Keuchhusten - Die "neue" Impfung

Effektivität

  • Eine Schwedische Untersuchung ergab 54 - 64% Effektivität bezüglich kulturell bestätigten Keuchhustens (Ad hoc group, 1988). Deutsche Untersuchungen kamen zu günstigeren Ergebnissen (Schneeweiss 1996) aber auch hier gilt:
  • Unsere Daten legen nahe, dass die Mitarbeit der Beobachter (Beobachter-Bias) zu einer signifikanten Überschätzung der errechneten Wirksamkeit einer Impfung führen kann. Es ist wahrscheinlich, dass alle aktuellen Wirksamkeitsstudien durch diese Art von Ergebnisverfälschung betroffen sind und alle Impfstoffe wesentlich weniger wirksam gegen die milde Form der Erkrankung sind, als die veröffentlichten Daten suggerieren.“  (Cherry 1998)
  • Eine aktuelle schwedische Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass - abweichend von den bisherigen Annahmen - auch im Säuglingsalter eine moderate Schutzwirkung schon durch die erste verabreichte Keuchhustenimpfung erreicht wird (Nilsson 2012). Dies ist insofern interessant, als die kritische Periode für Komplikationen der Erkrankung vor allem die ersten 4, maximal 6 Lebensmonate beträgt.

 

Nebenwirkungen

  • Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass eine Keuchhusteninfektion nach vorangegangener (azellulärer) Impfung eine besonders riskante Situation darstellt, da es hierbei (anders als bei nicht geimpften Kindern) zu einer deutlich allergieassoziierten Immunantwort kommt (Hendrikx 2011) - dies unterstützt die klinische Beobachtung, dass für diese Kinder ein deutlich erhöhtes Asthma-Risiko besteht.

  • Grund für die Einführung des „neuen“, azellulären Impfstoffes war vor allem die Erwartung der Reduktion der für den „alten“ Impfstoff charakteristischen schweren Nebenwirkungen.
  • In Japan, wo die azelluläre Keuchhustenimpfung zuerst in größerem Maßstab durchgeführt wurde, ergaben erste Untersuchungen, dass die Rate der milden UAW (Fieber, Unruhe etc.) um ca. 60% sank, die der sehr seltenen schweren UAW blieb in etwa gleich verglichen mit dem „alten Keuchhustenimpfstoff“ (Noble 1987).
  • In Schweden gab es ähnliche Ergebnisse: es kam zu 2 schweren enzephalopathische Erkrankungen (bei 212 Impfdosen, 1 : 100) (Ad hoc group, 1988), daher wurde der Impfstoff 1989 nicht zugelassen.
  • Beschrieben wurde mittlerweile auch die Manifestation einer schweren, fortschreitenden Hirnschädigung (Rett-Syndrom-artige Enzephalopathie) wenige Stunden nach der aP-Impfung (Fiumara 2002)
  • Die Häufigkeit von Krampfanfällen insgesamt innerhalb von 3 Tagen nach der Impfung wurde für den „alten Impfstoff“ (DPT) auf 1 : 4000, für den „neuen Impfstoff“ (DPacT) immerhin noch auf 1 : 16000 berechnet (Uberall 1997).
  • Schockartige Zustände mit Verlust des Muskeltonus und fehlender Ansprechbarkeit der Kinder (Hypoton-Hyporesponsive Episoden HHE, s. o.) wurden auch nach Anwendung des azellulären Impfstoffes beobachtet (Goodwin 1999, Heininger 1999, DuVernoy 2000).
  • Schwere allergische Reaktionen wurden auch nach DTPac-Impfstoff beobachtet (Sakaguchi 1998)
  • An das amerikanische System zur Erfassung von Impfnebenwirkungen VAERS wurden im Zusammenhang mit der Keuchhustenimpfung zwischen 1995 (alleinige Verwendung des „alten“ Impfstoffes) und 1998 (ganz überwiegende Verwendung des „neuen“ Impfstoffes) folgende Fallzahlen gemeldet (Braun 2000):
  Gesamt Leichte UAW Schwere UAW Todesfälle
1995 2071 1652 334 85
1996 1894 1501 311 82
1997 1314 1004 233 77
1998

(nur 1. Halbjahr)

491 357 93 41
  • Beunruhigend an diesen Zahlen ist vor allem, dass durch den Wechsel des Impfstoffes bei deutlich gesunkenen Gesamtmeldungen die schweren UAW und die Todesfälle relativ am wenigsten abgenommen haben.

  • Auch bei Erwachsenen, die aktuellen Impfempfehlungen zu Folge auch (in Österreich sogar regelmäßig) gegen Keuchhusten geimpft werden sollen, lässt die Verträglichkeit der Impfung deutlich zu wünschen übrig: eine Studie aus dem Jahr 2012 weist hier schwere neurologische (Guillain-Barré-Syndrom, Demyelinisierende Erkrankungen) und allergische UAWs nach (Chang 2012).

Literatur:

Chang S. Vaccine 2012 Nov 8. pii: S0264-410X(12)01570-8. doi: 10.1016/j.vaccine.2012.10.097.

Hendrikx LH. Vaccine. 2011 Sep 16;29(40):6874-80.

Nilsson L. Vaccine. 2012 May 2;30(21):3239-47.

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