Die Diskussion um die geplante (!) Impfpflicht für Kinder in Betreuungseinrichtungen in Brandenburg (BB) wird - wie die gesamte aktuelle Impfpflicht-Diskussion - mit fake news und alternativen Fakten geführt. Hier die offiziellen Zahlen im Faktencheck.

In der aktuellen Veröffentlichung des Brandenburgischen Gesundheitsministerium zu Kindergesundheit heißt es im April 2018:

"Im Jahr 2017 sank die gemeldete Anzahl an Masern-Erkrankten unter Jugendlichen auf zwei (0,5 pro 100.000). Masern-Fälle bei Kindern zwischen 0 bis 14 Jahren traten nicht auf, was für aktuell wirksame Impfmaßnahmen sprechen kann (siehe hierzu auch Abschnitt Impfquoten). Weil die Durchimmunisierungsraten bei Masern, Mumps und Röteln bei Kindern in Brandenburg ausreichend hoch (WHO Ziel von 95 % weitgehend erreicht) sind, beschränken sich Masernerkrankungen auf die Familien der Erkrankten. Masern-Ausbrüche in Kitas oder Schulen sind bislang nicht aufgetreten." (MASGF 2018).

Die aktuellen Zahlen des Robert Koch-Instituts für Brandenburg stützen diese Einschätzung:

 

Faktencheck Brandenburg

 

Es zeigt sich im Einzelnen:

Zur Masernerkrankung

  • es gibt in den letzten Jahren in Brandenburg definitiv keine kontinuierliche Zunahme von Masernfällen

  • wie in anderen Bundesländern auch sind die Masern auch in BB zunehmend eine Erkrankung Erwachsener - diese Altersgruppe ist durch kein aktuell diskutiertes Modell einer Impfpflicht zu erreichen

  • die Zielgruppe der geplanten Impfpflicht - Kinder in Gemeinschaftsbetreuungseinrichtungen - spielen für die Gesamtzahl der Erkrankungen einer völlig untergeordnete Rolle

  • in den ersten 12 Kalenderwochen diesen Jahres wurde in BB kein einziger Masernfall gemeldet.

 

Zur Masernimpfung

  • Die Durchimpfungsraten in BB liegen seit Jahren deutlich über dem bundesdeutschen Durchschnitt, bei der ersten und der zweiten Masernimpfung

  • Insbesondere bei der (überschätzten, s. hier) zweiten Masernimpfung liegen die Impfraten seit 5 Jahren über der "magischen Grenze" der WHO von 95%, ab der eine wirksame Herdenimmunität erwartet wird.

Übernimmt man die Sichtweise der WHO, dass ab einer Durchimpfung von 95% eine wirksame Herdenimmunität greift - und die Erkrankungszahlen bei Kindern unter 15 Jahren in BB lassen diesen Schluss durchaus zu - wäre eine Impfpflicht in BB mit dem deutschen Infektionsschutzgesetz unvereinbar. Dies fordert für jede Form von Impfpflicht, dass bei der jeweiligen Erkrankung "mit ihrer epidemischen Verbreitung  zu rechnen" sein müsse (IfSG § 20,VI). Diese epidemische Verbreitung ist bei den aktuellen Durchimpfungsraten völlig ausgeschlossen.

 

Literatur

MASGF. 2018. Gesundheit und Gesundheitschancen für Kinder im Land Brandenburg. Abruf 13.04.2019