor die Zulassung für Antikörper-Tests, so das bevölkerungsweites Testen jetzt machbar ist […] Wir sollten unverzüglich Schritte einleiten, um die empirische Basis der jetzigen lockdowns zu überprüfen“

Dr. Bendavid und Dr. Bhattacharya sind Professoren für Medizin in Stanford.

SZ: Die Krone der Naivität

In einem Artikel zum eigentlich hochinteressanten Ansatz und Thema der Herdenimmunität bei Covid-19 (SZ vom 21.03.2020) entlarvt sich die SZ-Wissenschaftsredaktion wieder einmal als mehr als, vorsichtig formuliert, impfeuphorisch: Berit Uhlmann weist in ihrem Artikel durchaus differenziert darauf hin, dass einige europäische Staaten initial mit dem Argument der entstehenden Herdenimmunität auf drakonische Maßnahmen wie in Deutschland verzichteten (was politisch nicht durchsetzbar war) und führt dann als mögliches Gegenargument auf, dass noch nicht klar ist, inwieweit Covid-19 tatsächlich eine dauerhafte, individuelle Immunität hinterlässt - diese wäre natürlich eine Bedinung für das Entstehen einer Herdenimmunität.

Der Schlussabsatz des Textes zeugt jedoch von atemberaubender Impfgläubigkeit und wissenschaftlicher Naivität, wenn er eine "echte Herdenimmunität" erst dann in Aussicht stellt, wenn ein Impfstoff gefunden sei. Dies ignoriert erstens völlig die derzeitige Situation, in der noch nicht einmal ernsthafte Studien zu möglichen Impfstoffen begonnen haben (damit also noch vollständig unklar ist, ob es einen Impfstoff geben wird und wogegen der dann tatsächlich schützt - s. hier) und zweitens die Tatsache, dass auch bei den etablierten Impfstoffen gegen andere Erkrankungen nur ein Bruchteil eine klinisch relevante Herdenimmunität erzeugt (s. hier).

Das Experiment Schweden

Während der Rest Europas als Folge der Covid-19-Pandemie Grundrechte außer Kraft setzt und eine beispiellose wirtschaftliche Rezession riskiert, geht Schweden im Umgang mit SARS-CoV-2 einen eigenen Weg.

Interessante Informationen zu Covid-19 und zum gewählten Sonderweg finden sich (auf Englisch) hier.

In einer Fernsehdiskussion nannte der deutsche Virologe Hendrick Streeck das Vorgehen "gewagt […] in dem politischen Umfeld […] aber gar nicht so verkehrt." (ZDF 31.03.2020).

Es könnte sich allerdings - angesichts auch in Schweden steigender Todeszahlen - laut der SZ vom 05.04.2020 ein Kurswechsel abzeichnen.

Verfassungsrechtliche Bedenken gegen Zwangsmaßnahmen

Zunehmend melden sich auch (Verfassungs-)Juristen zu Wort, die die Verfassungsmäßigkeit der verhängten Restriktionen anzweifeln, so z.B. Prof. Edenharter von der Universität Hagen. Siehe auch hier.

JPA Ioannidis - Covid-19: vom Schaden von Übertreibung und Maßnahmen ohne wissenschaftliche Evidenz

JPA Ioannidis hat - nach seinem ersten Artikel auf StatNews, der weiter unten übersetzt zu finden ist - einen weiteren, ausführlicheren Artikel im European Journal of Clinical Investigation veröffentlicht, der hier im Original herunterzuladen ist (noch preprint) und dessen Kernaussagen Sie hier übersetzt finden.

Peter Gøtzsche: Corona - eine Epidemie der Massenpanik

Der langjährige Chef des Nordic Cochrane Centers, Peter Gøtzsche, hat mittlerweile zwei kluge, lesens- und bedenkenswerte Artikel zur Coronoia veröffentlicht - einen im BMJ am 08.03.2020, einen am 21.03. auf seiner website.

SARS-CoV-2: Erste Bluttests entwickelt

Forscher der US-amerikanischen Icahn School of Medicine haben einen ersten Bluttest entwickelt, der mit ausreichend hoher Sensitivität und Spezifität eine abgelaufene Infektion mit SARS-CoV-2 nachweisen kann. Hiermit würden erstmalig die von vielen Experten geforderten Untersuchungen zu den tatsächlichen Infektionszahlen möglich. Hier die entsprechende Veröffentlichung, die hier etwas allgemeinverständlicher zusammengefasst wird.

Auch eine finnische Forschergruppe berichtet in Eurosuveillance Weekly über vielversprechende Ergebnisse an eigenen Patienten.

Covid-19, Sterblichkeit und der nächste Geburtstag

Seitdem schon früh in der damals noch SARS-CoV-2-Epidemie klar wurde, dass von schweren Verläufen oder gar Todesfällen in erster Linie Ältere und chronisch Kranke betroffen sind, schwang bei Bewertung und Diskussion der Todesfälle immer auch die Frage mit, ob hier nicht Menschen betroffen seien, die auch ohne die Infektion zeitnah gestorben wären; mit anderen Worten: wie stark denn eine Infektion mit Coronaviren das Sterblichkeitsrisiko des Einzelnen und die Gesamtsterblichkeit einer Bevölkerung tatsächlich erhöht.

Spätestens mit den Modellrechnungen, die das Imperial College London, eine Institution, die die britische Regierung berät, am 20.03.2020 veröffentlichte, erhielt diese Diskussion eine nochmal stärkere Dringlichkeit, war dort doch von bis zu 500.000 Todesfällen durch Covid-19 nur für das UK die Rede (Atchinson 2020).

Schon erste kritische Kommentare der BBC warfen jedoch die Frage auf, ob denn diese Todesfälle tatsächlich zusätzlich zu erwarten seien (was einer de facto Verdopplung der britischen Gesamtsterblichkeit pro Jahr entspräche), oder ob es hier nicht Überlappungen mit eben dieser Gesamtsterblichkeit gäbe. Der in meinen Augen kluge Kommentar von Nick Triggle auf der website der BBC (den ich hier übersetzt habe), veranlasste wiederum David Spiegelhalter, einen Statistiker und Evidenzforscher des Winton Centre for Risk and Evidence Communication der Universität Cambridge zu einigen wenigen, in meinen Augen allerdings sehr hilfreichen Überlegungen und Berechnungen, die im Original hier nachzulesen sind und deren Übersetzung hier zu finden ist. Spiegelhalter kommt - ausgehend von den Modellierungen des Imperial College auf der einen und den britischen Sterblichkeitsstatistiken auf der anderen Seite - zu dem Ergebnis, dass Covid-19 das Risiko zu versterben in etwa so stark erhöht, wie es dies ein zusätzliches Lebensjahr täte (denn das Risiko, wie Spiegelhalter mit britischem Humor schreibt, den jeweils nächsten Geburtstag nicht mehr zu erleben, steigt ja von Jahr zu Jahr exponentiell an...).

Spiegelhalter

Dies ist - zumindest in meinen Augen - eine sehr anschauliche Beschreibung des tatsächlichen Risikos von Covid-19...

JPA Ioannidis: Corona - ein Fiasko der evidenzbasierten Medizin

Die derzeit profundeste Stellungnahme aus mehr als berufenem Munde stammt von John P.A. Ioannidis, einem der wichtigsten Epidemiologen und Statistiker weltweit - sie ist hier veröffentlicht.

Da der Text schon für des Englischen Kundige durchaus herausfordernd ist: hier eine inoffzielle Übersetzung ins Deutsche.

Hier erschien mittlerweile eine lesenswerte Gegenposition eines ebenfalls renommierten Statistikers der Harvard University.

EBM-Netzwerk: Covid-19: Wo ist die Evidenz?

Der Hort der Evidenz-basierten Medizin in Deutschland - das EBM-Netzwerk - stellt, wen wundert dies, wie Ioannidis die Frage nach der wissenschaftlichen Grundlage, der Evidenz eben, dessen, was weltweit gerade von vielen Wissenschaftlern geraten und von Politikern dekretiert wird und kommt zu, vorsichtig formuliert, ernüchternden Ergebnissen.

Influenza-Impfung und Coronaviren

Eine Studie an US-amerikanischen Armeeangehörigen hat untersucht, ob die Influenza-Impfung das Risiko erhöhen könnte, an anderen Virusinfektionen der Atemwege zu erkranken - ein Verdacht, der schon länger besteht und der mit dem Begriff der Virus-Interferenz bezeichnet wird (Wolff 2020). Bei der Untersuchung an über 5000 amerikanischen Soldatinnen und Soldaten (für die die Influenzaimpfung eine Pflichtimpfung ist), fand sich insgesamt kein erhöhtes Gesamtrisiko, sehr wohl aber eine Erhöhung für eine Infektion mit Coronaviren (und mit einem anderen Virus, dem Metapneumovirus). Nun wurde - dies sei ausdrücklich betont - hier natürlich nicht auf das SARS-CoV-2 getestet, das insgesamt erhöhte Risiko, nach der Influenzaimpfung an Coronaviren zu erkranken, macht dennoch in der aktuellen Situation nachdenklich und wirft Fragen auf zur mantraartig wiederholten Empfehlung gerade jetzt während der Covid-19-Pandemie unbedingt gegen Influenza zu impfen.

Erste epidemiologische Ergebnisse - neue Fragen

Fast unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit erschien am 16.03. eine Arbeit (Li 2020), die anhand der frühen Daten aus China versucht, erste belastbare Antworten auf einige der zentralen Fragen der Covid-19-Pandemie zu geben:

  • wie viele der mit SARS-CoV-2 Infizierten entwickeln überhaupt Symptome?

  • wie ansteckend ist dieses Virus denn wirklich und vor allem: wie ansteckend sind die unbemerkt Infizierten?

Folgt man der immerhin in Science veröffentlichten Studie, bleiben fast 90% der Infektionen mit SARS-CoV-2 unbemerkt und die unerkannt Infizierten sind zwar nur gut halb so ansteckend, wie die tatsächlich Erkrankten (55% - dies übersetzt Vernazza nicht korrekt), sind aber aufgrund ihrer Überzahl für fast 80% der Infektionen verantwortlich.

Ein im Wesentlichen kluger Kommentar zu dieser Studie aus der Schweiz fordert, die auch dort ergriffenen Sofortmaßnahmen immer wieder kritisch zu überprüfen und nennt als Beispiel die in der Schweiz wie auch in Deutschland verfügten Schulschließungen, für deren epidemiologische Effektivität jede wissenschaftliche Grundlage fehlt und die - ein Argument, das ja auch Ioannidis anführt - verhindern, dass sich in einer praktisch ungefährdeten Bevölkerungsgruppe eine stabile und tragfähige (Herden-) Immunität ausbildet (Vernazza 2020).

Auf das Fehlen einer wissenschaftlichen Evidenz für die Effektivität der jetzt z.B. in Bayern verfügten Ausgangssperren wies Christian Drosten ja schon am Freitag in seinem Podcast im Norddeutschen Rundfunk hin.

Auf dem Weg in die Gesundheitsdiktatur (Hontschik) bzw. die Virolokratie (Prantl)?

Der deutsche Chirurg und Kolumnist Dr. Bernd Hontschik versucht in der Frankfurter Rundschau vom 21.03.2020 - gewohnt launig - die Covid-19-Pandemie in den Kontext anderer, plötzlich aus der öffentlichen Wahrnehmung völlig verschwundener Krisen und Katastrophen zu stellen; nicht streng wissenschaftlich, aber lesens- und bedenkenswert.

Der Jurist und Kolumnist Heribert Prantl warnt - bei allem notwendigen Respekt, den er Virologen in der aktuellen Situation zollt - unter dem Titel "Auch für die Not gibt es Regeln" vor dem gegenwärtigen Errichten einer Virolokratie in Deutschland (SZ vom 21.03.2020)

Influenza in Europa

Der Vergleich Covid-19/saisonale Influenza wird derzeit von beiden "Lagern" der Covid-19-Pandemie-Betrachtung waidlich genutzt und instrumentalisiert - auf der einen Seite stehen diejenigen, die, ähnlich wie Tom Jefferson, sagen: was ist daran schlimmer als an einer saisonalen Influenza? Auf der anderen Seite die, die vehement fordern, man müssen endlich aufhören, Covid-19 als lediglich etwas andere Influenza zu verharmlosen.

Da auch bei der Influenza - trotz eines schon seit vielen Jahren verfügbaren und relativ zuverlässigen Abstrich-Tests - nur ein  Bruchteil der tatsächlichen Fälle tatsächlich im Labor bestätigt werden, gibt es sowohl bei den Krankheits-, als auch bei den Todesfällen eine jeweils dramatische Diskrepanz zwischen den bestätigten und angenommenen Fällen. So dokumentiert das Robert Koch-Institut (RKI) für das Jahr 2018 1.121 Todesfälle (RKI 2019a) in Deutschland, bei denen nach Referenzdefinition eine Influenza nachgewiesen wurde, geht aber gleichzeitig in seinem Bericht über die Influenza-Saison 2017/2018 von 25.100 Todesfällen in Deutschland durch Influenza aus (RKI 2019b) .

Dieses Dilemma besteht in allen Ländern der Welt und es wurden verschiedenste Ansätze gesucht, hier dennoch zu einer Abschätzung der Krankheits- und Sterblichkeitslast durch Influenza zu kommen. In Europa existiert seit vielen Jahren das so genannte EuroMomo-Forschungsprojekt, in dem wöchentlich (!) die Gesamtsterblichkeit (all-cause mortality) von 24 teilnehmenden europäischen Ländern und Regionen veröffentlicht wird mit ihrer jeweiligen Schwankung und den sich ergebenden Standardabweichungen. Die Ergebnisse sind zeitnah öffentlich einsehbar, so wird derzeit (KW 12) immerhin das Datenmaterial der KW 11 bereits dargestellt (auch wenn in den jeweils ein bis zwei unmittelbar zurückliegenden Wochen sicher noch leicht nachkorrigiert werden wird aufgrund eventueller Meldeverzögerungen). Dargestellt wird jeweils die mittlere Sterblichkeit und die Grenzen des zweifachen bzw. vierfachen so genannten z-scores, einem Maß für die Streubreite dieser statistischen Daten. Werte, die den Basiswert um mehr als den zweifachen z-score überschreiten, werden als Exzess-Mortalität erfasst und bewertet. In der Vergangenheit wurden auf der Grundlage der EuroMoMo-Daten oft die in diesem Sinne die Durchschnittssterblichkeit überschreitenden Werte der Wintermonate stark vereinfachend der jeweiligen Influenza-Welle zugeschrieben.

Hier ist die am 10.04.2020 aktuelle EuMoMo-Graphik (Quelle: euromomo.eu, Abruf 10.04.2020), die sich beim Daraufklicken lesbar vergrößert:

 

EuroMomo map

EuroMoMo gesamt

Es zeigt sich, dass die saisonale Übersterblichkeit mittlerweile spürbar zugenommen, hat was gerade in Italien und Spanien sicher auch an den COVID-19-Todesfällen liegen wird - insgesamt liegen die saisonalen Todesfälle immer noch im Rahmen z.B. der Influenzasaison 2017/2028 (aufgrund der großen Dynamik der Entwicklung und der genannten möglichen Meldeverzögerung sind diese Daten immer unter Vorbehalt zu betrachten).

EuroMoMo countries

Da die saisonale Zunahme der Gesamtsterblichkeit natürlich ein nur sehr ungenaues Maß für die Influenza-Sterblichkeit darstellt, wird EuroMomo seit einigen Jahren ergänzt durch FluMoMo, wo - auf ähnlicher Datengrundlage - mittels entsprechender Algorithmen und Rechenverfahren versucht wird, die tatsächlich der Influenza zuzuschreibende Exzess-Sterblichkeit in den jeweiligen Wintermonaten zu ermitteln. Eine öffentliche Darstellung dieser Ergebnisse wie bei EuroMoMo sucht man vergeblich, aber es gibt mittlerweile erste Studien, die diese Daten für Berechnungen verwenden. Die bisher umfassendste Untersuchung findet sich in einer Veröffentlichung des für FluMoMo federführenden Dänischen Statens Serum Institut (Nielsen 2019): hier wurden die influenzabedingten Todesfall-Raten von der Saison 2012/13 bis zu Saison 2017/18 errechnet.Einschränkend muss erwähnt werden, dass nicht alle europäischen Staaten Daten an FluMoMo liefern, die Autoren der Studie selber halten die Daten aber für repräsentativ genug, hieraus auf die zu vermutenden Todesfälle in ganz Europa hochzurechnen, was sie für 2017/2018, dem Titel der Studie entsprechend, tun:

Nielsen 2019

 

Legt man die errechneten Exzess-Mortalitäten und die jeweiligen Bevölkerungszahlen Europas in den jeweiligen Jahren (Quelle: worldometers.info) zu Grunde, ergeben sich folgende Zahlen:

 

Influenza Tote 2012 18

[Es sei nicht verschwiegen, dass die der Graphik zu Grunde liegenden Zahlen zwar der Nielsen-Studie folgen (sie verwenden die dort angegebenen Exzess-Mortalitätsraten und die auch laut Studie verwendeten Bevölkerungszahlen von worldometers.info, dennoch ergibt sich meiner Berechnung nach eine Abweichung: Nielsen kommt für die Saison 2017/18 "nur" auf 152.000 Influenzatote, meine Berechnungen ergeben jedoch fast 190.000 Tote - ich bin mit dem Autor in Austausch zu dieser Abweichung.]

Die aktuellen Daten zu Covid-19 in Europa finden sich auf den Seiten der European Centers for Disease Prevention and Control (ECDC) - dort finden sich für Europa insgesamt am 21.03.2020 knapp 6000 Todesfälle, bei denen SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde.

Influenza in Italien

Auf der gleichen Datengrundlage FluMoMo haben italienische Autoren die Influenza-Todesfälle für Italien errechnet (Rosano 2019) - demnach starben in Italien in der jeweiligen Influenzasaison

  • 2013/14: 7.027

  • 2014/15: 20.259

  • 2015/16: 15.801

  • 2016/17: 24.981

Menschen an Influenza.

Die Autoren erklären diese vergleichsweise hohen Zahlen selber: "The observed excess of deaths is not completely unexpected, given the high number of fragile very old subjects living in Italy."  Dieser Punkt findet sich auch in einem Artikel der SZ, der versucht zu erklären, warum gerade Italien so stark von Covid-19 betroffen ist.

Tom Jefferson: Was ist besonders dieses Mal?

Schon vor Ioannidis hatte sich mit Tom Jefferson einer der gerade bei Influenza führenden Epidemiologen zu Covid-19 geäußert - auch wenn die Zahlen des Kommentars (er stammt vom 02.03.) nicht mehr aktuell sind, hat sich an der Substanz seiner Überlegungen m.E. nichts geändert.

Der Originalartikel ist im renommierten British Medical Journal erschienen, hier finden sie meine Übersetzung.

Wolfgang Wodarg: Die Sicht eines ehemaligen Amtsarztes

 

 

 

Wodarg ist Internist, Pulmonologe, ehemaliger Amtsarzt und ehemaliges MdB - er hat früh eine völlig andere Position eingenommen, als viele andere entsprechende Fachleute und wurde dafür früh angefeindet und scharf kritisiert.

Seine bisherige Funktion als Mitglied des Vorstands von transparency international wurde von der Organisation suspendiert, nachdem Wodarg seine Einschätzung immer wieder auch in Medien kommunizierte, die politisch problematische Konnotate hatten oder parallel auch Verschwörungstheorien transportierten.

Literatur

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