Epidemiologie

  • "In Deutschland wurden in den letzten Jahren unter 15 Erkrankungsfälle jährlich verzeichnet, überwiegend bei älteren Erwachsenen (vor 1970 waren es noch weit über 100 Erkrankungen). Die genaue Häufigkeit des Tetanus kann bei der gegenwärtigen Melderegelung nicht beurteilt werden, tödlich verlaufende Erkrankungsfälle werden über die Todesursachenstatistik erfasst." (RKI 2010).
  • Da bei der überwiegenden Mehrzahl der Frauen in Deutschland bis in das mittlere Erwachsenenalter in Deutschland nach den Impfungen im Kindesalter ausreichende Antikörpertiter nachweisbar sind, kann in den meisten Fällen von einem Nestschutz für Säuglinge in der Regel mindestens bis zum 6. Lebensmonat ausgegangen werden - dies ist im Einzelfall natürlich abhängig vom Antikörpertiter der Mutter (Heininger 1999).

  • In Deutschland fand eine ältere Untersuchung bei 65% der über 60-Jährigen keine schützenden Antikörperspiegel mehr (Werner 1985), Daten, die sich in einer neueren Studie bestätigten (Schröder 1991)

  • Einer niederländischen Untersuchung zufolge liegt heutzutage das Erkankungsrisiko für Ungeimpfte in westlichen Industrienationen bei ca. 1:300.000/Jahr, pro Verletzung bei 1:500.000 bis 1:2.000.000 (de Melker 2004).

 

Erreger

  • Clostridium tetani, weltweit verbreitetes Bakterium, v. a. im Magen-Darm-Trakt von Mensch und Tier und fäkalienverschmutzter Erde.

  • Wächst und vermehrt sich unter anaeroben Bedingungen, d. h. unter Luftabschluss, und bildet mehrere Neurotoxine, d. h. für das Nervensystem giftige, krampfauslösende Substanzen.

  • Das Tetanusbakterium ist bei manchen Menschen im Darm als Teil der natürlichen Kolonisierung nachweisbar (s. hier) - entgegen der Annahme älter Studien entsteht durch diese Besiedlung (anders als z.B. bei der Diphtherie) aber keine natürliche, antitoxische Immunität, weil die entscheidenden neutralisierenden Antikörper nicht gebildet werden (Borrow 2007).

 

Infektionsmodus

  • Über Verletzungen – diese müssen nicht sichtbar verschmutzt sein. Typische tetanusgefährdete Wunden sind z.B. Neugeborenen-Nabelstumpf (spielt in Deutschland i.d.R. keine Rolle), Stich, Splitter, Pfählung, Biss, Quetschung, Verbrennung, Erfrierung, Drogeninjektion. In einer vietnamesischen Untersuchung fanden sich vor allem folgende wahrscheinliche Ursachen der behandelten Fälle: Akupunktur, Ohrlochstechen, Pediküre (!), Mittelohrentzündung sowie Injektionen (Farrar 2000). In 13% (Seydi 2000) bis 25% (Farrar 2000) der Fälle fand sich keine offensichtliche Ursache/Eintrittspforte.

 

Infektionsverlauf

  • Inkubationszeit 3 Tage bis 3 Wochen - je kürzer, desto schlechter ist die Prognose des Patienten. Je weiter die Eintrittspforte vom Gehirn entfernt ist, desto länger ist die Inkubationszeit.

  • Es kommt zu zunehmenden Muskelkrämpfen, schließlich anfallsweise generalisierter Muskelstarre.

  • Das Bewusstsein ist nicht betroffen.

  • Die durchgemachte Erkrankung hinterlässt keine Immunität - dies wird auf die sehr geringen absoluten Mengen des Neurotoxins zurückgeführt (CDC 2015)

 

Komplikationen

  • Kehlkopfkrampf mit Atemstillstand, Lungenentzündungen, Knochenbrüche
  • Letalität 10 - 20% unter den Bedingungen moderner Intensivmedizin (RKI 2010). Nach amerikanischen Untersuchungen beträgt die Letalität bei Personen unter 50 Jahren weniger als 5%.

 

Therapie

  • Wundversorgung, Simultanimpfung, Antibiotika.
  • Intensivmedizinische Betreuung mit Muskelrelaxation, Narkose, Beatmung über längere Zeit.

 

Literatur:

Borrow R./WHO, Department of Immunization. 2007. Immunological basis for immunization: Molule 3 : Tetanus (update 2006). Geneva: World Health Organization

CDC. The Pink Book. Tetanus. (Abruf 20.02.2016)

de Melker, HE. Ned Tijdschr Geneeskd 2004b, 148(9): 429-433

Heininger U. Cons Infect. 1999

Farrar JJ. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2000;69:292-301.

RKI. Ratgeber für Ärzte - Tetanus. Stand 2010. (Abruf 20.02.2016)

Schröder JP. Immun. Infekt. 19, 14-17, 1991

Seydi M. Dakar Med. 2000;45(1):5-7.

Werner GT. Soz Praventivmed. 1985;30(2):103-6.