Auf der Grundlage dieser Evidenz werden dann Leitlinien für ärztliches Handeln erstellt, die, um dem eigenen Anspruch gerecht zu werden, eine Reihe von Kriterien erfüllen müssen:

so muss jede gute Leitlinie klar den Endpunkt, das Ziel der Intervention definieren – dies ist, nach Sackett, dem Vater der modernen EBM, in aller erster Linie „Schwerwiegende Krankheitsverläufe mit Defektheilung oder Todesfolge zu verhindern

Dies deckt sich im Groben durchaus mit der Präambel der STIKO-Empfehlung in der als Ziel formuliert wird: „den Geimpften vor einer Krankheit zu schützen“ (s. o.).

Erklärtes Ziel aktueller Impfprogramme und –strategien ist jedoch zunehmend die Eradikation einer Erkrankung, am besten im globalen Maßstab, Erfolgskriterium und Argumentationsgrundlage sind vor allem Erregernachweise und die Häufigkeit von Serotypen, reine Surrogatparameter also, die als kurzfristige „Ersatzziele“ zunehmend alleinig in den Mittelpunkt der Diskussion rücken. Hinweise darauf, wie wenig diese Kriterien mit dem eigentlichen Ziel, dem Schutz vor (schwerer) Erkrankung zu tun haben, gibt es zunehmend.